Schöne gläserne Arbeitswelt

In einer Zeit, in der die Frage über Wissen oder Nichtwissen nur noch eine Frage des schnellen Internetanschlusses ist, sind dem freien Fluss von Informationen kaum Grenzen gesetzt. Das verändert die Arbeitsbedingungen gewaltig – auch für Malerbetriebe.

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Durchlässig bis durchschaubar

Transparenz definiert der Duden als Durchlässigkeit, Durchsichtigkeit oder auch Durchschaubarkeit. Der Begriff »Transparenz« wird im täglichen Sprachgebrauch verwendet um auszudrücken, dass etwas klar erkennbar sein soll. Im Zusammenhang mit Datensicherheit ist der Begriff oftmals negativ belegt. Vom gläsernen Kunden ist die Rede oder schlichtweg von Datenmissbrauch. Transparenz hat aber ebenso positive Synonyme, die oft in Zusammenhang mit Organisationen und Unternehmen fallen: Eine offene Kommunikation gegenüber Mitarbeitern und Bürgern soll Korruption, Ineffizienz, sozialen und ökologischen Schaden abwenden.

Das Zeitalter der Transparenz

Transparenz ist zum Zauberwort unserer Moderne geworden, ähnlich strahlend wie »Bio« oder »Demokratie«. Sein Siegeszug wurzelt in technischen Entwicklungen und neuen Kommunikationsmedien. Seit jeder das, was er sieht und weiß, mit ein paar Klicks einer Weltöffentlichkeit unterbreiten kann, hat das Geheimnis einen schweren Stand. Moderne Großrechenzentren können unfassbar große Datenmengen speichern und analysieren. Über das Internet lassen sich diese dann von fast jedem Teil der Welt abrufen – schnell, einfach und preisgünstig. Diese beinahe ungebremste Flut von Informationen ändert die Bedingungen für Politik und Wirtschaft gewaltig.
Das Portal www.abgeordnetenwatch.de nutzt die Öffentlichkeit und das Gedächtnis des Internets, um die Arbeit der Bundestagsabgeordneten zu kontrollieren. Bürger befragen Politiker zu Projekten, Themen, ihrem Verhalten, ihren Zielen – und zwar für jeden und jahrelang genau nachlesbar. Politik soll transparenter werden, im Sinn von: durchschaubar, nachvollziehbar und verbindlich.

Permanente Beobachtung

Was für die Politik abgeordnetenwatch.de ist, sind den Unternehmen Onlineplattformen wie soziale Medien, Blogs oder Bewertungsportale, sagt Unternehmensberater Klaus Eck. »Wer die digitale Öffentlichkeit lieber ignoriert, muss dafür einen hohen Preis zahlen (…)«, erklärt er in einem Interview auf dem Blog Socialbanking20. Täuschen lasse sich die Öffentlichkeit schwer, zu viele Menschen seien gut informiert und vernetzten sich. Dabei reagieren Kunden und das Publikum online auf alles, was das Unternehmen tut. An welchen Stellen und zu welcher Zeit Inhalte konsumiert und verbreitet werden, entzieht sich der Kontrolle von Unternehmen.
Anstatt dagegen anzukämpfen, raten sie Firmen, offensiv mit Kritik oder Anregungen umzugehen und in einen Dialog mit der Internetgemeinde zu treten. Über Onlineplattformen erreichen Mitteilungen eines Betriebs in Sekundenschnelle Tausende von Menschen, hier werden (potenzielle) Kunden zum Zeugen dafür, wie ein Unternehmen mit Beschwerden und Anmerkungen seiner Nutzer umgeht.

Das verändert das Machtverhältnis zwischen Kunden und Firmen

Zum einen haben Kunden im In-ternet eine Stimme, die sie in der Masse zu Mitentscheidern macht. Falls die Kritik überwiegt, müssen Unternehmen ihre Produkte bzw. ihre Strategie verändern oder ganz fallen lassen. Zum anderen ermächtigen transparente Informationen über alle Marktteilnehmer Verbraucher zu dem Urteil, ob nach allen Regeln der Kunst beworbene Produkte tatsächlich etwas taugen. Im Internet können Nutzer ihre Erfahrungen mit der Firma teilen, sie weiterempfehlen oder vor ihr warnen. Die Glaubwürdigkeit dieser Erfahrungen schlägt jede Werbeaussage um Längen. Bitkom zufolge zogen 2012 ganze 70 % der Konsumenten vor dem Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung die Onlinebewertungen anderer Nutzer zu Rat. Aber die Menschen reagieren nicht einfach nur passiv auf Informationen. Sie fordern vielmehr aktiv ein, dass Politiker und Unter- nehmen sich ihnen öffnen.

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Transparente Produkte

Im Allgemeinen interessieren sich Verbraucher inzwischen brennend für die Produkte, die sie kaufen oder konsumieren. Wenig überraschend: 84 % erachten einer Umfrage der Frankfurter Kommunikationsberatung Klenk & Hoursch zufolge die Frage für wichtig, ob es mit einem Risiko behaftet ist, ein Produkt zu benutzen. Für die Studie wurden 3.000 Personen zwischen 14 und 69 Jahren bevölkerungsrepräsentativ befragt. Aber auch die sie sozialen und ökologischen Bedingungen, unter denen ein Produkt produziert wurde, interessiert einen Großteil der Menschen.
Punkten können Unternehmen bei Kunden mit glaubwürdigen Geschichten, die Einblicke in die Fertigung zeigen – etwa über Videos, Fotos oder Beiträge. Managementautor Reinhard Spenger bringt es in einem Artikel auf Karriere.de auf den Punkt: »Je künstlicher unsere Welt wird, desto stärker wird der Kult des Authentischen, des Greifbaren gepflegt.«
Die Transparenz eines Unternehmens bei Verbrauchern vor allem zu einem führt: Vertrauen. Das wiederum beeinflusst das Image des Unternehmens positiv und kann damit auch den Erfolg bestimmen. Weiterhin zählen die Unternehmen, die als besonders transparent bewertet wurden, überwiegend auch zu denen, die Kunden für besonders sympathisch erachten.

Transparenz gegenüber Mitarbeitern

Ebenso wie Kunden erwarten auch Mitarbeiter heutzutage, dass die Geschäftsleitung transparent und verlässlich kommuniziert. Mitarbeiter können eine Unternehmensstrategie nur umsetzen, wenn sie diese auch kennen. Sie wollen in ihrer Arbeit Ziel und Sinn erkennen. Kommunizieren Unternehmer und Führungskräfte hier nicht offen, hapert es oft an der Ausführung, die Identifikation mit der Arbeit sinkt. Das kann sich vor allem in unruhigen Phasen oder Krisensituationen negativ auf das Unternehmen auswirken.
Ganz allgemein beeinflusst eine transparente Kommunikation die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Je höher die Transparenz eines Arbeitgebers eingestuft wird, desto wohler fühlen sich die Mitarbeiter im Unternehmen.

Transparenz darf nicht grenzenlos sein

Manchmal sind die Schranken, die der freie Fluss von Informationen haben sollte, nur verschwommen ersichtlich.
Manchmal stechen einem diese Schranken überdeutlich ins Auge. Kein Bundesbürger will, dass eine Regierung sein Privatleben als statistische Zahlenreihe auf dem Server speichert. Dass hier zurzeit einiges im Argen liegt, zeigen längst nicht nur die Ausspäh-Aktionen der NSA. Deutsche Unternehmen wie Schober oder die Bertelsmann-Tochter AZ Direct machen zum Beispiel viel Geld mit dem Verkauf unserer E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Anschriften an Werbekunden. Für Malerbetriebe verläuft diese Grenze überall dort, wo es ihnen schadet, transparent zu sein – wenn sie etwa einem Kunden oder einem Konkurrenten einen Einblick in betriebliche Abläufe verschaffen, die er nicht haben sollte.
Im Allgemeinen können gerade Handwerksbetriebe vom Fokus auf Transparenz profitieren. Sie sind häufig seit mehreren Generationen mit einem Ort verwachsen, kennen die Menschen, Traditionen und Strukturen. Ihre Arbeit ist kundennah und sie sind Experten für die Herkunft und Zusammensetzung von Farben und Lacken. Nicht umsonst heißt es in der Imagekampagne des ZDH: »Handwerk, die Wirtschafts- macht von nebenan.« Konzerne dagegen müssen erst mühsam einen regionalen Bezug entwickeln.

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