Tagebuch der EuroSkills

Die Euro-Skills 2018 sind zu Ende und die Gewinner des europäischen Wettbewerbs für das Handwerk stehen fest. Der herausragende Nachwuchs aus Handwerk, Industrie und Dienstleistung trat in den beruflichen Fachdisziplinen gegeneinander an. Auch das Team Germany nahm in Budapest erfolgreich teil, darunter auch Antje Harz für das Maler- und Lackiererhandwerk. Für Mappe hat sie ein Tagebuch der Wettkampftage geführt.

Feier
Bei den EuroSkills 2018 konnte die Deutsche Nationalmannschaft absahnen.

Bereits zum sechsten Mal fand der europäische Wettbewerb der Berufe statt. Gastland war dieses Jahr Ungarn und lud Teilnehmer, Richter und Delegierte ins HUNGEXPO Budapest Fair Centre. In den drei Tagen zwischen dem 26. und 28. September arbeiteten dort 530 junge Fachkräfte in ihren jeweiligen beruflichen Disziplinen an Werkstücken, um ihre herausragende fachliche Kompetenz unter Beweis zu stellen. Bei der feierlichen Preisvergabe entschied sich dann, wer in einer der 20 Disziplinen einen Platz auf dem Siegerpodest erringen konnte. Mit insgesamt 17 Auszeichnungen landete Deutschland zum wiederholten Mal unter den Top 5 im europäischen Vergleich. Darüber hatten wir hier bereits ausführlich berichtet.

Antje Harz gewann bereits 2016 den Bundesleistungswettbewerb für junge Gesellen in Fulda, zuvor war sie Innungs- und Landesbeste der Maler. Sie wurde Teil des deutschen Maler-Nationalteams und konnte sich im Vorentscheid als beste deutsche Malerin hervortun. Bei den Euro-Skills positionierte sie sich in den Top 10 der internationalen Nachwuchsfachkräfte des Malerhandwerks, für ihre weit überdurchschnittliche Leistung wurde ihr zudem eine Medal of Excellence verliehen. Für unsere Leser hat die erfolgreiche Nachwuchsmalerin die wichtigsten Momente der vergangenen Wettkampftage festgehalten.

Montag, 24 September 2018: Anreise mit Umwegen

Mein Anreisetag beginnt nachts um zwei Uhr und ausgerechnet heute habe ich verschlafen! Jetzt heißt es schnell fertig machen und auf zum Flughafen. Dort angekommen dann der Schock per SMS: »Ihr Flug nach Budapest wurde leider annulliert.« Jetzt muss ich Nerven bewahren, zum Glück gibt es einen Ersatzflug ‒ doch der geht leider über Hamburg. Nachmittags ist es dann endlich geschafft und ich treffe im Hotel bei meinem Team und meinem Trainer ein. Nach dem Abendessen beginnt dann unsere erste Teambesprechung.

Dienstag, 25. September 2018: Erste Besichtigung und große Eröffnungsfeier

Heute fahren wir das erste Mal auf das Messegelände und ich kann meine Wände für den Wettbewerb begutachten. Ich bessere noch kleine Mängel am Untergrund aus, lege meine Materialien für den kommenden Tag zurecht und kontrolliere alles noch ein letztes Mal, bevor es morgen los geht. Die Bedingungen sind top, alles ist gut organisiert und an seinem Platz. Nichts muss gesucht oder nachgekauft werden und ich habe genügend Platz zum Arbeiten ‒ das ist nicht selbstverständlich! Am Abend im Hotel dann die letzte Besprechung vor dem großen Tag.

Mittwoch 26 September 2018: Erster Wettkampftag

Es wird ernst! Um acht Uhr ein letztes Briefing zum Ablauf des Wettkampftags, anschließend ist gerade noch Zeit für eine letzte Besprechung unter vier Augen mit meinem Trainer Matthias List über den optimalen Arbeitsablauf für mich. Es ist neun Uhr und nun geht es los! Meine erste Aufgabe: Eine gemusterte Tapete sauber an die Wand bringen. Das muss schnell gehen, die Jury wird sie gleich im Anschluss bewerten. Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter. Was ich zunächst auf die Nervosität geschoben habe, ist leider ein verdorbener Magen und das kostet mich wertvolle Zeit. Direkt am ersten Tag ‒ das aufzuholen wird schwer! Für den morgigen Wettbewerb müssen noch die Farben angemischt werden, auch das bewertet die Jury. Am Ende des Tages plane ich mit meinem Trainer noch den nächsten Tag und gehe früh ins Bett. Hoffentlich läuft es morgen besser!

Donnerstag, 27 September 2018: Zweiter Wettkampftag

Die Vorgaben sind auch heute sehr anspruchsvoll. Zudem muss ich die verlorene Zeit aufholen. Den Vormittag über arbeite ich intensiv an meinem Budapest-Logo, das in Proportion und Farbe so exakt wie möglich an die Wand muss. Beim anschließenden Speed-Wettbewerb müssen wir so schnell wie möglich ein weiteres Logo abkleben und in vorgegebenen Farben ausmalen. Wer fertig ist, hält sein Schild hoch. Ich lande im Mittelfeld, dafür ist alles sehr ordentlich geworden. Ich bin zufrieden. Anschließend kann ich weiter am Logo und an meiner freien Technik arbeiten. Dafür habe ich eine Spachteltechnik gewählt. Insgesamt läuft es am zweiten Tag deutlich besser, doch morgen ist noch viel zu tun!

Freitag, 28 September 2018: Letzter Wettkampftag und Abschlussfeier

Letzter Tag des Wettbewerbs! Heute müssen Technik, Tür-Lackierung und Logo fertig werden. Dafür sind nur noch vier Stunden Zeit! Doch ich komme nun gut voran und bemerke nicht, wie viele Leute sich inzwischen vor unseren Kojen versammelt haben. Meine Kollegen vom Malernationalteam sind da, mein Freund und meine Eltern, sogar Vertreter vom Bundesverband ‒ sie alle drücken mir die Daumen. Nach dem Signalton habe ich noch zehn Minuten, um alles abzuschließen. Die letzten Sekunden verstreichen, ich habe es geschafft! Als ich die vielen Leute um mich herum bemerke, die mit mir mitgefiebert haben, kommen mir vor Erleichterung und Rührung die Tränen. Mein Trainer drückt mich, ab jetzt wird gefeiert. Morgen gibt es dann die Ergebnisse bei der großen Abschlussfeier in der Budapest Arena. Natürlich hoffe ich auf eine Medal of Excellence!

Menge
Am letzten Wettkampftag fiebern die Zuschauer in den letzten Minuten gebannt mit.

Samstag 29 September 2018: Tag der Entscheidung

Zusammen mit meinem Team habe ich letzte Nacht noch lange gefeiert. Doch schon früh morgens brechen wir zu einem Ausflug auf, um traditionellen ungarischen Reitern bei ihren Kunststücken zuzusehen. Am Abend dann die große Abschlussfeier: Die verschiedenen Gewerke werden nacheinander aufgerufen und die jeweils besten werden auf der großen Bühne geehrt. Ich bin leider nicht unter den ersten drei. Zunächst bin ich enttäuscht, dass es nicht für einen Platz auf dem Treppchen reichte. Doch am Ende des Abends bekomme ich die Medal of Excellence für meine überdurchschnittliche Arbeit von Dr. Voß überreicht. Rückblickend war es eine riesige Ehre teilnehmen zu dürfen. Ich habe mein Ziel erreicht, ich bin nicht mit leeren Händen zurückgekommen. Jetzt kann gefeiert werden!!!

Vielen Dank an Antje Harz an dieser Stelle für die seltenen und intimen Einblicke in den Alltag und die Emotionen eines Mitglieds des Deutschen Nationalteams! Wir sind stolz auf alle Sieger und Teilnehmer gleichermaßen!