Titandioxid – Warnhinweis rückt näher

In der EU-Kommission wurde mit Experten über die Einstufung von Titandioxid als krebserregend beratschlagt. Die Mehrheit der Mitgliedsstaaten stimmte dagegen. Trotzdem will man in Zukunft Vorkehrungen treffen.

Vergangene Woche fand in der EU-Kommission eine Expertenanhörung zum Thema Einstufung von pulverförmigem Titandioxid als krebserregend statt. Insgesamt neun EU-Mitgliedsstaaten haben das Regulierungspaket der Kommission für eine Klassifizierung abgelehnt, sechs Mitgliedstaaten haben dafür gestimmt. Trotz dieses Ergebnisses will die Brüsseler Behörde an ihrem Vorhaben festhalten, dass das Weißpigment in Pulverform aufgrund seines Krebsrisikos künftig einen Warnhinweis tragen soll und hat angekündigt, dass sie das Verfahren fortsetzen wird. Nach neuen Verfahrensregeln kann die Kommission auch ohne Zustimmung der Mitgliedstaaten über die Einstufung selbst entscheiden, was sie wohl auch vorhat. Die formale Entscheidung solle im Oktober fallen, hieß es aus Brüssel. Danach folgen aber noch mindestens 20 Monate Vorlauf, bis die neue Pflicht gilt.

TItandioxid
Titandioxid wird als Weißpigment in Farben, Spachtelmassen und Putzen benötigt

Umstritten bleibt, ob die EU-Kommission verpflichtet ist, eine vorherige Folgenabschätzung durchzuführen, wie es die Industrie verlangt. Branchenvertreter kritisierten insbesondere die unbeabsichtigten Folgen der Klassifizierung. In der Zwischenzeit steigt der Druck auf die Kommission, zunächst die Folgen der Klassifizierung zu analysieren. Ein entsprechender Appell wurde von 300 Unternehmen und Verbänden unterzeichnet.

Titandioxid wird unter anderem zur Herstellung von Farben, Lacken, Putzen, Spachtelmassen oder Mörteln verwendet. Die EU-Kommission folgt einer Beurteilung der europäischen Chemikalienagentur ECHA von 2017, wonach der Stoff in Pulverform krebserregend ist, wenn er eingeatmet wird. Unabhängig von der Nutzung in Lacken, Farben und Baumaterialien läuft auf EU-Ebene auch eine Debatte über Titandioxid in Lebensmitteln. Der weiße Farbstoff kommt zum Beispiel in Kaugummis, Zahnpasta oder Mozzarella vor. Hier geht es nicht um Gefahren durch Einatmen, sondern die mögliche Aufnahme von Nanopartikeln. Frankreich will den Stoff ab 2020 in Lebensmitteln nicht mehr zulassen. Eine einheitliche Haltung der EU gibt es aber noch nicht, wie die dpa meldet.

Foto: Bernd Ducke