06. Januar 2023

Schimmel vermeiden und beseitigen

Mit der richtigen Lüftungsmethode kann Schimmel vermieden werden. Foto: Keimfarben
Mit der richtigen Lüftungsmethode kann Schimmel vermieden werden. Foto: Keimfarben

Schimmelbefall in der Wohnung sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch eine Gefahr für die Gesundheit sein. Er kann Atemwegserkrankungen, Allergien und Infektionen hervorrufen oder auslösen. Besonders Kinder, aber auch kranke und alte Menschen, die in der Wohnung Schimmel ausgesetzt sind, sind gefährdet. Wir geben Tipps, wie Sie Schimmel vermeiden und beseitigen.

Richtig Lüften und Heizen

10 bis 15 Liter Wasserdampf Atem setzt ein Vierpersonenhaushalt täglich frei, z. B. durch Duschen und Baden, Kochen, aber auch durch das Atmen. Diese Feuchtigkeit muss wieder nach draußen befördert werden. Das Mittel dazu heißt Stoßlüften: Mindestens drei Mal am Tag sollten Sie deshalb alle Fenster für fünf bis zehn Minuten vollständig öffnen. Wer viele Zimmerpflanzen besitzt, ein Aquarium hat oder die Wäsche in der Wohnung trocknet, sollte häufiger für Durchzug sorgen. Gerade im Winter ist regelmäßiges Lüften wichtig, da die von außen einströmende kalte Luft wesentlich weniger Feuchtigkeit enthält als die verbrauchte Raumluft. Luftfeuchtigkeit kondensiert vor allem in Zimmerecken, die sich an Außenwänden befinden, oder an Fensterlaibungen, da hier die kältesten Punkte eines Raums sind. Damit die Wände in der kalten Jahreszeit nicht zu stark auskühlen, sollten alle Räume geheizt werden. Empfehlenswert sind 20°C bis 22°C in den bewohnten Räumen. Ungenutzte Räume sollten mindestens 15°C aufweisen, da sonst die Gefahr von Schimmel droht. Die optimale Temperatur im Schlafzimmer liegt zwischen 16°C und 19°C.

Sorgen Sie für Luftzirkulation

Große Schränke sollten nicht an einer Außenwand platziert werden, da die Luft dahinter kaum zirkulieren kann. Generell gilt: Zwischen Möbeln und Außenwand sollte ein Abstand von fünf bis zehn Zentimeter eingehalten werden. Schimmel kann auch hinter Wandbildern entstehen. Scheiben aus Kork dienen als Abstandshalter zwischen Wand und Bild und sorgen so für ausreichend Luftzirkulation.

Baumängel beheben

Ist nicht das Wohnverhalten schuld am Schimmelbefall, sollte das Haus auf Baumängel überprüft werden. Die häufigsten Ursachen für feuchte Wände und Schimmel liegen hier in undichten Rohrleitungen oder Dächern, schlecht gedämmten Außenwänden sowie baulich bedingten Wärmebrücken. Solche und andere Baumängel sollten umgehend behoben werden. Das verhindert nicht nur Schimmelbildung, sondern trägt auch zum Werterhalt des Gebäudes bei.

Rechtliche Schritte bei Schimmelbefall

In Mietwohnungen gilt sofort den Vermieter zu verständigen. Mietrechtlich betrachtet ist Schimmel in der Wohnung ein Mangel und kann zur Mietminderung oder zur Kündigung berechtigen. Dazu muss der Mangel allerdings beim Vermieter angezeigt werden. Treten in einer Mietwohnung Feuchtigkeitsschäden und/oder Schimmel auf, muss dies deshalb umgehend dem Vermieter gemeldet werden. Eine solche Mängelanzeige ist nach § 536 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Voraussetzung für die Durchsetzung aller weiteren Rechte, wie einer Mietminderung. Der Paragraph besagt, dass eine Mietminderung bei Sach- und Rechtsmängeln zulässig ist. Dennoch muss beachtet werden, dass die Miete erst nach einer Mängelanzeige gekürzt werden darf. Der Vermieter muss also über den vorliegenden Schaden informiert sein. In diesem Rahmen sollte dem Vermieter eine angemessene Frist gesetzt werden, innerhalb derer der Mangel zu beheben ist. Für diesen zeitlichen Rahmen ist dann die Miete zu mindern. Eine Mängelanzeige kann auch mündlich erfolgen. Als Mieter tragen Sie dann jedoch die Beweislast und sollten daher Zeugen aufweisen können. Es empfiehlt sich eine schriftliche Mängelanzeige mit Datum. Eine kostenlose Vorlage finden Sie hier.

Unterlassen Mieter diese Anzeigepflicht, führt dies zu folgenden Konsequenzen: Der Vermieter kann den Mangel nicht beseitigen lassen, da er nichts davon weiß. Wird der Mangel nicht umgehend dem Vermieter gemeldet, verwirkt der Mieter sein Recht auf Mietminderung, auf Schadensersatz sowie auf fristlose Kündigung. Zudem wird der Mieter gegenüber dem Vermieter schadensersatzpflichtig: Vergrößert sich z. B. der Schaden oder wird seine Beseitigung teurer, weil der Mieter den Mangel nicht umgehend dem Vermieter gemeldet hat, muss der Mieter dafür aufkommen.

Den Schimmel bekämpfen

Falls es zu spät für vorbeugende Maßnahmen ist und der Schimmel bereits in der Wohnung wuchert, muss man dagegen vorgehen. Ist nur eine kleine Stelle befallen, kann man diese mit einem Lappen und Reinigungsmittel behandeln. Dafür eignen sich am besten 70- bis 80-prozentiger Alkohol, der beispielsweise in Apotheken erhältlich ist. Er dehydriert die betroffenen Stellen und entzieht dem Myzellgeflecht das Wasser. Da er sich nach der Reinigung verflüchtigt, stellt er keine zusätzliche Gesundheitsbelastung dar. Andere geeignete Reiniger enthalten Chlor oder Fungizide. Sie können Atemwege und Schleimhäute reizen, weshalb nach ihrem Gebrauch gut gelüftet werden muss. Generell gilt: Tragen Sie beim Entfernen von Schimmel immer Schutzkleidung. Dazu gehören unbedingt Handschuhe und eine Schutzbrille, im Idealfall verwenden Sie auch eine Atemschutzmaske. Während der Reinigung sollten Sie Türen zu anderen Räumen geschlossen halten und die Fenster öffnen. Polstermöbel und Textilien sollten in andere Räumlichkeiten gebracht werden, damit sich die Pilzsporen nicht darin festsetzen. Nach der Beseitigung des Schimmels sollten Sie unbedingt Ihre Kleidung wechseln und waschen und sich duschen.

Hilfe von Profis

Bei großflächigem Schimmelbefall sollten Mieter und Eigentümer nicht selbst tätig werden. Hier empfiehlt sich die Reinigung und Sanierung durch Experten, z. B. durch einen Malerbetrieb. Nur sie besitzen die notwendigen Geräte und Schutzausrüstung und das nötige Fachwissen. Wichtige Informationen bietet der Leitfaden »Zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden« des Umweltbundesamts.

Delia Roscher