So sieht Integration im Handwerk aus

Auf der einen Seite steht das Handwerk,mit seinem Bedarf an Azubis und Fachkräften, auf der anderen Seite gibt es motivierte junge Zuwanderer, die sich Arbeit, Anerkennung und Integration wünschen. Da klingt es logisch und einfach, beides zusammenzubringen. Wie sieht es aus, drei Jahre nachdem eine große Zahl Geflüchteter zu uns nach Deutschland kam? Eine Bestandsaufnahme mit Beispielen aus Malerbetrieben.

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In den Jahren 2015 und 2016 sind mehr als 1,2 Millionen Schutzsuchen- de nach Deutschland gekommen. Bildung und Arbeit sind der Schlüssel, um sie erfolgreich in Deutschland zu integrieren. Berufsschulen, Vermittlungsagenturen, Politik und Ehrenamtliche haben Erfahrungen bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt gemacht, so auch Betriebe aus dem Handwerk.

Es braucht generell einen langen Atem, um junge Menschen ausbildungsfähig zu machen und durch die Ausbildung zu bringen. Erleichterung für Betriebe, die Geflüchtete beschäftigen, brachte das Integrationsgesetz, das 2016 auf Initiative des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und anderer Arbeitgeberorganisationen beschlossen wurde. Doch es besteht noch Handlungsbedarf bei den Themen Rechts- und Planungssicherheit sowie der Sprach- und Ausbildungsförderung. Denn meist hapert es bei den jungen Geflüchteten nicht an praktischen Fertigkeiten und Fähigkeiten, sondern an mangelnden Sprach- und Mathematikkenntnissen. Laut Einschätzung des DIHK dauert es sieben bis zehn Jahre vom Asylantrag bis zur vollen Integration in den Arbeitsmarkt.

Dass es bei entsprechender Motivation der Geflüchteten und einer breit aufgestellten, intensiven Förderung durch das Umfeld auch schneller gehen kann, zeigen die folgenden Beispiele. Sie zeigen auch, dass es viele Betriebe gibt, die sich über die talentierten, motivierten und freundlichen Azubis freuen, die als Zuwanderer zu uns kamen.

Malerbetrieb Rupp mit seinem Azubi aus Gambia

Foday Touray aus Gambia ist 22 Jahre alt und Azubi im dritten Lehrjahr bei Uwe Rupp in Karlsbad-Langensteinbach. Er kam vor vier Jahren nach seiner Flucht nach Karlsruhe. »Eine Kundin, bei der wir Malerarbeiten ausführten, fragte mich, ob Foday bei uns im Malerbetrieb eine Ausbildung machen könne. Sie ist ehrenamtlich beim ›Runden Tisch Asyl Karlsbad‹ engagiert und betreut den jungen Mann. Ich dachte mir, warum sollte ich das nicht probieren und bot ihm zunächst ein Praktikum an«, erzählt Uwe Rupp.

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Der 22-Jährige Foday Touray aus Gambia arbeitete drei Tage mit und überzeugte Malermeister Uwe Rupp. Foto: Malerbetrieb Rupp.

Foday arbeitete drei Tage mit und konnte überzeugen. Daraufhin bot der Malermeister ihm gleich eine Ausbildung an, da es bereits Oktober war. Zuvor besuchte der junge Flüchtling bereits ein Jahr die Gewerbeschule, wo er berufsvorbereitende Maßnahmen absolviert und Deutschunterricht erhalten hatte. Er sprach daher schon recht gut Deutsch, der Rest ging auf Englisch. Überzeugt hatten Rupp auch die Charaktereigenschaften des jungen Manns: »Foday ist hochmotiviert und fleißig, er hat ein tolles soziales Verhalten und er ist willensstark. Kein Wunder, wer eine Flucht übersteht, der kann sich durchbeißen«, weiß Rupp. Die fünf anderen Mitarbeiter im Malerbetrieb haben Foday gut aufgenommen. Er wird akzeptiert, weil er die Arbeit gut macht und wegen seiner freundlichen Art.

Auch bei den Kunden kommt der junge Gambier gut an, sie interessieren sich für seine Geschichte und lernen ihn so besser kennen. Er ist in die dörfliche Gemeinschaft integriert, spielt im Fußballverein mit und lebt mit einem Landsmann in einer kleinen Wohnung. Problematisch sei mitunter die Mentalität vieler Afrikaner, sagt Uwe Rupp: »Da ist das fehlende Zeitgefühl, wenn Foday zur spät zur Berufsschule kommt oder unentschuldigt fehlt. Es braucht Disziplin, damit es besser funktioniert. Er braucht klare Hierarchien und Anweisungen«.

In der überbetrieblichen Ausbildung habe das gut funktioniert, da der Ausbilder hier eher autoritär und streng sei, anders als in der Berufsschule. Im Betrieb habe er damit keine Probleme gehabt, Foday habe ihn als Autorität anerkannt, auch wenn er selbst nicht streng sei. Uwe Rupp hat seinen jungen Flüchtling engmaschig betreut, mit ihm Fachrechnen geübt oder gemeinsam Aufmaße gemacht – das waren insgesamt zwei Stunden Mehraufwand, die er im Vergleich zu seinen deutschen Kollegen bei der Betreuung aufwenden musste. Auf die Frage welche Eigenschaften ein Ausbilder am meisten brauche, der einen Flüchtling aufnehme, meint Uwe Rupp: »Gutmensch zu sein, reicht nicht. Hilfreich ist es, Werte zugrund zu legen, die man selbst auch lebt, Vorbild zu sein. Wichtig ist auch, viele Gespräche zu führen, immer im Kontakt zu bleiben.«

Das Asylverfahren von Foday ist noch nicht durch, doch durch die 3+2-Regelung kann er nach Abschluss der Ausbildung noch zwei Jahre bleiben. »Ich würde ihn natürlich sehr gern die zwei Jahre als Geselle behalten, auch darüber hinaus.« sagt Uwe Rupp.

Die Malermeister Müller-Weißling geben einem jungen Afghanen eine Chance

Unter den auf der Homepage des Malerbetriebs Müller-Weißling vorgestellten Mitarbeiter ist auch Mohammad J. Haydari aus Afghanistan. Auf Nachfrage erzählt Thomas Weißling, warum er einen geflüchteten Menschen eingestellt hat: »Die persönliche Bewerbung und das gewinnende Wesen unseres aktuellen Auszubildenden waren ausschlaggebend. Ich unterstütze jeden gerne, der ein klares Ziel vor Augen hat und vorankommen will im Leben. Ich selbst habe 1989 als junger Geselle die DDR verlassen und bin dankbar für die Menschen, die mich damals unterstützt haben.« Kunden, die selbst mit Flüchtlingen zu tun haben, haben den Kontakt hergestellt. Zuvor habe der junge Afghane ein Praktikum gemacht – wie alle Bewerber auf eine Ausbildungsstelle, die in die engere Wahl kommen. Unterstützung habe es während der Ausbildung durch den Integrationslotsen und einen Betreuer gegeben. »Ansonsten haben wir zusammen mit Mohammad zunächst fast alles selbst organisiert.«, beschreibt Thomas Weißling.

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Mohammad J. Haydari aus Afghanistan ist glücklich, eine Ausbildung im Malerbetrieb von Thomas Weißling (li.) und Karsten Müller machen zu dürfen. Foto: Malerbetrieb Müller-Weissling.

Beispielsweise konnte der Malermeister es durch seine Kontakte ermöglichen, für Mohammad einen privaten, fachspezifischen Sprachunterricht zu organisieren, damit Mohammad seine Ausbildung gut meistern kann. Auf die Frage, was die größten Hindernisse waren, antwortet Thomas Weißling: »Tatsächlich war es tricky, Mohammad vom Nachbarkreis in unseren Zuständigkeitsbereich zu holen. Zudem ist die Sprachbarriere eine Herausforderung. Kein allgemeiner Sprachkurs hilft dabei, einem Syrer Fachbegriffe wie Viskosität oder Bindemittel so zu vermitteln, dass er gute Zensuren erzielen kann. Deshalb haben wir den speziellen Sprachunterricht selbst in die Hand genommen und die Lehrer an der Berufsschule spiegeln uns den Erfolg dieser Maßnahme«.

»Bei der Integration in den Betrieb sei es das Wichtigste, dass Chefs ihren Mitarbeitern Wertschätzung und Respekt entgegenbringen«, endet Thomas Weißling. Das gelte auch für die Azubis und daran orientieren sich alle Mitarbeiter. »Die freuen sich außerdem, weil Mohammad durch Leistung überzeugt und ansonsten freundlich und zurückhaltend ist.« Wenn er an seine Azubis mit Fluchtgeschichte denkt, freut es ihn am meisten, dass »Mut und Einsatz belohnt werden. Er ist ein wertvoller Teil unseres Unternehmens und der Gesellschaft. In der Berufsschule ist er genauso geschätzt wie bei seinen Kollegen. Mohammad ist ein feiner Kerl und es bereitet Freude, einen solchen Menschen zu unterstützen.« Malermeistern, die noch zögern, einen Flüchtling auszubilden, rät Thomas Weißling auf ihr Bauchgefühl zu hören und auf Persönlichkeiten zu vertrauen. »Probiert es aus, seid mutig, das Leben wird bunter«, appelliert er.

Noch mehr Praxis-Beispiele, bei denen Malerkollegen Flüchtlinge unter ihre Fittiche genommen haben, lesen Sie ab 1.7.2018 in unserer Juli-Ausgabe der Mappe, die Sie hier kaufen können.