Null Restmüll – Teil 2

In der Debatte um das Müllaufkommen und die Verwertung von Wertstoffen hat Müllvermeidung oberste Priorität. Zero Waste ist eine Bewegung, die »null Restmüll« zum Ziel hat. Ein Ansatz, der auch interessant ist für Unternehmen, denn Müll belastet nicht nur die Umwelt, sondern kostet auch Zeit und Geld. Wir haben Unternehmen interviewt. Hier der zweite Teil.

Maarten Buijs, PPG Manager Sustainability & New Business Development 

Mappe: Welchen Stellenwert nimmt das Thema „Abfall und seine Vermeidung“ in Ihren Aktivitäten bezüglich Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein?
Maarten Buijs: Abfallreduzierung ist ein zentraler Aspekt in der PPG Strategie für nachhaltiges Wirtschaften. Je weniger Abfall wir produzieren, desto weniger Ressourcen werden verschwendet. PPG fühlt sich dazu verpflichtet, jegliche Form von Verschwendung, also auch Abfall so weit wie möglich zu vermeiden. Bis 2025 sollen noch einmal 25 Prozent weniger Abfall als in 2017 anfallen. Hierzu werden an allen Standorten alle Prozesse stetig weiter optimiert. 35 Prozent der Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsstandorte von PPG werden 2025 keine Abfälle aus Prozessen mehr an Deponien abgeben.

 

Mappe: Was konkret tun Sie, um Restmüll zu vermeiden, wie sehen Ihre Ziele diesbezüglich aus?

Maarten Buijs: Wir arbeiten zunächst an einer absoluten Materialausnutzung in allen Herstellungsprozessen. Gleichzeitig werden mögliche neue oder alternative Maßnahmen zur Beseitigung, Minimierung, Wiederverwendung und Wiederverwertung der von uns produzierten Abfälle stetig analysiert. Wodurch entstehen welche Abfälle? Wo in der Prozesskette müssen und können wir ansetzen, um sie zu vermeiden bzw. wo können welche Abfallstoffe direkt in den Produktionskreislauf wieder eingeführt werden? PPG hat eine Methodik entwickelt, durch die Antworten auf Fragen wie diese jeden einzelnen Roh- und Abfallstoff betreffend gefunden werden. Unter Verwendung der PPG Lean-Manufacturing-Methoden eliminiert oder minimiert jeder Standort stetig seine Abfälle.

 

Mappe: Wie hat sich das Restmüllaufkommen im Unternehmen in den letzten fünf Jahren entwickelt?

Maarten Buijs: Die letzten Jahre haben viele Chancen aufgezeigt, auf welche Weise eine noch umfangreichere Abfallvermeidung zu erreichen ist. PPG hat deshalb die Ziele im Jahr 2017 noch einmal verschärft (siehe oben).

 

Mappe: Was kann direkt im Unternehmen recycelt bzw. in den Recyclingkreislauf gegeben werden?

Maarten Buijs: PPG unterhält eine eigene Fachabteilung, die alle zurückgegebenen, nicht verwendeten Materialien der Standorte sowie der Kunden bearbeitet. So wird erreicht, dass alle in der Produktion wiederverwendbaren Materialien auch tatsächlich in den Produktionsprozess wieder eingehen. Diese Abteilung bewahrt schon heute jährlich ca. 700.000 Liter Farbe vor der Zerstörung.

 

www.duda.news

 

Mappe: Womit und wie werden die Liefereinheiten für den Versand verpackt? Welche Art von Restmüll fällt dadurch beim Adressaten, also Handel oder Verbraucher an?

Maarten Buijs: PPG verpackt Produkte in Kartons oder stapelt diese auf Paletten, die mit Folien für einen sicheren und verschüttungsfreien Transport gesichert werden. Die Paletten sind Teil eines Rücknahmesystems. Die Kartonagen, Eimer und Dosen können vom Einzelhändler wiederverwendet oder recycelt werden. Die Folie geht in die Müllverbrennung.

 

Mappe: Viele Malerprodukte enthalten überwiegend Wasser, das Gebindevolumen und Gewicht vergrößert. Inwieweit gibt es Überlegungen und Möglichkeiten zu pulverförmigen Alternativen?

Maarten Buijs: PPG ist ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu minimieren, ohne dass hierzu Abstriche bei der Qualität gemacht werden müssten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass pulverförmig bereitgestellte Produkte eine sehr genaue Dosierung der Wasserzugabe erfordern, damit eine gleichbleibend optimale Qualität erzielt wird. Dies ist schwer zu gewährleisten. Daher konzentriert sich PPG darauf, die Qualität aller Produkte kontinuierlich so zu verbessern, dass sie durch eine verlängerte Haltbarkeit restlos aufgebraucht werden, eine höhere Opazität bieten und weniger Material benötigt wird für eine optimale Beschichtung.

 

Eckhard Kroll, Direktor Produktion Saint-Gobain Weber

Mappe: Welchen Stellenwert nimmt das Thema „Abfall und seine Vermeidung“ in Ihren Aktivitäten bezüglich Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein?
Eckhard Kroll: „Weber ist grün“. Dies ist unsere Vision, die wir in allen Unternehmensbereichen umsetzen wollen. Die Vermeidung von Abfall und Ausschuss ist eine unserer höchsten Prioritäten. Wir haben verschiedene Initiativen zur Vermeidung von Abfall gestartet, in denen Entwicklung, Produktion, Logistik und Lagerwirtschaft eng zusammenarbeiten. Zur Umsetzung unserer Vision gehören neben Abfallvermeidung weitere Maßnahmen wie Abwasserreinigung und Energieeinsparung, z.B. haben wir in den letzten beiden Jahren rund 10 % unserer Strommenge eingespart.

Mappe: Was konkret tun Sie um Restmüll zu vermeiden, wie sehen Ihre Ziele diesbezüglich aus?
Eckhard Kroll: Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die Produktqualität auf hohem Niveau zu stabilisieren und anfallenden Abfall dem internen Recycling zuzuführen. Durch Verpackungsdesign und Ladungssicherheit vermeiden wir Beschädigungen unserer Produkte im Lieferprozess. Zudem haben wir unser Lagermanagement speziell für sensible Produkte mit kurzer Haltbarkeit optimiert, sowie damit einhergehend auch unsere Rezepturen und Verpackungen angepasst, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen und unserer Vision von 0 Tonnen Produktionsabfall kontinuierlich näherkommen.

Mappe: Wie hat sich das Restmüllaufkommen im Unternehmen in den letzten fünf Jahren entwickelt?
Eckhard Kroll: Wir haben die Menge an Abfall aus dem Produktionsprozess in den letzten drei Jahren um knapp 50 % reduziert. (In 2018 zum Vorjahr um 38 %, von 2018 auf 2019 um 16 % und im laufenden Jahr bereits um 12 %).

Mappe: Was kann direkt im Unternehmen recycelt bzw. in den Recyclingkreislauf gegeben werden?
Eckhard Kroll: Die Recyclingfähigkeit hängt stark von dem Produkt ab. Es gibt Produkte, wie zum Beispiel Mauermörtel, bei denen wir schon eine beachtliche Recyclingquote haben. Bei anderen Produkten mit sehr hohen qualitativen Anforderungen liegt noch Entwicklungsarbeit vor uns.

 

Female hands puts fruits and vegetables in cotton produce bag at food market. Reusable eco bag for shopping. Zero waste concept.

 

Mappe: Womit und wie werden die Liefereinheiten für den Versand verpackt? Welche Art von Restmüll fällt dadurch beim Adressaten, also Handel oder Verbraucher an?
Eckhard Kroll: Die Produkte werden in Kunststoffeimer, Kraftpapiersäcke mit PE-Einleger und Kunststoffsäcke verpackt. Diese Gebinde werden auf Europaletten palettiert und zur Ladungssicherung und als Wetterschutz mit einer Schrumpfhaube versehen. Als Restmüll nach der Lieferung und Verarbeitung fallen Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) und Papier an. Die Europaletten bleiben im Umlauf, werden also wiederverwendet.Als Mengen schätzen wir für das Jahr 2020, dass 513 to PE-Folie, 1048 to PP/PE-Eimer und 1374 to Kraftpapiersäcke anfallen werden.
Für diese greifen die Regelungen im Verpackungsgesetz (VerpackG). Diesen kommen wir durch die Beteiligung an einem „Dualen System“ nach, welches die Rücknahme von haushaltsnahen Verpackungen gewährleistet. Ergänzend dazu haben wir einen Lizenzvertrag mit einem Entsorgungspartner, der unsere Transportverpackungen sammelt und diese laut Kreislaufwirtschaftsgesetz KrWG beim Handel oder Fachhandwerker abholt, recycelt, verwertet oder entsorgt.
Ganz ohne Verpackungen kommen wir natürlich aus, wenn wir Trockenmörtel im Silo liefern.

Mappe: Gibt es eine Möglichkeit, die Gebinde für den Versand/Transport plastikfrei zu verpacken?
Eckhard Kroll: Bislang nicht. Die Schrumpfhaube über der Palette schützt unsere Produkte vor Nässe und Schmutz und dient auch der Ladungssicherung. Die PE-Einleger in den Kraftpapiersäcken, die lediglich etwa 4,5 Prozent der Verpackung ausmachen, schützen unsere Produkte zusätzlich und verlängern so die Haltbarkeit der Produkte.

Mappe: Viele Malerprodukte enthalten überwiegend Wasser, das Gebindevolumen und Gewicht vergrößert. Inwieweit gibt es Überlegungen und Möglichkeiten zu pulverförmigen Alternativen?
Eckhard Kroll: Eines der Unternehmen, die in Weber aufgegangen sind, die Firma Terranova, hat Ende des 19. Jahrhunderts den Werktrockenmörtel erfunden – wir haben daher ausgesprochen viel Erfahrung mit pulverförmigen Produkten und vertreiben diese in großen Mengen.

Mappe: Was tun Sie sonst noch, um dem Ziel Zero Waste, also Null Müll, nahe zu kommen?
Eckhard Kroll: Wir versuchen, den Kreislaufgedanken auf allen Ebenen zu leben, nicht nur, was unsere eigene Produktion angeht. Auf der diesjährigen BAU haben wir beispielsweise mit weber.therm circle das erste Wärmedämm-Verbundsystem vorgestellt, bei dem die einzelnen Komponenten wieder sortenrein getrennt werden können und damit eine Grundlage für das Recycling von WDV-Systemen geschaffen.

 

Julian Utz, Vorstandsmitglied Uzin Utz

Mappe: Welchen Stellenwert nimmt das Thema „Abfall und seine Vermeidung“ in Ihren Aktivitäten bezüglich Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein?

Julian Utz: Für Uzin Utz bedeutet Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischem Handeln und sozialer Verantwortung in Einklang zu bringen. Daher verfolgen wir bereits sehr viele verschiedene Aktivitäten, die dem Thema Nachhaltigkeit zuzuordnen sind. Der effiziente Umgang mit Rohstoffressourcen sowie die Einsparung von Energie, von Wasser und die Verringerung von Abfällen in der Produktherstellung sind für uns selbstverständlich.

 

Mappe: Was konkret tun Sie um Restmüll zu vermeiden, wie sehen Ihre Ziele diesbezüglich aus?

Julian Utz: Als nachhaltig orientiertes Unternehmen ist es Grundvoraussetzung, dass wir konsequent sortieren. Es gibt in unserer Unternehmensgruppe eine Person, die sich ausschließlich um die Abfallvermeidung im Unternehmen kümmert. Regelmäßige Schulungen, Kontrollgänge und Audits der Entsorgungspartner sind Teil seiner Aufgaben.

 

Mappe: Wie hat sich das Restmüllaufkommen im Unternehmen in den letzten fünf Jahren entwickelt?

Julian Utz: Durch unsere positive Unternehmensentwicklung verzeichnen wir über die letzten 5 Jahre einen Mitarbeiteranstieg und eine erhöhte Produktionskapazität. Dennoch war es uns möglich, das Restmüllaufkommen in den letzten Jahren zu stabilisieren bzw. rückgängig zu gestalten.

 

Mappe: Was kann direkt im Unternehmen recycelt bzw. in den Recyclingkreislauf gegeben werden?

Julian Utz: An oberster Stelle unseres Abfallmanagements steht die Vermeidung von Abfällen. Voraussetzung dafür ist es, die Prozesse genau zu kennen, bei denen Abfälle entstehen und dort anzusetzen. Eingehende Rohstoffe und Produkte werden vor der Abfüllung durch das Qualitätswesen geprüft und freigegeben beziehungsweise gesperrt und somit Fehlchargen reduziert. An zweiter Stelle steht das Recycling und zuletzt die Entsorgung anfallender Abfälle. Dennoch anfallende Produktreste werden nach Möglichkeit

wieder in die Produktion eingeführt und somit die zu entsorgende Produktionsabfälle minimiert. Anfallende Verpackungsmaterialien, wie Kunststoffgebinde, Papiersäcke und Folien, werdendem Recycling zugeführt. Wir verzeichnen im Schnitt eine Verwertungsquote von rund 80%.

 

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Außerdem bieten wir eine freiwillige Rücknahme unserer Produkte vom Kunden an. Diese gilt allerdings nur für ungeöffnete Verpackungen, die beispielsweise kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr haben und diese auch nach Möglichkeit zur Wiedereinarbeitung in der Produktionsprozess prüfen. Des Weiteren sind wir Mitglied in einem Entsorgungsverbund. Dieser gewährleistet, dass unsere Kunden Umverpackungen fachgerecht und kostenfrei entsorgen können.

Produktseitig streben wir immer mehr den Einsatz von alternativen, ressourcenschonenderen Verpackungen an. Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und setzen innerhalb der Uzin Utz Gruppe beispielsweise Kanister ein, die aus 100% recyceltem Kunststoff bestehen. Gerade die Verpackungen haben wir bei Uzin Utz als einen wichtigen Hebel zur Steigerung der Ressourceneffizienz entdeckt. Der Einsatz von alternativen Verpackungen kann im Werk sowie auf der Baustelle viel Verpackungsmüll vermeiden. Als Beispiel haben wir im Jahr 2015/2016 die Verpackungsalternative Cube-it-Simple entwickelt. Diese Bag-in-Box-Verpackung besteht aus einem Kunststoffbeutel in einem Umkarton aus Altpapier. Dadurch können im Vergleich zum Kanister rund 75 % Kunststoff eingespart werden. Der Karton kann zudem platzsparend zusammengefaltet und als Altpapier entsorgt werden.

 

Mappe: Womit und wie werden die Liefereinheiten für den Versand verpackt? Welche Art von Restmüll fällt dadurch beim Adressaten, also Handel oder Verbraucher an?

Julian Utz: Unsere Produkte werden normalerweise auf Euro-Paletten geliefert. Diese werden in weiten Teilen Europas direkt durch die Spediteure wieder entgegengenommen. Zur Ladungssicherung ist eine Kunststofffolie über die Endprodukte gespannt. Diesen Prozess konnten wir in den letzten Jahren optimieren und die Foliendicke verringern, um auch hier Ressourcen zu sparen.

 

Mappe: Gibt es eine Möglichkeit die Gebinde für den Versand/Transport plastikfrei zu verpacken?

Julian Utz: Die Art der Anlieferung unserer Produkte auf der Baustelle muss Witterungsschutz bieten. Gleichzeitig müssen wir die Landungssicherung der schweren Gebinde gewährleisten. Diese beiden Herausforderungen haben uns bislang noch keine wirksame Alternative finden lassen.

 

Mappe: Viele Malerprodukte enthalten überwiegend Wasser, das Gebindevolumen und Gewicht vergrößert. Inwieweit gibt es Überlegungen und Möglichkeiten zu pulverförmigen Alternativen?

Julian Utz: Ein großer Bestandteil unseres Produktsortiments ist Trockenmörtel und wird vor Ort auf der Baustelle angerührt. Wie bereits erwähnt, haben wir vor ein paar Jahren die Cube–it-Simple-Verpackung für Grundierungen entwickelt. Diese extrem nachhaltige Produktverpackung kann pro Vollpalette 720 kg Grundierung anstelle einer Kanisterverpackung mit 600 kg pro Vollpalette transportiert werden (20 % mehr Gewicht pro Palette möglich).

Außerdem bieten wir eine Konzentratgrundierung UZIN PE 260:   Diese kann vor Ort mit Wasser verdünnt werden und ist universell auf die Untergründe vor Ort einstellbar. Mit unseren Trockenklebstoffen von switchTec wird im Vergleich zu einem Naßklebstoff praktisch gar kein Wasser mehr transportiert.

 

Mappe: Was tun Sie sonst noch um dem Ziel Zero Waste, also Null Müll, nahe zu kommen?
Julian Utz: Für einen schonenden Umgang mit Umwelt und Ressourcen setzen wir uns seit vielen Jahren nicht nur in unserem Betrieb ein, sondern entlang des gesamten Lebenszyklus unserer Produkte. Die gewissenhafte Nutzung von Rohstoffen, die kontinuierliche Optimierung unserer Prozesse und der Einsatz von marktführenden Technologien sorgen füreine dauerhafte Steigerung der Effizienz in unserer Produktion. Zusätzlich nutzen wir erneuerbare Energieträger und verwenden alternative, ressourcenschonendere Verpackungen. Wir beschäftigen uns also intensiv mit dem Thema Kreislaufwirtschaft.Müllvermeidung steht an oberster Stelle.