WDVS – diese Themen bewegen die Fassadendämmung

Welche technischen und juristischen Neuerungen sind im Bereich der Gebäudedämmung im Kommen? Wird es in absehbarer Zeit wieder eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für energiesparende Maßnahmen der Gebäudehülle geben? Antworten auf diese Fragen gab es auf der Jahrestagung der Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme (FV WDVS) im Juni 2016 in Wiesbaden. Matthias Brox, Vorstand Technik im FV, und Geschäftsführer Ralf Pasker informierten die Tagungsteilnehmer über den neusten Stand der Technik.

WDVS

Der Markt der Fassadendämmung bleibt in Bewegung

Welche Entwicklungen rund um WDVS zu erwarten sind, zeigen die Ergebnisse und Sachstände im Überblick:

• Die Veröffentlichung der neuen Technischen Richtlinie Innendämmsysteme (IDS) steht kurz bevor, eine Schulungspräsentation soll folgen.

• Die Qualitätsrichtlinien für WDVS mit den Dämmstoffen EPS, Mineralwolle und Polyurethan sind inhaltlich erarbeitet und werden die Basis bilden für ein Qualitätssicherungssystem mit eigenem Siegel zur freiwilligen Kennzeichnung.

• Es arbeiten inzwischen eigene Projektgruppen zu Befestigungslösungen, zur Überführung der ETAG 014 in ein European Assessment Document (EAD) sowie zu Profilen und Abdichtungen.

• Der Prozess einer europäischen Normung für WDVS läuft weiter, eine Veröffentlichung der Norm vor 2019 erscheint derzeit aber unwahrscheinlich.

• Das EuGH-Urteil zur Bauproduktenverordnung (Rechtssache C-100/13) mit der Kritik am deutschen Vorgehen, Zusatzregeln zu fordern, führt aktuell zum Entwurf einer neuen Musterbauordnung. Der FV WDVS nutzte die Möglichkeit und sendete eine umfangreiche Stellungnahme an die zuständigen Stellen mit den Zielen:
– Keine Absenkung von Sicherheitsniveaus für Gebäude
– Keine Einschränkung von Anwendungsbereichen für bewährte Systeme
– Keine Ungleichbehandlung von WDVS mit abZ und WDVS mit ETA.

• Die EPDs (Umwelt-Produktdeklaration) für WDVS werden aktualisiert und zur BAU 2017 vorgestellt.

• Die Recycling-Pilotanlage für das CreaSolv-Verfahren für EPS und XPS läuft ab 2018; der FV WDVS und die EAE sind am Projekt beteiligt.

• Der FV arbeitet auf der Grundlage der Anfang 2015 vorgestellten Forschungsergebnisse an der weiteren Detaillierung von Lösungskonzepten zum Rückbau und Recycling von WDVS mit allen verwendeten Dämmstoffen.

Im Vortragsteil der Jahrestagung erläuterte Dr. Frank Heidrich (Abt. Energieeffizienz im Bundeswirtschaftsministerium) die aktuellen Pläne und Programme der Bundesregierung zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplanes Energieeffizienz (NAPE). Dass es in absehbarer Zeit eine steuerliche Abschreibungsmöglichkeit für energiesparende Maßnahmen der Gebäudehülle geben wird, ist nach Frank Heidrichs Worten unwahrscheinlich. Teile der Politik, aber auch am Bau beteiligte Verbände argumentierten in Berlin gegen diese Tendenz. Die Novelle der EnEV sei bis Ende 2016 zu erwarten. Bei Maßnahmen im Bestand seien – wie bereits bei der letzten Novellierung – keine Verschärfungen zu erwarten. Insgesamt soll an dem Prinzip der Technologieoffenheit festgehalten werden. Das Langzeitziel der Regierung bleibe laut Frank Heidrich ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050. Dabei liegen die Schwerpunkte der aktuellen Förderung aktuell eher im Bereich der Haus- und Anlagentechnik. Wärmedämmung als Maßnahme im Bestand wird laut Dr. Heidrich durch die bestehenden KfW Programme „gut abgedeckt«. Rund um das Dämmen von Fassaden mit Wärmedämm-Verbundsystemen plant der FV WDVS einen Techniktag Dämmsysteme am 3. November 2016 in Berlin. Mehr Informationen: www.heizkosten-einsparen.de

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Foto: Bernd Ducke/Mappe