Strukturelle Probleme bei Bautenfarben

Hinter der deutschen Farbenindustrie liegt ein enttäuschendes Geschäftsjahr. Peter Jansen, der neue Präsident des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), präsentierte am 12. Februar in Frankfurt/Main durchwachsene Zahlen für die rund 200 Mitgliedsunternehmen. Bei den  Bautenfarben sank die Nachfrage insgesamt um rund 1,5 Prozent auf 847.000 Tonnen, besonders die Menge verkaufter Lacke und Lasuren ging um 3,8 Prozent zurück. Nur die Kunstharzputze sowie die wässrigen Lasuren entwickelten sich in der Menge leicht positiv.

Lackverband
Präsident Peter Jansen (rechts) und Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann präsentierten die aktuellen Wirtschaftszahlen der 200 Lack- und Druckfarbenhersteller

Verlängerte Renovierzyklen

»Im Sektor Bautenanstrichmittel wird es kaum spürbare Besserung geben, was angesichts der immer noch guten Baukonjunktur verwundert«, so Peter Jansen. »Der VdL ist den Gründen für die negative Entwicklung der Branchenzahlen nachgegangen und hat eine Studie bei ChemResearch in Auftrag gegeben. Höhere Produktqualitäten führen zu einem niedrigeren Verbrauch. Es gab auch einen erheblichen Transfer aus dem DIY-Bereich in den Profi-Bereich. Ältere Bevölkerungsgruppen, die vorher noch selbst gestrichen haben, leisten sich nun einen Maler und steigen ab dem 50. Lebensjahr immer seltener selbst auf die Leiter. Im Profi-Segment wird der Zuwachs, den das Neubau-Geschäft mit sich bringt, durch verlängerte Renovierzyklen, ein verändertes Raucher-Verhalten, eine veränderte Rechtsprechung bei der Kostentragung für Schönheitsreparaturen bei weitem überkompensiert.«

Hohe Effizienz der Produkte

»Insgesamt hat der Bautenanstrichmittelmarkt seit 2010 gut zehn Prozent an Menge verloren. Dieser Trend wird sich in unserer Prognose abflachen. Wir gehen davon aus, dass das Neubaugeschäft deutlich langsamer wachsen wird und dafür das so wichtige Renovierungsgeschäft wieder an Fahrt gewinnt. Die Effekte, die sich aus einer niedrigen Arbeitslosigkeit ergeben haben, werden nicht zu zusätzlichen Marktverlusten führen. Auch bei der Effizienz der Produkte haben wir einen so hohen Standard erreicht, dass von einem deutlichen Abflachen der Kurve auszugehen ist. Einige Sorgenfalten treibt uns die Kapazität des Handwerks auf die Stirn. Das Handwerk allgemein hat große Nachwuchssorgen. Das Malerhandwerk ist davon in besonderem Maße betroffen«, gab der VdL-Präsident zu bedenken.

Teure Tarifabschlüsse und hohe Rohstoffpreise verstärken die negative Prognose für 2019. Noch gar nicht absehbar ist die Entwicklung beim Weißpigment Titandioxid. Eine politische und bürokratische Posse, die die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten deutschen Industrie beeinflussen kann. Die Hersteller von Bautenanstrichmitteln sind also auch 2019 mit einem schwierigen Markt konfrontiert. »Unsere Experten«, so Jansen weiter, »rechnen mit einem Minus im Absatz von über 2 Prozent.«

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Foto: VdL