Willkommen im Digitalen Malerbetrieb

Baustellen planen, Mitarbeiter und Kunden managen – bei diesen täglichen Aufgaben stehen heute bereits digitale Helfer Malerbetrieben zur Seite. Doch wie funktioniert das? Zwei digitale Pioniere, die Adam Oswald GmbH und der Malerbetrieb Massmann, zeigen, wie’s geht.

Die Adam Oswald GmbH in Rheingau ist einer der Partnerbetriebe des Projekts eMasterCraft. eMasterCraft möchte Handwerksbetrieben dabei helfen, sämtliche Geschäftsprozesse, von A wie Angebot bis Z wie Zahlungseingang, zu digitalisieren. Kaum eine andere Initiative in der Malerbranche verfolgt hier einen so weitreichenden Anspruch. Nie wieder möchte Malermeister Frank Oswald eine Baustelle ohne seinen Tablet-PC begehen. Stift und Papier hat er durch sein Tablet ersetzt. Mit dem Tablet fotografiert er, auf dem Tablet notiert er sich seine Gedanken und die Wünsche des Kunden. Wichtiger noch: Das Tablet stellt sicher, dass er nichts vergisst. Elektronische Checklisten fragen ihn bei der Erstbegehung, welche Hilfsmittel sein Team für die Arbeiten benötigen wird.

Überblick auf der Baustelle

Per Mausklick leitet der Malermeister aus den im Angebot festgelegten Material-, Zeit- und Leistungsdaten die notwendigen Tätigkeiten ab und generiert Arbeitspakete für seine Mitarbeiter. Bei einer Metallständerwand gibt es beispielsweise Arbeitspakete für den Transport der Materialien, für das Aufstellen der Konstruktion, für das Beplanken mit Trockenbauplatten, für die Dämmung oder das Spachteln und Schleifen der Oberfläche. Diese Arbeitspakete landen dann mit den jeweiligen Soll-Zeiten automatisch auf den Diensthandys der eingeteilten Mitarbeiter. Die Arbeitspakete dienen zudem als Grundlage für die mobile Zeiterfassung. Beginnt das Team auf der Baustelle zu arbeiten, wird der Aufwand über das Handy auf das entsprechende Arbeitspaket gebucht. Alle geleisteten Stunden laufen über eine mobile Datenverbindung in die Computersysteme des Malerbetriebs zurück. Dort kann Frank Oswald die Ist- Zeiten der Mitarbeiter mit den vorkalkulierten Zeiten vergleichen, die er im Angebot veranschlagt hat. Seitdem seine Geschäftsprozesse elektronisch ablaufen, hat der Malerbetrieb Oswald seinen Gewinn um rund 30 % steigern können.
Diese Digitalisierung zu planen und umzusetzen war eine komplexe Aufgabe. Geholfen hat dem Malerbetrieb dabei das Forschungs- und Förderprojekt eMasterCraft. eMasterCraft möchte herausfinden, wo und wie klein- und mittelständische Betrieben des Bau- und Ausbauhandwerks Geschäftsprozesse elektronisch abwickeln können. Was das bringt? Der Aufwand und die Durchlaufzeit von Aufträgen wird deutlich reduziert!

Blick durch die Datenbrille – die Zukunft hat schon begonnen

»Gegen das hier ist selbst ein Computer, der eigenständig Aufgaben erledigt, gar nichts«, dachte Frank Oswald, als er seine Google Glass-Datenbrille durch Fingergestik und Sprachbefehl ein Foto von einem Feuchtigkeitsschaden
machen lässt. Die Datenbrille kann Videos und Fotos aufnehmen sowie Sprachaufnahmen starten und weiterleiten. Sie lässt sich durch Sprache und Gesten steuern und erkennt, wohin ihr Träger gerade blickt.  Allerdings steht das Projekt gerade ganz am Anfang. Noch sind Brille, Tablet und Smartwatch eher Einzel- statt Teamplayer, noch sind die Akkulaufzeiten ein Problem und die Szenarien reine Theorie.

Das Büro in der Hosentasche

Für Malermeister Markus Massmann aus Lüdinghausen und seine Mitarbeiter sind Tablet und Smartphone von der Baustelle inzwischen ebenso wenig wegzudenken wie Pinsel und Rolle. Sie informieren, wenn Wünsche des Kunden oder Anweisungen des Chefs nicht im Kopf geblieben sind und dokumentieren Schwierigkeiten oder Fehler, sie ersetzen flatternde Stundenzettel und die umständliche Berechnung von Flächen mit Taschenrechner und Stift. Das geht, weil Markus Massmann alle relevanten Kunden- und Auftragsdaten mit der Branchensoftware Winworker speichert und verwaltet. Und mit »alle« ist genau das gemeint: Alle. Wichtige Dokumente – vom Lieferschein bis hin zu seinen Notizen bei der Erstbegehung – scannt er ein oder er erstellt sie gleich digital. Flächen z. B. misst er mit der Aufmaß-App, die benötigte Farbmenge wird dann automatisch berechnet. All diese Informationen verschlagwortet er und ordnet sie Kunden bzw. Projekten zu. Dann stellt er sie auf seinen Server – und damit seinem Team zur Verfügung. Seine Mitarbeiter können von überallher auf alle Daten zugreifen, die sie für die Baustelle
brauchen. »Ich wollte weg von den Zetteln«, erklärt Markus Massmann seine Hinwendung zum Digitalen. Beim Aufschreiben habe er früher immer wieder etwas vergessen und wenn auf der Baustelle wichtige Dokumente fehlten, musste er ins Büro zurückfahren und sie holen. Heute genügen ein paar Klicks, um Rechnungen, Angaben zur Farbe oder Referenzobjekte für entscheidungsschwache Kunden auf den Bildschirm zu holen.

Foto: Bernd Ducke/Mappe