Samt und Gold oder doch lieber »Noncolours«?

Mit Gabriela Kaiser von der TRENDagentur haben wir die wichtigsten Interior-Trends für dieses Jahr rekapituliert und zeigen, was in der kommenden Saison beim Interior-Design angesagt und umsetzbar ist.

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2018 sind einige spannende Trends zu erwarten. Vor allem Metallics wie Gold und Kupfer aber auch Samt und dunkle Töne sind auf dem Vormarsch.

Für ihre Recherchen sieht sich die Trendexpertin Gabriela Kaiser regelmäßig auf allen relevanten Messen, Designplattformen und bei Herstellern um. Sie nimmt ganz bewusst wahr, was um sie herum in Blogs, im Netz und an gesellschaftlichen Strömungen passiert. Daraus ergeben sich Tendenzen und Trends, aus denen sie Erkenntnisse über das heutige und zukunftsnahe Wohnen zieht. Parallel lassen sich auch im Modebereich ähnliche Prozesse beobachten: Farben und Materialien korrespondieren häufig mit Trends im Wohnbereich, hat sie festgestellt.

Ein Trend kommt selten allein

Abgesehen von dem was kommt, welche Farben, Oberflächen, Materialien oder Möbel beim Interior-Design angesagt sein werden, Trends sollten nie isoliert gesehen werden, erklärt die Expertin, die deswegen ihren Trendthemen Zielgruppen zugeordnet hat und sich dabei auf die Limbic-Types der Gruppe Nymphenburg bezieht: »Trends folgen unseren Wünschen und Bedürfnissen und sprechen bestimmte Zielgruppen an, die zu den jeweiligen Trends eine besondere Affinität haben.« Für die Expertin lassen sie sich hervorragend nutzen, um  Konsumenten wohntypengerecht abholen und beraten zu können: »Trends sollten als Impuls gesehen werden, den persönlichen Wohnstil weiterzuentwickeln und dazu entsprechend Neues aufzuzeigen«, sagt Gabriela Kaiser. Dafür hat sie für 2018 sieben Themen ausgemacht, die unterschiedliche Designpräferenzen ansprechen.

Die Farbwelt 2018

In diesem Jahr kommt für Gabriela Kaiser Bewegung in die Farbwelt: Auf dem Vormarsch sind Waldgrün über Petrol bis hin zu Dunkelblau – alles in satter, samtiger Tonigkeit. Gold und Metallic bereichern die Extravaganz dieser Farbtendenzen perfekt. Allerdings sind Gold und Metallic sehr raffinierte Farbtöne, die mit fast schon chirurgischer Genauigkeit dosiert werden sollten, um nicht kitschig zu wirken. In der aktuellen »Noncolours«-Gegenbewegung sind viele Naturtöne wie Grau, Beige und auch weiterhin viel Weiß zu sehen. Von hellen Nuancen bis hin zu Cappuccino und Anthrazit sorgen sie als Balance-System für Sicherheit, Ruhe, Harmonie im Wohnbereich. Rottöne von Hellrosa über Pink bis hin zu Feuerrot werden uns in der kommenden Wohnsaison in allen Varianten und spannenden Ton-Kombinationen begegnen. Außerdem angesagt bleibt eine zarte Pastelligkeit für Wohnszenen, die Helligkeit und Weite suggerieren.

Materialien und Oberflächen

Ein Material, an dem man als Gestalter 2018 auf keinen Fall vorbeikommt: Samt. Was früher als opulent, schwer oder gar altbacken galt, darf nun in keinem modern eingerichteten Wohnraum mehr fehlen. Sofas, Sessel, Kissen und Teppiche präsentieren sich in eleganter, warmer Velours-Optik in tonigen Farben. In den Portfolios vieler renommierter Designer finden sich aber auch immer mehr Wohnaccessoires aus ursprünglichen Materialien wie Filz, Leinen, Sisal, Gehäkeltes und Gewebtes. Inspiriert von der Natur, strahlen die Stücke den Charme traditioneller Handwerkskunst aus – rustikal, wohnlich, authentisch. Eine besonders reizvolle Kombination dazu: die ganz stark kommenden glatten, zu Teil hochglänzenden Oberflächen bei Möbeln.  Traditionelle Elemente wie Marmor, Messing, feines Glas und luxuriöser Samt stehen 2018 für elegante Wohnlichkeit Retro-Chic: die 1950er Jahre kommen wieder. Geometrische, klare Linien treffen auf sanfte Kurven. Generell sind Kontraste und Spannungen ein sehr wichtiges Interieur-Thema, beispielsweise handwerklich grobe Strukturen bei Böden gepaart mit industriellem Raumdesign. Mit sehr natürlichen Maserungen, traditionellen Verlegetechniken zeigen Bodenbeläge immer stärker ihren starken Charakter als gestaltendes Raumelement. Und wo Wärme und kuscheliges Feeling gefragt ist, sind Teppiche – von luminös, rustikal bis hin zu flach gewebt – weiterhin als Gestaltungs- und Funktionselement angesagt, zumal auf schlichtem, großformatigem Designuntergrund. Einen durchdachten, als auch praktischen Trend sieht Gabriela Kaiser bei Wänden, die sich künftig mit horizontalen Flächenaufteilungen und dem sogenannten »Colour-Blocking« schmücken. Die 2/3-Aufteilung zwischen oberem und unterem Bereich führt zu interessanten Materialkombinationen. Dazu Zierleisten oder Borten, und die Gestaltung samt Funktionsgarantie sind perfekt.

Noch mehr Trends und Gestaltungstipps von unserer Expertin erwarten Sie in der Januarausgabe 2018 der Mappe.