Werden Sie ein Local Hero

Eine Folge der Globalisierung sind starke Gegenbewegungen wie Regionalität und lokales Handeln, aber auch die Synthese daraus ‒ die »Glokalisierung«. Die logische Konsequenz aus dem Trend der Glokalisierung ist das lokale oder regionale Marketing. Es gibt Strategien aller Art, wie Sie sich mit Ihrem Betrieb zur lokalen Eigenmarke, einem Local Hero machen können. In der Mappe 10/18 stellen wir Ihnen einige vor.  

Die Globalisierung erfasst den Alltag, so erfahren wir beinahe live was in allen Teilen der Welt geschieht. Dabei geht es nicht nur um Informationsströme, die Globalisierung umfasst auch Produktionsstandorte sowie Arbeits- und Finanzmärkte. Die Auswirkungen betreffen uns auch auf lokaler Ebene, der Prozess der Globalisierung wird im eigenen Leben und Alltag fassbar. Dieses Geschehen wird oft mit dem Begriff »Glokalisierung« beschrieben. Ein neues Wort, gebildet aus den Begriffen Globalisierung und Lokalisierung.

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Die Glokalisierung legt wieder mehr Wert auf Lokalität und Regionalität – nicht nur bei Obst und Gemüse.

Globalisierung erzeugt lokalen Trotzreflex

Dem Zukunftsinstitut von Matthias Horx zufolge ist die »Glokalisierung« ein Megatrend, der die Globalisierung mit ihrem Gegentrend, dem lokalen Handeln verbindet. Gemäß der Grundannahme der Zukunftsforscher, dass jeder Trend auch einen Gegentrend erzeugt und sich die Gegenpole zu einem neuen Ganzen verbinden. Daher wachse die Angst, die Kontrolle über die eigenen Lebensgrundlagen zu verlieren. Die ständig zunehmende »konnektive Geschwindigkeit« ‒ also die Verbundenheit von immer mehr Ländern, Wirtschaftsräumen, Individuen, Kulturen in medialer Echtzeit ‒ erzeuge einen »lokalen Trotzreflex«. Diese Tendenzen seien auf allen Trend-Ebenen wahrnehmen: im Dirndl- und Trachten-Trend, im Trend zu Bio-Regional-Lebensmitteln, im »Antikapitalismus« ‒ leider auch in der Ausländerfeindlichkeit. »Die eine Zukunftsmöglichkeit ist nun der Zerfall globalisierter Räume in lauter Separatismen. Also das Ende und die Reversion der Globalisierung«, meinen die Zukunftsforscher. Doch in komplexen Kulturen sei der Glokalismus eine viel attraktivere Variante.

Regionales Marketing bedient den Trend

Im Handwerksmarketing geht es weniger darum globale Märkte zu bedienen, als die lokale Bedeutung des Betriebs für die Kunden hervorzuheben durch regionales Marketing. Im Mappe-Interview sagt Gerhard Schenk, Mitglied des ZDH: »Regionalität. kann für das Handwerk zum Wettbewerbsvorteil werden. Kundennaher Service gewinnt in allen Gewerken an Bedeutung. Die Menschen interessieren sich heute dafür, welche Inhaltsstoffe die verwendeten Farben und Dämmmaterialen haben. Über die Herkunft der Baustoffe möchten sie direkt mit einem Experten sprechen können. Eine Strategie des regionalen Marketings kann »Local Branding« sein.

»Local Marketing« einfach erklärt

Was tun Sie, wenn bei Ihnen zuhause die Toilettenspülung nicht mehr richtig funktioniert und sie einen Handwerkerkollegen brauchen? Dann hilft es, wenn Sie einen Sanitärfachbetrieb kennen oder eine Empfehlung bekommen. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Deutschen haben die von ihnen beauftragten Handwerker über Empfehlungen von Freunden, Bekannten oder Familie gefunden, meldet das Statistikportal Statista. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter privaten Auftragebern handwerklicher Kleinstbetriebe in Deutschland im Jahr 2016. Wer niemanden kennt oder keine Empfehlung parat hat, sucht online. Rasch sind die Wörter »Sanitärfirma Wohnort XY« in die Suchmaschine eingetippt ‒ es muss ja schnell gehen und der Handwerker soll nicht zu lange Anfahrtswege haben. Denn die Kosten für die Anfahrt sind ein wichtiges Kriterium für Kunden. Für Gewerke, die Notdienste und Reparaturen bieten, ist der Eintrag als lokales Unternehmen in einschlägigen Suchmaschinen ein absolutes Muss.

Bei Malern sieht es in der Regel anders aus. Die wenigsten Aufträge sind echte Notfälle, das heißt, die Kunden haben Zeit und können Angebote in Ruhe vergleichen. Kunden, die keine Bindung an einen Maler vor Ort haben, suchen auf Plattformen, dort dann gerne auch nach dem billigsten Angebot. Deshalb ist lokales Marketing als Gegenpol so wichtig.

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Mithilfe von strategischem Suchmaschinenmarketing können Sie Ihr Local Branding vorantreiben.

Eine Umfrage des Portals MyHammer von 2016 ergab einen interessanten Aspekt für die Kundenakquise auf einschlägigen Plattformen: Die meisten ausgeschriebenen MyHammer-Aufträge gehen an Maler und Lackierer mit 11,6 Prozent. Verbraucher haben hier eine klare Vorliebe für die Onlinesuche. Um die Kunden zu gewinnen, die gerne online nach Malern und Lackierern suchen, ist es deshalb immens wichtig, eine gute lokale Präsenz im Internet zu haben.

Sie kennen das: Wenn sie in einer fremden Stadt ein Sushi-Lokal suchen und geben nur das Wort »Sushi« in Ihr Smartphone ein, bekommen Sie sofort eine oder mehrere Sushi-Bars in der Umgebung angezeigt, als untereinander angeordnete Suchergebnisse mit bezahlten Anzeigen, Branchenverzeichnissen und Bewertungsseiten. Mit den Öffnungszeiten und der Verlinkung auf die Homepage sowie der Lokalisierung auf Google Maps. Das ist lokales Marketing in Reinform. Suchanfragen, die selbst keinen geografischen Bezug enthalten, können durch Google unter anderem anhand ihrer IP-Adressen der Nutzer, Geo-Targeting und Profilinformationen aus Google+ lokalisiert werden. Für eine Suche mit mobilen Endgeräten ist eine responsive aufgebaute Homepage daher eine wichtige Voraussetzung.

Lokales Marketing macht einzigartig

Laut Google hat bereits jede dritte Suchanfrage lokalen Bezug. Immer mehr Nutzer suchen nach Informationen zu Produkten oder Dienstleistungen in einem ganz bestimmten Umkreis. Hier setzt das regionale oder lokale Marketing an. Damit werden »alle Werbemaßnahmen bezeichnet, die ein Unternehmen in der Region des unmittelbaren Tätigkeitsfelds betreibt. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen, die vor Ort beim oder für Kunden tätig sind, stellt regionales Marketing die wichtigste Säule der Werbemaßnahmen dar«, definiert die Website www.unternehmerlexikon.de. In der Mappe 1/2018 ging es um die Personenmarke, das »Personal Branding«. Die lokale Marke baut darauf auf: Sie fasst den Malermeister als Personenmarke auf und verankert ihn mit seinem Betrieb in seinem lokalen Umfeld ‒ dem Gebiet, in dem er seine Kunden akquirieren möchte. Der Betrieb wird so zur lokalen Marke.

Werfen Sie doch einen Blick in die Trends und Chancen der neuen Mappe-Ausgabe im Oktober. Dort haben wir noch mehr Hintergründe zum »Local Marketing« und Praxisbeispiele, wie es Malerkollegen bereits umsetzen.