Brandgefahr bei WDVS?

In der Juni-Ausgabe der Mappe 2013 stehen Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) im Fokus. Und auch der Brennpunkt dreht sich um das Thema energetische Modernisierung. Dort beschäftigen wir uns vor allem mit der Frage »Lohnt sich ein WDVS?«. Aber auch andere Aspekte von WDV-Systemen werden in der Öffentlichkeit und den Medien kritisch diskutiert. Eins davon ist die angebliche Brandgefährlichkeit. Beispielsweise strahlte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am 26.11.2012 eine Reportage mit dem Titel »Brandgefährlich: Wärmedämmung aus Polystyrol« aus. An dieser Stelle möchten wir kurz beleuchten, was dran ist an der Brandgefährlichkeit von WDV-Systemen.

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Im genannten Beitrag bezeichnete der NDR WDV-Systeme aus Polystrol als brandgefährlich. Als Beleg dafür nannte der Sender drei Fälle, in denen WDV-Systeme in Brand geraten waren: 2005 in Berlin, 2011 in Delmenhorst und 2012 in Frankfurt am Main. Zusammen mit der Materialprüfanstalt Braunschweig wies er in Experimenten nach, dass die Dämmplatten aus Polystyrol leicht entflammbar sind und giftige Dämpfe erzeugen. Bei einem Feuer wirken sie demnach sogar als Brandbeschleuniger. »Doch trotz dieser drei Fälle besteht kein Grund zur Panik«, erklärt Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin. Hartmut Ziebs, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands in Berlin kennt die Details der vom NDR genannten Beispiele. Er erläutert: »In Frankfurt handelte es um einen Baustellenbrand.« Dort gelagertes Baumaterial fing Feuer, das auf die noch nicht fertig verputzte Wärmedämmung übergriff. Und in Delmenhorst zündeten Brandstifter Müllhäuschen an, die direkt an der Hauswand standen. Nur bei dem Brand in Berlin habe ein Feuer im Hausinneren auf die Fassade übergegriffen. Das dort angebrachte WDVS sei allerdings nicht vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassen. Zudem ist das System laut Ziebs unsachgemäß angebracht worden. »Angesichts der Sach- und Faktenlage – ein noch nicht fertiges Bauwerk, Brandstiftung und falsche Verarbeitung – lässt sich die Behauptung einer besonders hohen Gefährdung durch EPS-Dämmung zurzeit nicht aufrechterhalten«, folgert er.

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Ähnlich sehen dies auch die Bauminister der Länder. Auf ihrer Konferenz im September 2012 stellten sie fest, dass Wärmedämmungen mit Polystyroldämmstoffen sicher seien. Dazu müssten sie allerdings ordnungsgemäß zertifiziert sein und entsprechend ihrer Zulassung verarbeitet werden. Man kann generell sagen, bei ordnungsgemäßer Anbringung von WDV-Systemen, besteht keine erhöhte Brandgefahr. Dazu müssen bestimmte Details beachtet werden: Neben dem Brandverhalten des verwendeten Dämmstoffes spielen die verwendeten Putz- und Armierungsschichten sowie die konstruktive Ausbildung von Details (Öffnungen, Einbauten) eine Rolle. Für den Einsatz im WDVS müssen Dämmstoffe höhere Ansprüche als im Innenausbau erfüllen. Damit steht nur ein Bruchteil der angebotenen Dämmstoffe zur Verfügung. Besonders nachwachsende Dämmstoffe sind auf Grund ihrer guten Brennbarkeit und ihres hohen Wasseraufnahmevermögens nur begrenzt für WDV-Systeme geeignet. Als anorganische Dämmstoffe können Mineralwolle (Stein- und Glaswolle) und Mineralschaum (Kalziumsilikat-Hydrate)verwendet werden. Als organische Dämmstoffe bieten sich Polystyrol-Hartschaum (PS), Polystyrolpartikel-Schaum (EPS), Polystyrolextruder-Schaum (XPS), Polyurethan-Hartschaum (PUR) sowie Vakuumdämmplatten (VIP) an. Natürliche Dämmstoffe, die sich für ein WDVS eignen, sind Holzfasern, Kork, Hanf, Schilf, Gras oder Perlite.

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Da WDV-Systeme sogenannte nicht geregelte Bauarten sind, gibt es für sie weder anerkannte Regeln der Technik, noch nationale oder europäische Normen. Der Nachweis der Verwendbarkeit eines WDV-Systems wird deshalb durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (AbZ) oder durch eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) geführt. Die Zulassung beinhaltet sämtliche im System enthaltenen Komponenten, wie z. B. Kleber, Dübel, Dämmung, Armierungsschicht und Außenputz. Baurechtlich gesehen stellt sie somit eine Bauart dar. Die baulichen Brandschutzmaßnahmen der verwendeten Baustoffe und Bauteilen sind in DIN 4102 und ENV 1992-1-2 geregelt. Informationen zu möglichen Ausführungsvarianten erteilt z. B. der Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V.

Fotos: Bernd Ducke/Mappe