Stadt, Farbe, Identität – Studienprojekt

Initiiert vom Bundesausschuss Farbe und Sachwertschutz arbeiten das Institute International Trendscouting IIT in Hildesheim und weitere Hochschulen an der großen Studie color-CODES. Dort erfasst und analysiert man Farbe und Architektur der Deutschen Städte. Ziel ist ein Gestaltungswerkzeug, das zukunftsfähige und kulturell begründbare Farbstrategien für Städte möglich macht. Zum Zwischenstand eines Mammutprojekts.

Was bestimmt das Erscheinungsbild einer Stadt, was macht ihre Identität im Wesentlichen aus? Es sind architektonische Parameter wie Farbe und Form im Zusammenspiel mit kulturellen, künstlerischen, grafischen, digitalen, mobilen und gesellschaftlichen Parametern. Was nicht von der Natur geformt oder auf natürliche Weise wächst, wird von Gestaltern im weitesten Sinn gemacht. Gebäude, Werbung, Typografie oder mobile und temporäre Objekte prägen Stadt und Raum bei Tageslicht und bei Kunstlicht in der Dunkelheit. Die Stadt ist quasi ein dreidimensionales, dynamisches Zeichensystem, das wir als Bewohner und Betrachter wahrnehmen, decodieren und bewerten.

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Exemplarische Anwendung der colorCODES: Aus den regional spezifisch ermittelten Farbtönen wurden erste Farbkonzeptionen auf stilisierte Lageplanmodelle, die sich an unterschiedlichen Städten orientieren, übertragen

Wer sich heute und künftig mit Farb- und Materialkonzepten für Städte und Stadtquartiere auseinandersetzt, benötigt Wissen und Informationen zu typischen, in der Architektur verwendeten Farbtönen. Dabei sind nicht nur Farbtöne für einzelne Objekte, sondern typische Kombinationen, Reihungen, Staffelungen und Zuordnungen gemeint. Diese Informationen gibt es in Deutschland aber nur höchst vereinzelt.

Eine Architekturfarbkarte Deutschlands

Mit dem Ziel, das Erarbeiten von Farbmasterplänen, die eben die städte- und regionaltypischen Farb- und Materialkonzepten berücksichtigen, zu vereinfachen, soll eine Farbkollektion entwickelt werden, die nachweisbar häufig verwendete Einzelfarbtöne, Reihungen und Kombinationen enthält.

Grundlage von allem ist eine Bestandsaufnahme und Analyse historischer und aktueller Daten. Als Quellen dienten den Studienbeteiligten die jeweiligen Stadtarchive, wo historisches Bildmaterial erfasst werden konnte, Archive  von Fachzeitschriften und Industrie, außerdem Bildmaterial aus dem Bereich Tourismus und Aufnahmen von Google Earth und Google Street View, die miteinander abgeglichen wurden. Mehr als 15.000 Bilder wurden gesichtet und nach einer festgelegten Matrix ausgewertet. Dieser erste Methodenbaustein, das Sammeln, Vergleichen und Bewerten von Bildmaterial unterschiedlicher Herkunft und Zeit beschränkt sich, wie auch die beiden folgenden Methoden, auf die historischen Zentren und deren nähere Umgebung der jeweiligen Städte, da sie gegenüber der Peripherie-Bebauung weniger beliebig ist.