Wohlig warme Wände

Nicht jede Gebäudefassade lässt sich mit einem Wärmedämmverbundsystem verkleiden. Eine Innendämmung bietet unter Umständen das bessere Energiesparkonzept. Wir informieren über Grundlagen.

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Energetisches Modernisieren von Gebäuden ist eine Investition in die Zukunft, die Heizkosten senkt und den Werterhalt der Immobilie steigert. Mit Innendämmsystemen lassen sich auch Gebäude dämmen, bei denen kein außenseitiges WDVS montiert werden kann. Rund 35 Prozent des Endenergieverbrauchs werden für Beheizung, Warmwassererzeugung und Beleuchtung von Gebäuden benötigt. Ein großer Teil dieser Energie geht in ungedämmten Häusern über die Gebäudehülle verloren.

Innen- oder Außendämmung?

Aktuellen Studien zufolge gibt es in Deutschland rund 1.760 Mio. m² an ungedämmter Fassadenfläche. Über 360 Mio. m² davon bieten Potential für eine energetische Innendämmung. Doch immer noch zögern viele Immobilienbesitzer mit der Umsetzung solcher Maßnahmen. Grund dafür war die bisherige Forderung der EnEV 2009 nach einem U-Wert von < 0,035 W/(m²K) für die Dämmung von Innenseiten der Außenwände, die oft nur mit großen Dämmstoffdicken zu erfüllen waren. Der Nachteil: Die Wohnraumflächen werden kleiner. Auch Wärmebrücken bleiben bestehen, über die nach wie vor Heizwärme abfließen kann. Nach EnEV 2014, also seit dem 1. Mai 2014, entfallen jedoch die bisherigen Anforderungen an eine Innendämmung. Zudem wurden für den Innen- und Außenbereich gleichermaßen folgende Bedingungen festgelegt: Werden zukünftig Dämmmaßnahmen im Gebäudebestand ausgeführt und ist die Dämmschichtdicke aus technischen Gründen begrenzt, so sind die Anforderungen der EnEV 2014 erfüllt, wenn ein Dämmmaterial mit höchstmöglicher Dicke und mit der Wärmeleitfähigkeitsklasse WLG < 035 (Holz, Hanf und weitere mit WLG < 045) eingebaut wird. Diese Entschärfung soll dazu führen, mehr Bauherren zu einer freiwilligen Sanierung mit dem Ziel der Energieeinsparung zu bewegen.

Innendämmung hat Potenzial

Die Sanierung mit Hilfe von Innendämmsystemen verfolgt verschiedene Ziele: die Verbesserung der Energieeffizienz, die Optimierung des Nutzwertes von Immobilien sowie die Verhinderung und Beseitigung von feuchtebedingten Schimmelschäden durch konstruktive bzw. bauphysikalische Optimierung des Wandaufbaus (Erhöhung der Oberflächentemperatur auf der Wandinnenseite). Typische Einsatzfelder von Innendämmsystemen sind

• Gebäude mit denkmalgeschützten bzw. erhaltenswerten Fassaden – Fachwerk, Sichtmauerwerk, Stuckfassaden

• Gebäude mit Grenzbebauung oder bei denen Grenzfluchten einzuhalten sind; hier kann keine ausreichende Dämmstoffdicke auf der Fassade angebracht werden

• Gebäude, an denen für eine Außendämmung kein ausreichender Dachüberstand vorhanden und auch nicht herstellbar ist

• Teileinheiten von Immobilien im Gemeinschaftseigentum, wenn nicht alle Miteigentümer einer energetischen Fassadensanierung zustimmen

• Gästezimmer, Hobbyräume oder nur gelegentlich genutzte Räume – Kirchen, Vereinsheime, Ferienhäuser

Wirksamer Schutz vor Schimmel

Schimmel im Wohnraum sieht nicht nur unschön aus, sondern gefährdet auch die Gesundheit. Seine Entstehung wird durch kalte Innenwände an der Außenseite von Gebäuden gefördert, da diese eine vermehrte Feuchtigkeitsansammlung begünstigen – und beste Voraussetzungen für die Sporen schaffen. Neben ausreichender Luftzufuhr empfiehlt sich daher vor allem eine Erhöhung der Oberflächentemperatur dieser Wandflächen – eben mit Hilfe einer präventiven Innendämmung. Als gefährdet gelten Zimmerwände und -decken, die an der Gebäudeaußenwand gelegen sind, sowie Fensterbereiche und Vorsprünge. Diese Flächen sind kälter und die kondensierte Luftfeuchtigkeit kann sich hier leichter sammeln. Auch sogenannte Wärmebrücken, also örtlich begrenzte Stellen, an denen ein erhöhter Wärmefluss nach außen stattfindet, tragen zu einer geringeren Oberflächentemperatur der Innenwände und einer Erhöhung der Oberflächenfeuchte bei. Das sind z. B. Ecken, Vorsprünge und Fensterbereiche. Im Winter verstärkt sich dies dann noch.

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Temperaturen der Wandoberflächen erhöhen

Innendämmsysteme bieten Vorteile, die in Zusammenhang mit einer vorbeugenden Ursachenbekämpfung von Schimmel stehen. Denn die thermisch wirksamen Systeme entkoppeln den Wohnraum vom kalten Mauerwerk und erhöhen so die Wandoberflächentemperatur. »So wird verhindert, dass sich feuchtwarme Raumluft als Kondenswasser an kühlen Wänden niederschlägt, diese durchfeuchtet und damit eine Brutstätte für Schimmelbefall schafft«, erklärt Josef Pritzl, Produktmanager bei Erfurt & Sohn. Eine Innendämmung kann somit eine schimmelpräventive und gleichsam energetisch sinnvolle Lösung für einzelne Innenräume, Wohnungen oder ganze Gebäude darstellen. Das Gute dabei: Sie ist bei verhältnismäßig geringem Verarbeitungsaufwand in der Lage, eine effektive Verbesserung der Wärmedurchlasswiderstände von Bestandsbauten zu erreichen. In ihrer Dämmfunktion reduzieren Innendämmplatten so merklich den Wärmefluss nach außen. Das ermöglicht ein Raumklima, das über das Jahr hinweg angenehm bleibt und den Schimmelsporen wenig Wachstumsgrundlage bietet.

Systemvarianten bei Innendämmungen

Ein zentraler Aspekt ist das Feuchtemanagement des Wandbildners. Innendämmsysteme (IDS) lassen sich dabei in drei Kategorien einteilen:

1. dampfdiffusionsdichte Systeme

2. diffusionshemmende bzw. semipermeable Systeme

3. dampfdiffusionsoffene Systeme

Für alle Varianten existieren abgeschlossene Projekte, die die Funktionstüchtigkeit des jeweiligen Schutzprinzips belegen. Jeder der genannten Schutzmechanismen weist spezielle Stärken und Schwächen auf, sodass eine pauschale Behandlung als Innendämmung nicht sinnvoll erscheint. Wie jede Dämmmaßnahme verändert die Montage eines Innendämmsystems die Bauphysik eines Gebäudes. Daher ist im Sanierungsfall eine umfassende Bestandsaufnahme mit sorgfältiger Detail- und Ausführungsplanung wichtig, um zum Beispiel Wärmebrücken zu vermeiden. Hierbei helfen die Hersteller der Dämmsysteme.

 

Fotos: Erfurt