Maler als vorbildlicher Arbeitgeber

 

Der Malerbetrieb von Andree Antosch wurde zum wiederholten Mal beim Wettbewerb zu »Hamburgs beste Arbeitgeber« mit einer Topplatzierung ausgezeichnet. Der Wettbewerb ermöglicht es Unternehmen der Hansestadt, sich als vorbildlicher Arbeitgeber zu präsentieren und somit vorhandene Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen.

Selbstständigkeit als Unternehmensprinzip

Auf Nachfrage erläutert Malermeister Andree Antosch, dass die Unternehmenskultur auf Selbstständigkeit basiert, das heißt, dass seine derzeit 20 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende, Aufträge auf der Baustelle selbstständig abwickeln. Betriebliche Prozesse werden schriftlich fixiert und ein Organigramm mit klarer Aufgabenbeschreibung jedes Mitarbeiters erstellt. Neue Mitarbeiter arbeitet ein Mentor sorgfältig ein. Für wichtige Abläufe existieren Checklisten, alles wird schriftlich festgehalten.

Der Malerbetrieb Antosch hat ein klares Umsatzziel von 46 Euro/Std. Dieses nicht aus den Augen zu verlieren, dazu hilft ein wöchentlicher und regelmäßiger Überblick über den Leistungsstand jeder Baustelle, der aufzeigt, wie hoch der Umsatz pro Stunden ist. Das dient auch der Selbstkontrolle der Mitarbeiter. Eine monatliche Aufstellung aller abgerechneten Baustellen schafft Transparenz. Dabei werden stets eine Vielzahl von Kennzahlen gebildet und in Form von Diagrammen kommuniziert, wie Umsatz, Gewinn, Materialien, Werkzeuge, Reklamationen, usw., immer als Soll/Ist-Vergleich.

Zur Kommunikationskultur gehören auch regelmäßige Treffen aller sowie Treffen mit dem Mitarbeiterrat, darunter auch die eintägigen Jahreszielplanungen. Gemeinsame Events und ein Wohlfühlbarometer-Seminar mit externen Beratern fördern den Zusammenhalt. Weiterbildungen, deren Inhalte vom Team bestimmt werden und außergewöhnliche Nachwuchsförderungsmaßnahmen motivieren. Und ganz auf Augenhöhe können Mitarbeiter auch die Führungskräfte bewerten. Das war nicht immer so. Im Interview mit der MAPPE erläutert der heute vorbildliche Arbeitgeber Malermeister Andree Antosch, wie es zu dieser Neuorientierung kam und wie sie sich auswirkt.

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Andree Antosch (im Fahrzeug) kultiviert Offenheit und Transparenz bei den Betriebsabläufen. Das sorgt für zufriedene Mitarbeiter

Mappe: Herr Antosch, Sie haben erkannt, dass Ihre Mitarbeiter Ihr wichtigstes »Kapital« sind. Was war der Auslöser und das Motiv dazu?
Andree Antosch: Eine Schieflage Mitte 2009 bedeutete Insolvenz für meinen Betrieb. Hinzu kam eine Konfrontation mit zahlreichen Mitarbeitern. Es entstanden zwei Lager innerhalb des Betriebs. Die eine Hälfte der Mannschaft folgte mir, die andere Hälfte folgte einem neu gegründeten Betriebsrat. Während dieser Zeit reifte die Idee, aus zukünftigen Mitarbeitern Mitunternehmer zu machen. Das Ziel bestand für mich darin, alle Informationen zu kommunizieren und offen darzulegen. Mir war wichtig, dass Mitarbeiter Zugang zu sämtlichen Information erhalten. Meine Vision war, klar und offen mit dem Team zu reden, also Kommunikation auf Augenhöhe. Wir schafften es aus den Fehlern zu lernen, denn der Mist der letzten Jahre ist Dünger und Motivation für neue Projekte und auch Mitarbeiter wachsen nur, wenn sie »geistigen« Dünger erhalten. Es geht um tägliche Spitzenleistungen, wir wollen besser als der Mitbewerber sein und es geht auch darum, finanzielle Erfolge zu teilen, aber auch um unternehmerische Freiheit.
 
Mappe: Wie sind Sie vorgegangen?
A. Antosch: Nach einem Umdenkprozess und nach dem Loslassen von alten Verhaltensmustern begann die eigentliche Arbeit. Ich habe verschiedene Ansätze aus verschiedenen Branchen auf unseren Malerbetrieb übertragen. Die Vorgehensweise aus dem Schindlerhof mit Klaus Kobjoll, der Mitarbeiterfindung von Jörg Knoblauch oder die der »Unternehmer Energie« aus dem SchmidtColleg haben meine Sichtweise der Dinge verändert.

Mappe: Was genau hat sich verändert, was machen Sie anders?
A. Antosch: Verändert hat sich vor allem der Informationsfluss von allen betrieblichen Fakten, Zahlen und Entscheidungen, aber auch, dass meine Handlungen bzw. Entscheidungen nachvollziehbar sind. Bei uns hat der Azubi alle Informationen, genau wie eine Führungskraft. Durch diese Transparenz übernehmen die Mitarbeiter verstärkt Verantwortung. Transparenz schafft Kundenbegeisterung und begeisterte Mitarbeiter, was einen Wettbewerbsvorteil bedeutet. Meine Werte, Visionen und meine Mission vermittle ich meinen Mitarbeitern, denn sie wollen wissen, wofür sie arbeiten. Dann übernehmen sie auch gern mit die Verantwortung, z. B. auf der Baustelle und handeln dann ergebnisorientiert. Ihr Tun und Entscheiden ist immer auf das Unternehmen ausgerichtet und klare Regeln helfen bei der täglichen Umsetzung. Mitarbeiter, welche unserem Leitbild nicht folgen, verlassen das Unternehmen relativ schnell. Wir setzen schon früh auf selbstständiges Arbeiten. Insbesondere das »Probezimmer« bei einer gemeinnützigen Einrichtung macht die Azubis selbstsicher. Kalkulation, Baustelleneinrichtung und Nachkalkulation sind keine Fremdworte mehr.

Mappe: Wie kommt das bei den Mitarbeitern an und wie wirkt sich das in Bezug auf die Bindung bestehender und das Finden neuer Mitarbeiter aus?
A. Antosch: Zu Beginn waren viele Mitarbeiter stumm und verwirrt. Das Problem war auch, dass die Kommunikation zu Anfang nicht handwerkergerecht war. Doch als dann die ersten Vorteile der Transparenz bei den Mitarbeitern ankamen, entstand Vertrauen und sie verstehen nun meine Handlungen und ich erhalte Feedback. Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass jeder Mitarbeiter spezielle Stärken hat, die mit meinem Unternehmensleitbild im Einklang stehen müssen. Das alles hört sich manchmal wie ein Wunschkonzert an, aber es bestehen klare Spielregeln. Mitarbeiter, die keine Verantwortung übernehmen, verlassen uns schnell. Solche, die unser System als lebendiges Miteinander verstehen, können sich eine andere Arbeitsweise nicht mehr vorstellen. Durch die wiederholte Teilnahme am Wettbewerb »Hamburgs beste Arbeitgeber« ist das Interesse an einer Mitarbeit bei uns gestiegen.

Bild: Andree Antosch