Risiko für die Rente

 

Wer heute mit einer Rentenversicherung fürs Alter vorsorgen will, bekommt wegen des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes nur noch eine schmale Verzinsung. Sogenannte Indexpolicen versprechen mehr Rendite. Der Preis dafür: Höhere Risiken – und komplizierte Produkte.

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Niedrigzinspolitik hinterlässt Spuren

Wer heute privat etwas für den Ruhestand zur Seite legen will, hat es spürbar schwerer: Die Niedringzinspolitik der EZB hat erhebliche Auswirkungen auf die Renten- und Lebensversicherungen. Während die Assekuranzen vor 15 Jahren noch eine Mindestverzinsung von vier Prozent pro Jahr auf ihre Policen gewährten, liegt derzeit der Garantiezins bei nur 1,25 Prozent. Das Finanzministerium prognostiziert sogar ein Absinken des Zins auf 0,9 Prozent zum 1. Januar 2017. Das verteuert die Altersvorsorge maßgeblich. Und wenn der Trend sich fortsetzt, könnte die eigene Rente in Zukunft noch teurer werden.

Das Hauptproblem: Sogenannte klassische Garantieprodukte, zu denen Renten- und Lebensversicherungen in der Vergangenheit überwiegend zählten, können stets nur in überaus sichere Anlagen investieren, um die Garantieversprechen auch einlösen zu können. Und genau diese leiden besonders unter der Niedrigzinsphase – verhindern also höhere Erträge. »Viele Sparer sind sich nicht darüber im Klaren, wie teuer die Garantien sind«, sagt IVFP-Geschäftsführer Frank Nobis. »Auf Sicht von 20 Jahren wäre der Vermögensaufbau ohne Garantien zum Beispiel in Aktien- und Rentenfonds deutlich rentabler. Die Risiken aus möglichen Verlusten sind vielen Sparern aber zu hoch.«

Alternative Altersvorsorge

Die Versicherer haben sich inzwischen auf die neue Lage eingestellt. Zu den jüngsten Produktgattungen der privaten Altersvorsorge zählen sogenannte Indexpolicen: Sie bieten zwar nicht mehr die Garantien klassischer Rentenversicherungen. Dafür sollen die Sparer aber mehr Chancen auf zusätzliche Renditen haben.

»Indexpolicen eignen sich vor allem für Sparer, denen direkte Kapitalmarktanlagen zu riskant sind, weil sie ihr eingesetztes Geld garantiert erhalten wollen«, sagt Andreas Böker, Partner bei der Böker & Paul Kanzlei für Vermögensmanagement in Montabaur. Im Gegensatz zur ungeschützten Direktanlage funktionieren die Policen nämlich im Grundsatz wie eine herkömmliche Rentenpolice: Man zahlt entweder regelmäßig einen oder einen großen Einmalbetrag – und bekommt dafür dann ab einem festgelegten Zeitpunkt eine bestimmte monatliche Rente ausgezahlt. Lebenslang.

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Komplexe Berechnung der Zusatzerträge

Rund ein Dutzend Indexpolicen sind inzwischen am Markt. Die meisten orientieren sich bei der Anlage der Überschüsse am Eurostoxx 50, der die Wertentwicklung der 50 größten europäischen börsennotieren Unternehmen abbildet. Einige Anbieter haben auch eigene Indizes entwickelt. Wieder anderswo kann der Sparer jährlich zwischen verschiedenen Indizes auswählen. Die Policen investieren nie Eins zu Eins in den jeweiligen Index, sondern hebeln dessen Bewegung über Finanzderivate – nur so ist es möglich, mit den im Vergleich zum insgesamt angesparten Kapital kleinen Beträgen der Überschussbeteiligungen überhaupt nennenswerte Zusatzerträge zu erwirtschaften.

Die Berechnung der jährlichen Zusatzerträge hat es in sich: Nach Ablauf eines jeden Monats wird notiert, mit wieviel Prozent der Indexhebel im Plus oder im Minus liegt. Liegt er im Plus, bekommt der Versicherungsnehmer den entsprechenden Gewinn gut geschrieben. Nach dem so genannten »Lock-in-Prinzip« kann er diesen Ertrag in den folgenden Jahren auch nicht mehr verlieren. Liegt er im Minus, so muss er diesen Verlust nicht tragen, bekommt also immerhin die versprochene Null-Rendite.

Diese verbliebene Garantie der Verlustfreiheit hat allerdings immer noch einen hohen Preis: Die Kursausschläge der zugrundeliegenden Indizes werden nämlich über sogenannte Caps abgefangen, die im Gegenzug wiederum mögliche Gewinne decken. Tendenziell gilt: Je stärker die Kurse der Indizes schwanken, an denen der Sparer partizipieren will, desto schwächer ist die mögliche Zusatzrendite aus dem Geschäft.

Die Suche nach dem passenden Versicherer

Wie hoch die Erträge einer Indexpolice dann konkret sind, hängt maßgeblich von dem Geschick des Versicherers ab. Grundsätzlich gilt: Je finanzstärker ein Anbieter, desto höher sind die Überschussbeträge, die er investieren kann. »Die Ratings der Anbieter sind ein guter Anhaltspunkt. Denn sie zeigen, wie finanzstark ein Versicherungsunternehmen ist und wie hohe Überschussbeteiligungen es erwirtschaften kann.« Obendrein obliegt es der Marktmeinung des Sparers, welchem Index und entsprechend welcher Indexpolice er in Zukunft die beste Performance zutraut.

Fotos: Andreas Hermsdorf/pixelio.de