13. September 2022

Zehn Redewendungen aus der Welt des Handwerks

10 Sprichwörter aus der Welt des Handwerks. Foto: Contorion
10 Sprichwörter aus der Welt des Handwerks. Foto: Contorion

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Anlässlich des Tages des Handwerks am 17. September 2022 geht Contorion zehn Redewendungen auf den Grund, die ihren Ursprung im Handwerk haben. So führen uns »Blaumachen«, »Schlitzohren« und »Nägel mit Köpfen machen« zurück ins Handwerk des Mittelalters.

Sprichwörter und Redewendungen sind in der Alltagssprache Gang und Gebe. Jeder kennt und nutzt sie, ohne weiter darüber nachzudenken. Dabei steckt hinter vielen von ihnen eine spannende Geschichte.

»Blaumachen«

»Einfach mal nicht zur Arbeit gehen, einfach mal blaumachen.« Doch was hat das Nichtstun mit der Farbe Blau zu tun? Die Antwort ist umstritten, eine beliebte Erklärung findet sich im Handwerk der Färber*innen: Im Mittelalter wurden Stoffe blau gefärbt, indem sie in ein Färbebad gelegt und anschließend zum Trocknen aufgehängt wurden. Erst durch die chemische Reaktion mit der Luft färbten sich die Stoffe. Es heißt, dass dies immer montags passierte und die Färber*innen in dieser Zeit nichts weiter zu tun hätten. Der Blaue Montag sei deshalb in der Färberei ein freier Tag gewesen. Das Blaumachen habe sich so zu einem umgangssprachlichen Ausdruck für das Nichtstun entwickelt.

»Jemandem ins Handwerk pfuschen«

Die Redewendung stammt aus der mittelalterlichen Zunftordnung – also dem Zusammenschluss von Handwerker*innen des gleichen Gewerks zur gegenseitigen Unterstützung und Regelung von Arbeitsbedingungen. Handwerker*innen waren dazu verpflichtet, einer Zunft anzugehören. Außerhalb der Meisterwerkstatt zu arbeiten, war strengstens verboten. Wer gegen diese Regeln verstoßen hat und so zu deutlich niedrigeren Preisen arbeiten konnte, wurde als Person bezeichnet, die anderen ins Handwerk pfuschte. Heute wird die Redewendung im übertragenen Sinne genutzt, wenn sich jemand ungefragt in die Arbeit anderer einmischt.

»Außer Rand und Band sein«

Wenn etwas außer Kontrolle geraten ist, dann ist etwas außer Rand und Band – eine Redewendung der Böttcher*innen. Böttcher*innen (auch Küfer*innen, Büttner*innen oder Fassbinder*innen genannt) sind Handwerker*innen, die aus Holz Fässer und andere Gefäße herstellen. Ein über 2 000 Jahre alter Beruf, der auch heute noch ausgeübt wird. Dabei werden große Fässer aus einzelnen gebogenen Hölzern zusammengesetzt. Die Umfassung am Fassboden ist der Rand. Die Fassringe aus Eisen sind das Band, sie halten das Gefäß zusammen. Die Böttcher*innen sprechen von einem Fass, das außer Rand und Band ist, wenn die gebogenen Hölzer aus den Böden und den Eisenbändern geraten. Das Fass hat dann keinen Halt, fällt auseinander und gerät buchstäblich vollkommen außer Kontrolle.

»Auf dem Holzweg sein«

Wer auf dem Holzweg ist, balanciert nicht etwa auf Brettern, sondern ist auf einem falschen Weg. Diese Redensart geht zurück bis ins Holzgewerbe des Mittelalters. Damals wurden in den Wäldern sogenannte Holzwege angelegt, auf denen das im Wald geschlagene Holz abtransportiert wurde. Wer auf einem dieser Wege unterwegs war, gelang irgendwann an die Stelle, an der die Bäume gefällt wurden. Von da aus ging es nicht mehr weiter. Der Holzweg führte in eine Sackgasse.

»Ein Schlitzohr sein«

Ein Schlitzohr ist schlau, durchtrieben und hinterlistig. Der Wortursprung wird bei den Zimmerleuten des 19. Jahrhundert vermutet. Sie haben auf ihrer Wanderschaft nach Abschluss ihrer Lehrzeit einen goldenen Ohrring mit dem Wappen ihrer Zunft getragen. Der Ohrring diente als Notgroschen oder als Lohn für den Bestatter, falls der Zimmergeselle unterwegs starb. Wenn sich der junge Zimmerer aber in irgendeiner Form strafbar gemacht hat, wurde ihnen der Ohrring ausgerissen. Übrig blieb das Schlitzohr, ein Zeichen dafür, dass er sich etwas zuschulden kommen lassen hat.

»Das Eisen schmieden, solange es heiß ist«

Ein*e Schmied*in – heute Metallbauer*in – stellt Metallkonstruktionen aller Art her. Dafür wird Eisen erst ins Feuer gehalten bis es weich ist. Anschließend muss es schnell bearbeitet werden, bevor es wieder kalt wird. Das Eisen schmieden, solange es heiß ist – aus der Schmiede in die Alltagssprache fordert die sprichwörtliche Weisheit auch heute noch dazu auf, eine Gelegenheit zu nutzen solange sie da ist.

»Alles im Lot«

Die Redewendung hat ihren Ursprung im Bauwesen. Ein Lot ist ein spitz zulaufendes Blei- oder Stahlstück, das an einer Schnur hängt. Durch das Gewicht bildet die Schnur eine vertikale Linie. Beim Hausbau kann so geprüft werden, ob eine Mauer gerade ist oder Fenster und Türen richtig eingesetzt werden. Ist alles im Lot, ist alles in Ordnung.

»Jemanden das Handwerk legen«

Jemandem das Handwerk legen – wieder eine Redewendung, die uns in die Handwerkszünfte des Mittelalters führt. Wer vor rund 1 000 Jahren gegen die zum Teil sehr strengen Regeln und Vorschriften der Zunftordnung verstieß, lief Gefahr, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu dürfen. Heute sprechen wir von einem Berufsverbot. Damals sprach man in diesem Fall vom Handwerk legen im Sinne von »niederlegen«. Die Redewendung hat sich mit der Zeit ausgedehnt auf das Beenden von kriminellen Handlungen.

»Nägel mit Köpfen machen«

Diese Redewendung kommt aus einer Zeit, in der Schmiede jeden einzelnen Nagel selbst herstellen mussten. Wenn dabei ungenau gearbeitet wurde, entstanden unbrauchbare Nägel ohne Köpfe. Nägel mit Köpfen machen steht deshalb dafür, dass jemand eine Sache anpackt und auf Anhieb erfolgreich durchzieht.

»Nach Strich und Faden«

Es lässt sich erahnen: Nach Strich und Faden ist eine Redewendung aus dem Handwerk der Weber. Sie bezieht sich auf ein Gewebe, das aus zwei sich kreuzenden Fäden besteht, dem Strich und dem Faden. Nach dem Weben prüfte der Meister die Arbeit seines Lehrlings. Wenn nach Strich und Faden gut gearbeitet wurde, war es eine gründliche und gute Arbeit. Damals war die Redewendung also ein Ausdruck für Qualität. Heute wird sie eher im negativen Sinne genutzt, wenn z. B. jemand nach Strich und Faden – also ordentlich – lügt.

Quelle: Contorion / Delia Roscher