Professionell tapezieren

Professionell tapezieren

Für reklamationsfreie Tapezierergebnisse ist ein sorgfältig vorbereiteter Untergrund Voraussetzung

Professionell tapezieren? Untergrund prüfen ist Pflicht!

Maßstab für professionelle Tapezierungen sollten immer die anerkannten Regeln der Technik sein. Nur dann ist die Gefahr relativ gering, dass Sie als Malerfachbetrieb gewährleisten müssen. Leitfaden für das Tapezieren sind die BFS-Merkblätter Nr. 16 und 20. Die Aussagen des Merkblattes Nr. 16 »Technische Richtlinien für Tapezier- und Klebearbeiten« und des Merkblattes Nr. 20 » Beurteilung des Untergrundes für Beschichtungs- und Tapezierarbeiten, Maßnahmen zur Beseitigung von Schäden« sind in vollem Umfang gültig. Basisregel ist, dass der Tapezieruntergrund trocken, tragfähig, gleichmäßig saugfähig, sauber und frei von Unebenheiten sein muss.
Der Auftragnehmer hat nach der VOB die Pflicht, den Untergrund allgemein zu beurteilen und zu prüfen. Bedenken gegen die vorgesehene Art der Ausführung, gegen die Güte des Materials oder Bedenken wegen Mängeln an Vorleistungen anderer Fachbetriebe müssen dem Auftraggeber vor Beginn der Arbeiten schriftlich mitgeteilt werden (VOB/B § 4.3). Einen Musterbrief mit variablen Formulierungshilfen bietet das BFS-Merkblatt 20.1.

Baustellenübliche Prüfungen

Wichtig ist, dass es sich bei den Untergrundprüfungen nur um die Feststellung sichtbarer oder anderweitig erkennbarer Mängel handelt, die durch baustellenübliche Prüfungen festzustellen sind. Es kann nur die Oberfläche eines Untergrundes beurteilt werden. Prüfungen auf folgende Mängel sind üblich: Feuchtigkeit – mittels Folienprobe und Hygrometer für exakte Feuchtigkeitswerte

  • Oberflächenfestigkeit und Tragfähigkeit – mittels Kratz- und Druckprobe, Klebebandtest
  • vorhandene Sinterschichten – mittels Ritzprobe
  • Ebenheit und Sauberkeit – mittels Tastprobe, Ausleuchten mit Handlampe
  • Alkalität – mittels pH-Wert-Messung mit Indikatorpapier
  • Risse – mittels Augenschein und Rissbreitenmesser
  • Pilzbefall und Ausblühungen – mittels Augenschein

Sind Mängel sichtbar oder erkennbar, die Anlass für Bedenken geben, muss der Prüfungsumfang erweitert werden. Hinweise dazu gibt das BFS-Merkblatt Nr. 20. Die Bedenken sind eindeutig zu beschreiben und zu begründen.

Alte Tapeten entfernen

Den Untergrund für eine einwandfreie Tapezierarbeit qualifiziert vorzubereiten, kann zeitaufwendig und mühsam sein. Oft sieht der Kunde die Notwendigkeit nicht ein, erwartet aber beste Ausführung und beanstandet kleinste Mängel an der Tapezierarbeit. Eingesparte Materialien oder Arbeitsschritte können im Fall einer Reklamation teuer werden, weil sie die gesamte Tapezierung beeinträchtigen.
Alte Tapeten und Wandbeläge müssen restlos entfernt werden. Ein Zusatz von Tapetenablöser zum Wasser erleichtert das Einweichen und Ablösen. Wasserbeständige und scheuerbeständige Tapetenoberflächen sollten vorher perforiert werden, ohne den Untergrund zu beschädigen, damit das Wasser-Tapetenablöser-Gemisch besser eindringen kann. Perforationswerkzeuge sind z. B. der Tapeten-Tiger Expert von Lehnartz oder der Tapeten-Hai von Pajarito.
Leimfarbenanstriche sind gründlich mit Wasser abzuwaschen, leichter geht es hier mit einem Zusatz von Tapetenablöser. Wischfeste Beschichtungen, so genannte Mischbinderanstriche, lässt man durch Einweichen mit Wasser unter Zugabe von Tapetenablöser anquellen, um sie dann abzustoßen. Anschließend ist der Untergrund mit wassserbasiertem Grundiermittel zu verfestigen.
Bei spaltbar abziehbaren Wandbekleidungen darf das zurückgebliebene Trägerpapier nur übertapeziert werden, wenn es fest auf dem Untergrund haftet. Man prüft die Haftung, indem man das Trägerpapier an mehreren Stellen 10 bis 15 Minuten mit Wasser einweicht. Bilden sich keine Blasen, kann ohne Vorbehandlung drauf tapeziert werden. Enstehen Blasen, ist auch das Trägerpapier wie oben beschrieben zu entfernen.

Hochwertige Tapeten brauchen Q3/Q4-Oberflächenqualität

Bei den Untergründen sind Putze der Mörtelgruppe P I und II mit Kalk- bzw. Kalk-Zementanteilen rückläufig. In Neubauten und bei Grundrenovierungen dominieren Gipsplatten oder gipshaltige Putze der Mörtelgruppe P IV, die schneller abbinden und trocknen. Die Definition der Oberflächengüten bzw. -qualitäten von Q1 bis Q4 bietet eine Orientierung beim erforderlichen Aufwand der Untergrundvorbereitung. Q2 als Standardverspachtelung für mittel- und grobstrukturierte Wandbekleidungen ist für viele höherwertige Wandbekleidungen allerdings kaum ausreichend. Je nach Anforderungsprofil, z. B. bei hochglänzenden und absolut glatten Tapetenoberflächen, muss der Untergrund nach Q3 (Sonderverspachtelung) oder Q4 (Vollflächenverspachtelung) verspachtelt werden.

So grundieren Sie richtig

Neben dem teilweisen oder flächigen Spachteln zum Egalisieren des Untergrunds ist ein Augenmerk auf die richtige Saugfähigkeit zu richten – sie darf nicht zu niedrig und nicht zu hoch sein. Die ideale mittlere Saugfähigkeit bezieht sich auf die Erfahrung des Malers und kann durch Benetzung mit sauberem Wasser ermittelt werden, das weder sekundenschnell einziehen noch minutenlang auf der Oberfläche stehen bleiben darf.

So gehen Sie beim Grundieren vor:

  1. Vorkleistern mit verdünntem Tapetenkleister zur Grundierung tragfähiger mineralischer Untergründe wie Neubau-Putzflächen der Mörtelgruppe P VI
  2. Grundieren mit unpigmentiertem Tapetengrund zum Verfestigen des Untergrundes und Regulieren des Saugfähigkeit des Untergrundes
  3. Grundieren mit pigmentiertem Tapetengrund, um bei hellgrundigen Tapeten ein Durchscheinen des Untergrundes zu verhindern. Dabei wird auch der Untergrund verfestigt und die Saugfähigkeit reguliert
  4. Bei Gipsplatten mit dafür ausgelobtem Tapetengrundiermittel grundieren. Sie erleichtern später das bahnenweise trockene Abziehen alter Tapeten.

Fotos: Erismann, Mappe