»Kleines Stuckmuseum« – Stuck in seiner ganzen Pracht

In Freiburg gründete Hans Rich am 1. August 1979 das »Kleine Stuckmuseum«. Die Bezeichnung »klein« trifft nur flächenmäßig zu, denn die »nur« 120 Quadratmeter die zur Verfügung stehen, sind gefüllt mit Schätzen und Raritäten der deutschen Stuckateurkunst und bisher einzigartig in ganz Deutschland. Der Aufbau und Betrieb erfolgte über all die Jahre ohne staatliche oder andere Unterstützung. Das Museum erinnert an die Kunstfertigkeit vergangener Zeiten und verfolgt das Ziel, die Baukunst und das Kulturerbe dieses Berufsfeld zu erhalten. Neben dem Museum betreibt Hans Rich noch eine Werkstatt für Stuck, Baukunst und Denkmalpflege. Hier werden die Kenntnisse über Stuck auch praktisch angewendet, z. B. für Restaurierungsarbeiten, moderne und historische Neugestaltungen und Sonderanfertigungen für Neu- und Altbauten. In der eigenen Werkstatt wird fast jeder Kundenwunsch in individueller Form realisiert. Der mittlerweile 81-jährige blickt auf über 60 Jahre Berufserfahrung zurück und sammelte sich so nicht nur fundiertes Wissen über Stuck, seine Geschichte und Formensprache an, sondern er selbst sammelte über Jahre hinweg das Inventar seiner Sammlung.

Entstehung des Stuckmuseums

Im Alter von 14 Jahren begann Hans Rich die Lehre zum Stuckateur und begann schon von da an Stuckteile bzw. Fragmente nach dem Krieg auf den Trümmerbergen von Freiburg zu sammeln. Zum Glück, möchte man sagen, denn sonst wären der Nachwelt viele besondere Stuckformen gar nicht mehr erhalten geblieben. Seine Sammelleidenschaft ist bis heute ungebrochen. Die Sammlung wuchs stetig und der Platz in den Lagerhallen reichte irgendwann nicht mehr aus. Aber wohin mit all den wertvollen Schätzen? Hans Rich entschied sich daraufhin ein Museum zu gründen. So können die Objekte korrekt gelagert werden und sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Schon vier Jahre nach der Gründung wurden die Museumsräume erweitert und heute werden weitere Stuckobjekte in Lagerräumen aufbewahrt und immer mal wieder mit Ausstellungsstücken ausgetauscht. Nicht umsonst heißt es, dass das »Kleine Stuckmuseum« eine der größten Stucksammlungen beherbergt.

Die Sammlung

Grundlage der späteren Stuck-Sammlung bildeten die gefundenen Stuckteile in Freiburg in der Nachkriegszeit. In den 50er und 60er wurden immer mehr alte Bürgerhäuser saniert und Stuckelemente wurden von Fenstern, Decken und Wänden abgeschlagen, denn das entsprach der damaligen Mode. Hier musste Hans Rich sogar viele Teile vor dem Müllcontainer retten. Weiterhin konnte er von ehemaligen Firmen, die sich damals auf Stuck spezialisierten, die Altbestände erwerben. Er rettete Fragmente aus einer Zeit, in der die Stuckateurkunst noch hoch angesehen war. In seiner Sammlung finden sich Rosetten, Medaillons, Atlanten, Konsolen, Büsten, Kapitelle, Dekore, Wappen, Supraporten, Vasen und vieles mehr. Die meisten Exponate seiner Sammlung stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, andere sind mehrere hundert Jahre alt, wie z. B. Gipsabdrücke von mittelalterlichen Sandsteinfiguren aus der Freiburger Altstadt.

Stuck und Anstrich

Was passiert eigentlich mit Stuck, der schon über Jahre hinweg die Decken und Wände ziert? Alten Stuck erkennt man meist daran, dass er beim Anstrich der Wände ebenfalls mitgestrichen wurde. Das Problem hierbei ist, dass über Jahre hinweg immer mehr Schichten hinzukommen. Oft sogar mit unterschiedlichen Anstrichstoffen. Das einst so filigran erscheinende Ornament wird zu einer unförmigen, klumpigen Masse. Viele Mieter und Vermieter wissen teilweise gar nicht, was sich für wahre Formenschätze an ihren Wänden und Decken befinden. Hans Rich hat von diesen zugekleisterten Ornamenten schon viel gesehen und mit mühevoller Handarbeit Schicht um Schicht abgetragen, um am Ende das ursprüngliche Ornament wieder freizulegen. So fand sich unter mancher Farbschicht noch ein außergewöhnlich schönes oder seltenes Ornament.

Werfen Sie einen Blick ins Museum:

Stuckmuseum als Informationsstätte

Mit vielen Fachbeiträgen in Fachzeitschriften trug Hans Rich auch auf der theoretischen Ebene dazu bei, das Wissen über Stuck zu verbreiten und zu vertiefen. Somit ist er in der Lage, den Stuck anhand der Ornamente in die entsprechenden Epochen einzuordnen. Viele Restauratoren, Studenten, Denkmalpfleger und Kunsthistoriker besuchten schon sein Museum, um sich über originale Stuckelemente zu informieren und/oder um sich beraten zu lassen. Aber nicht nur aus Deutschland kommen Besucher, sondern auch aus Frankreich, Österreich, England, Italien, USA, Japan und Brasilien.

Für Ihren Besuch

Wer in die Welt des Stucks eintauchen möchte, sollte dem Museum einen Besuch abstatten.

Adresse und Öffnungszeiten

Kleines Stuckmuseum
Liebigstraße 11
79108 Freiburg
Telefon: 0761/ 50 05 55
Fax: 0761/ 50 25 25
E-Mail: rich-kg@stuckmuseum.de
www.stuckmuseum.de

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Freitag von 13 bis 18 Uhr
(an allen anderen Tagen und Vormittagen nur nach vorheriger Vereinbarung)
Eintritt frei

 

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