Rutschen im Rausch

Dank Carsten Kruse bietet die Wettkampfrutsche in Weinheim ein Rutscherlebnis der besonderen Art. Durch das künstlerische Zusammenspiel von transluzenten Elementen und Farbgebung, erlebt der Rutschende die 120 Meter wie in einem psychedelischen Rausch. 

In vielen Städten in Deutschland stehen knallbunte Häuser, die nach Carsten Kruses Entwürfen oder sogar von ihm selbst bemalt worden sind. Seine bunten Straßenbahnen zieren in verschiedenen Städten das Straßenbild. Was aber nur wenige wissen: Kruse ist auch für die künstlerische Gestaltung von einer Vielzahl von Wasserrutschen verantwortlich. Dabei geht es nicht nur um die Außengestaltung der GFK- Röhren. Besonders wichtig für ein außergewöhnliches Rutscherlebnis ist die Gestaltung der Röhren im Innenbereich. Damit man beim Rutschen etwas sehen kann oder knallige Farben wirken können, muss Tageslicht in die Rutsche geführt werden. Das geschieht in der Regel durch transluzente Elemente, bzw. transluzente Lichteffekte. Hier beginnt Kruses Arbeit. Bisher wurden transluzente Elemente in Wasserrutschen eher wahllos eingefügt und die Farbgebung war eher langweilig und wenig durchdacht.

Diese beiden Tatsachen verbindet Kruse nun zum außergewöhnlichsten Rutschen-Projekt, das die Rutschen-Community weltweit jemals gesehen hat. Vollkommen poppig, fast schon rauschartig und psychedelisch nimmt der Rutschende auf der Piranha, einer 120 Meter langen Wettkampfrutsche im Weinheimer Freizeitbad Miramar die Farborgie wahr, die pfeilschnell an ihm vorbeischießt. Die transluzenten Elemente sind dabei kreisförmig neben einander angeordnet und wechseln sich mit leuchtenden, transluzenten Spiralen ab oder sind gitterartig kariert angeordnet. All das erhöht die gefühlte Geschwindigkeit. »Als würde man von Scotty von irgendeinem fernen Planeten zurück auf die Enterprise gebeamt, so muss man sich die Sekunden während des Rutschvorgangs vorstellen«, fasst Kruse das Rutscherlebnis begeistert zusammen.

Rutschen als Markenzeichen

Wasserrutschen sind sehr teuer und viele Jahrzehnte in Betrieb. Alles muss stimmen und letztendlich kann man einen Entwurf erst nach der Inbetriebnahme testen. Korrekturen am Design sind nachträglich praktisch nicht mehr möglich. Deshalb hat sich Carsten Kruse langsam immer weiter nach vorne getastet. »Einen Ausrutscher kann man sich einfach nicht leisten«, sagt Kruse. »Die Fangemeinde im Internet würde die Rutsche zerreißen.« Denn weltweit gibt es Rankings für die besten Wasserrutschen. Angesichts der aufwendigen
Produktion – alle Entwürfe werden im mehrgängigen Spritzverfahren mit Polyesterharz und eigens angefertigten Schablonen aufgetragen – würde eine gefloppte Rutsche die Kosten-Nutzen-Relation komplett sprengen. »Eine Wasserrutsche muss einfach rundherum gut werden, sonst kann man sich den ganzen Aufwand sparen«, erklärt Kruse. Zumal immer neue Freizeitbäder entstehen und selbst städtische Hallenbäder teilweise über durchaus attraktive Wasserrutschen verfügen. Das Design einer Rutsche wird so zum Alleinstellungsmerkmal für das Freizeitbad.