So geht richtiger Holzschutz

􏰀Bauen mit Holz boomt. Wir gehen der Frage nach, wie Maler den Trend für sich nutzen. Wo können sie aktiv werden, was machen Kollegen bereits, welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es? 

Malermeister Jürgen Rehfuss Loßburg-Betzweiler im Nordschwarzwald arbeitet gern mit Holz, weil er weiß, dass er mit der Beschichtung dem Holz etwas Gutes tut. »Das Holz saugt das Beschichtungsmaterial auf und ist dadurch geschützt. Das ist ein gutes Gefühl. Mir gefällt die Arbeit mit dem natürlichen Material. Bei der Gestaltung von Schindelfassaden kann ich richtig kreativ sein«, sagt er. Das ist Motivation und Leidenschaft für den Holzschutz, denn Holz braucht Schutz.

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Holz erfreut sich wachsender Beliebtheit an der Fassade, aber auch im Garten und bei Terrassendielen bis zu Pflanzengerüsten. Foto: Osmo

Abhängig von der verbauten Holzart, der Exposition und den Witterungsbedingungen geht der natürliche Abbauprozess des Baustoffs schneller oder langsamer vonstatten. Der größte Wider- sacher des Holzes ist die Feuchtigkeit, aber auch starke Hitze und Sonneneinstrahlung setzen dem Baustoff zu und lassen ihn austrocknen und altern. Pilze, Fäulnisbakterien und holzzerstörende Insekten zersetzen die Inhaltsstoffe, Holzteile werden morsch und mürbe. Die Zersetzer haben in der Natur die Aufgabe, das Holz wieder in den Kreislauf des Lebens zurückzuführen. An Gebäuden sind sie aber unerwünscht. In der Holzschutznorm DIN 68 800 hat daher baulicher Holzschutz absoluten Vorrang vor chemischem Holzschutz.

Bewitterung vermeiden

Schon bei der Planung muss darauf geachtet werden, dass Holzbauteile davor geschützt sind, feucht zu werden. Konstruktiver Holzschutz heißt vor allem, Erdkontakt bei Holzbauteilen zu vermeiden und für ausreichende Dachüberstände sorgen, sodass eine direkte Bewitterung so weit wie möglich unterbunden wird. Tropfkanten leiten Regen- und Tauwasser möglichst schnell ab. Bei maßhaltigen Holzbauteilen ‒ also zum Beispiel bei Fenstern ‒ müssen alle Kanten abgerundet sein, um durch ausreichende Schichtdicke einen guten Kantenschutz zu erzielen. Denn konstruktive Mängel lassen sich im Nachhinein selbst durch das beste Beschichtungssystem nicht ausgleichen.

»Wenn Probleme beim Holzschutz auftreten, dann gehen diese nicht von der beschichtungstechnischen Seite aus, sondern beruhen eher auf planungstechnischen Defiziten«, sagt Annette Rauber, Marketing Manager Sikkens Deutschland, Österreich, Schweiz. »Denn Mängel im konstruktiven Holzschutz lassen sich trotz optimaler Beschichtung auf Dauer nicht kaschieren. Es wäre daher wünschenswert, wenn das Wissen um die Wechselwirkung von konstruktivem Holzschutz und Beschichtungssystemen bereits in der Planungsphase stärker als bisher zum Tragen käme.«

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Holzoberflächen für den Maler sind überall zu finden ‒ Schindeln, Fensterläden, Balken, Fenster und Türen. Hinzu kommen die Holzoberflächen an neuen Objekten. Foto: Jürgen Rehfuss

Der Maler kann sich mit regelmäßigen Wartungungsangeboten bei Kunden ein Geschäftsfeld erschließen. Ludger Dederich, Professor für Holzbau an der Hochschule Rottenburg am Neckar, sagt auf Nachfrage, dass es selbstverständlich sein sollte, allen Bauteilen – also auch bzw. nicht nur Fassaden – zu warten und zu pflegen, und zwar unabhängig von der gewählten Materialität.
Auch für Holzfenster im großformatigen Wohnungsbau sieht er ein Potenzial, denn man müsse in Zukunft berücksichtigen, welche Rohstoffe mit welcher Dauerhaftigkeit für Bauteile verwendet würden. »Vor diesem Hintergrund wird der langfristige Aufwand zum Unterhalt von Holzfenstern sicherlich ein geringerer sein als der im gleichen Zeitraum notwendige, unter Umständen mehrfache Ersatz von Kunststofffenstern, an denen kein Maler oder Lackierer den Alterungsprozess und damit den Verfall der Dauerhaftigkeit aufhalten kann. Bei der Holzverwendung im Garten bzw. im Außenbereich ist und bleibt es dabei, dass Holz nicht ewig dauert. Bis dahin allerdings können die Funktionsfähigkeit der Elemente durch regelmäßige Pflege gewährleistet werden.« Wie das geht, lernen angehende Maler in der Ausbildung.

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Im norwegischen Urnes steht die älteste Stabkirche der Welt, ganz aus Holz erbaut. Foto: Karaian/flickr.com

In der Ausbildungsordnung für die Berufsausbildung zum Maler und Lackierer und im KMK- Rahmenlehrplan umfasst das Lernfeld 5 »Schutz-und Spezialbeschichtungen ausführen« insgesamt 80 Stunden Unterricht. Dabei werden anteilig auch Kenntnisse zum Holzschutz vermittelt. »Der Rahmenlehrplan ist bewusst offengehalten und muss in den Berufsschulen in didaktischen Jahresplanungen mit den beteiligten Bildungspartnern konkretisiert und kontinuierlich aktualisiert werden«, sagt Dr. Roland Wahl, Studiendirektor und Leiter der Abteilung Farbe-Werbung am Berufskolleg Ost der Stadt Essen. »Die Holz-Thematik wird dabei in der Regel mehreren Lernfeldern zugeordnet ‒ mit unter- schiedlichen Aspekten und Umfängen, die auch regional variieren können.«

Seit 2007 gibt es in Deutschland zwei Ausbildungsberufe im dualen System, die direkt mit Holzschutz zu tun haben und mit der Gesellenprüfung abschließen: die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Holz- und Bautenschutzarbeiten und den dreijährigen Ausbildungsberuf Holz- und Bautenschützer. Erfahrene Fachkräfte haben seit 2012 die Möglichkeit, eine Meisterprüfung im Holz- und Bautenschutz abzulegen.

Weitere Möglichkeiten zur Aus-, Fort- und Weiterbildung lesen Sie im vollständigen Text, der in der Mappe 09/2019 veröffentlicht wurde.