Fassadengestaltung mit unbunten Farben

Die Skala von Hellgrau bis Schwarz ist ein Farbtrend in der Fassadengestaltung. Gleich welche Art von Architektur gebaut oder renoviert wird, Grau in allen Helligkeitsabstufungen bis hin zu Anthrazit und Schwarz steht auf der Beliebtheitsskala der Bauherrn ganz oben ‒ nicht nur in Deutschland, sondern auch in unseren Nachbarländern. Unser Autor gibt Tipps für die Gestaltung mit den unbunten Farben.

 

Bis vor wenigen Jahren waren es vor allem Materialien wie Schiefer, Granit und andere Natursteine, die einem Gebäude ein markantes, dunkles Äußeres verliehen. Anstriche funktionierten aufgrund der Umwandlung der absorbierten Strahlung in Wärme nicht gut, da sich die Oberflächen zu stark aufheizten, was zu Rissen führte. Heute ist es jedoch möglich, selbst WDV-Systeme nicht nur in intensiv bunten, sondern auch sehr dunklen Farben zu gestalten.

Grund dafür sind Entwicklungen der Farbenindustrie. Es gibt mittlerweile Fassadenfarben, die nicht nur das sichtbare Licht reflektieren, sondern auch die unsichtbare Strahlung. Dadurch wird erreicht, dass sich die Oberfläche weniger stark aufheizt, weil Strahlung, ganz gleich ob sichtbar oder nicht, die eine Oberfläche absorbiert, stets in Wärme umgewandelt wird. Kann eine Oberfläche mehr Strahlung reflektieren, bleibt sie kühler. Diese Eigenschaft beschreibt der TSR-Wert. TSR steht für Total Solar Reflectance. Der TSR-Wert gibt an, wieviel von der auftreffenden Strahlung, auch der nicht sichtbaren, reflektiert wird. Die Skala reicht von 0 bis 100, beim Wert 0 wird keine, beim Wert 100 wird die gesamte auftreffende Strahlung reflektiert. Soll eine Fassade in besonders dunklen Farbtönen – egal ob bunt oder unbunt – gestaltet werden, ist der TSR-Wert von Bedeutung, nicht der Hellbezugswert, der nur die Reflektion des sichtbaren Spektrums des Sonnenlichts angibt. Im Gegensatz zum Hellbezugswert entzieht sich der TSR-Wert einer optischen Kontrolle. Daher wird er von den Farbenherstellern angegeben.

Unbunte Farben sind leichter in der Anwendung

Weiß, Grau und Schwarz sind unbunte Farben. Sie unterscheiden sich nur durch ihre Helligkeit oder Dunkelheit voneinander. Aus der Sicht des Farbgestalters sind sie in der Anwendung deshalb einfacher. Die Dimensionen des Bunttons und der Farbintensität fallen weg. Gestaltungen aus unterschiedlich hellen Graunuancen besitzen den Vorteil, dass sie von vornherein harmonisch wirken, da sie auf der Basis von Schwarz und Weiß entstehen und so immer gemeinsamen Ursprungs sind. Das gilt natürlich auch für Grau in der Architektur und Fassadengestaltung.

Fassaden in hellen bis mittelhellen Grautönen sind im städtischen Umfeld vergleichsweise unauffällig, man kann sie auch als Fortsetzung des Straßenraums in die Vertikale ansehen. Dunkelgraue bis schwarze Töne sind dagegen eine gestalterische Aussage. Gerade in einem überwiegend hellen und dezent farbigen Umfeld sorgen sie für Aufmerksamkeit. Wird Schwarz flächig eingesetzt, betont es die Silhouette, Details treten in den Hintergrund. Der modernen, detailärmeren Architektur spielt dieser Umstand in die Karten. Eine besonders dunkle oder schwarze Fassade wirkt, als ob sie im Gegenlicht betrachtet würde. Daher hinterlassen freistehende dunkelgraue oder schwarze Gebäude einen besonders starken Eindruck.

Grau und Schwarz besitzen zwar physikalisch andere Eigenschaften als bunte Farben, in der Gestaltung nehmen sie jedoch keine Sonderstellung ein. Deshalb können sie in der Fassadengestaltung wie jeder andere Farbton eingesetzt werden. Im Wechsel mit bunten Farbtönen innerhalb einer Häuserzeile oder einem Wohnviertel mit Einfamilienhäusern sind sie eine willkommene Abwechslung. Im städtischen Umfeld sollte die Entscheidung für Grau sorgfältig abgewogen werden, gerade weil Grautöne durch Straßenbeläge ohnehin schon sehr präsent sind.

Tipps für die Gestaltung mit Grautönen

Wie alle anderen Farben verändert sich Grau in Abhängigkeit zur Betrachtungsdistanz, das heißt, je größer der Abstand, desto bläulicher erscheint das Grau. Grautöne unterliegen diesem Phänomen deutlich stärker als bunte Farbtöne. Soll dieser Effekt verhindert werden, wählt man Grautöne, denen etwas Orange beigemischt ist. So wirken sie noch aus der Distanz betrachtet neutral.

Bei Grau tritt gleichfalls der sogenannte Simultaneffekt stärker in Erscheinung. Soll also in einer Zeilenbebauung neben einer rötlichen eine Fassade grau gestaltet werden, wird das Grau je nach Intensität des rötlichen Tons einen scheinbar grünlichen Einschlag bekommen. Um diesen Grünstich zu neutralisieren, wählt man einen Grauton mit einem kleinen Rotanteil.

Für das Gestalten mit Grau und anderen unbunten Farben gilt natürlich auch, was für das Gestalten mit bunten Farben gilt: Am Ende sorgen die wohl abgewogenen Kontraste für Abwechslung und ein lebendiges Erscheinungsbild. In diesem Fall bestimmt ausschließlich der Hell-Dunkel- Kontrast das Aussehen. Aufgrund der um ein Vielfaches höheren Helligkeit im Außenbereich ist das Gestalten mit dunkleren Tönen weniger problematisch als im Innenbereich. Dennoch sollte die Lage eines Gebäudes oder einer Fassade in ihrem Umfeld berücksichtigt werden. Denn das Licht, das eine schwarze Fassade absorbiert, geht als Streulicht für die Umgebung verloren.

Dieser Artikel ist in der Mappe 12/2019 erschienen.