Stählerne Verbindung

 

In der Bauzeichnung zeigt ein linker Pfeil nach Schweden und ein rechter nach Norwegen: 2005 wurde die Swinesundbrücke der Autobahnverbindung E 6 von Nordby nach Svingenshogen nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt. Das äußerlich eher bescheiden anmutende Brückenbauwerk, welches die Meerenge und Hafeneinfahrt nach Halden überspannt, entstand nach dem norwegischen Vorschlag »Arc«, der bei einem Designerwettbewerb durch seine geradlinige und einfache Form überzeugte. Der Bau der Brücke war verbunden mit hohen Anforderungen in Bezug auf Herstellung, Transport und Montage. Auch die Projektorganisation wurde durch schwierige Witterungsbedingungen erheblich erschwert.

Die lange Reise der Brückenteile

Ein schlanker Bogen und die Brückenpfeiler aus Beton tragen zwei separate Brückenbahnen, die aus vorgefertigten Stahlhohlkästen zusammengeschweißt sind. So ergibt sich für das gesamte Stahlwerk eine Länge von 704 m, das an Stahlseilen aufgehängte Mittelteil im Bogen mit einem Gesamtgewicht von ca. 7.500 t befindet sich 60 m über dem Wasser. Die Ausführung der Korrosionsschutzarbeiten war voll in den Bau- und Montageprozess integriert. Nach der Brückenteilfertigung in zwei sächsischen Werkstätten wurden auf die Außenseiten vier Anstrichen aufgebracht, das Innere erhielt nur einen helleren Funktionsanstrich. Nach dem Transport der Brückenteile zur Baustelle, erfolgte dort die Endmontage sowie die Schweißnahtkonservierung. Anschließend wurden Transport- bzw. Montageschäden ausgebessert und ein zweiter Deckanstrich aufgetragen.

Eine besondere Herausforderung war die Bewältigung der Logistik für die Baustellenanfahrt von 1.400 Km, immerhin galt es die Arbeit von 25 Malern und Anstreichern zu organisieren, die insgesamt ca. 56 Tonnen Beschichtungsmaterial am Fjord benötigten. Die Applikation erfolgte in der Werkstatt wie auch auf der Baustelle mit airless-Spritztechnik; jeweils nach der Oberflächenvorbereitung mit Norm-Reinheitsgrad SA 2 ½ nach DIN EN ISO 12944 – 4. Kanten, Ecken und Freischnitte erhielten als erste Grundierung einen zusätzlichen, mit Pinsel aufgetragenen, Kantenschutz mit einer Eisenglimmer-Phosphat-Pigmentierung. Vor der Komplettierung mit der zweiten Polyurethan-Deckbeschichtung mussten auf der Baustelle etwaige Verschmutzungen und vor allem Salzreste von der Seeüberfahrt mit einem Hochdruckwasserstrahl (70° C und 120 bar) abgewaschen werden, um den Haftverbund der zwei aufeinanderfolgenden Decklacke zu garantieren. Den Zuschlag für die Vorkonservierung der Brückensegmente sowie für die gesamte Endbeschichtung der Brücke erhielt der Korrosionsschutzbetrieb „MIB GmbH Lutherstadt Eisleben“, der die Projektleitung mit Referenzen im Brückenkorrosionsschutz und anderen Spezialbeschichtungen überzeugen konnte.

Die Oberflächen des dominanten Betonmittelteils wie auch die Betonpfeiler sind materialsichtig geblieben; von den Betonbauern ist hier ein vorbeugender Schutz gegen das rauhe Seeklima in Form eines Hydrophobierungsgels aufgetragen worden. Für die feuerverzinkten Stahlseile am Brückenbogen, die das freischwebende Mittelteil der beiden Fahrbahnen tragen und deshalb gewissen Schwingungen ausgesetzt sind, kam eine dreischichtige Spezialbeschichtung gemäß „ZTV-KOR-Seile“ zum Einsatz.

Details im Inneren

Mit nur einem airlessgespritzten Dickschichter auf Epoxidharzbasis wurden die Innenseiten der Mittel- und Seitenkästen in einem hellgrauen Farbton behandelt. Trotz der bekannten Problematik von Schwitz- und Kondenswasserbildung in Stahlhohlkästen und daraus resultierender Rostbildung, haben die skandinavischen Designer hier den Schritt auf Neuland gewagt: Als aktive Korrosionsschutzmaßnahme ist der gesamte Innenraum beider Fahrbahnhohlkästen so gebaut, dass er klimatisiert belüftet wird. So bleibt die relative Luftfeuchtigkeit bei maximal 35%  und Rostbildung, die erst ab ca. 70% relativer Luftfeuchtigkeit eintritt, ist damit vorgebeugt. Im begehbarem Fußbodenbereich wurde in die noch nicht vollständig ausgehärtete Beschichtung zusätzlich Sand eingestreut.

Trotz schwieriger Witterungsbedingungen, wie Taufeuchte und trockenen Wintertemperaturen von bis zu – 20°C, konnten die Montage- und Korrosionsschutzarbeiten erfolgreich abgeschlossen werden. Zur feierlichen Einweihung der Fjordbrücke erschienen sogar die beiden Königsfamilien Schwedens und Norwegens.

 

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Fotos: Wolfgang Conrad