14. Oktober 2021

Tiny Wasserwerk

Bruno Maurer baute das Wasserwerk zu einem tiny house um und sanierte seine hübsche Putzfassade sowie die schönen Fenster. Foto: Achim Pilz
Bruno Maurer baute das Wasserwerk zu einem tiny house um und sanierte seine hübsche Putzfassade sowie die schönen Fenster. Foto: Achim Pilz

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Durch eine historische farbige Gestaltung und schöne Texturen innen wie außen wurde aus einem kleinen Wasserwerk ein begehrtes Feriendomizil. Der Architekt Bruno Maurer erhielt trotz ambitionierter energetischer Sanierung Proportionen und baute modern mit baubiologischen Materialien weiter. So entstand ein atmosphärisches Tiny House.

Das kleine Wasserwerk am Rand des schwäbischen Dorfes Uttenweiler stand jahrelang leer, bis es Bruno Maurer kaufen und nachhaltig umbauen konnte. Der Architekt und gelernte Maurer besitzt zwei Altbauten auf dem Nachbargrundstück, die er bereits aufwendig saniert hat. Einen hat er mit einem Solarluftkollektor ganz eingehüllt und bewohnt ihn mit seiner Familie selbst. Den anderen hat er ebenfalls energetisch und auch ästhetisch saniert. Er vermietet ihn an Feriengäste, die in seinem Garten Obst, Gemüse und Kräuter ernten können. Auch bei dem als Mauerwerksbau erstellten Wasserwerk wollte er seine Erfahrungen vertiefen und zeigen, dass er ihn zu einem erneuerbar beheizten Tiny House weiterbauen kann. Mit Solardach und -fassade erwärmt es heute Luft und Wasser, mit Holz kann geheizt und gekocht werden, so dass es bestens für das nachfossile Zeitalter gerüstet ist.

1926 wurde das Wasserwerk am Rande des schwäbischen Dorfes Uttenweiler erbaut, bis in die 1960er Jahre genutzt und stand dann 50 Jahre leer. Foto: Achim Pilz

Der handwerkliche Kalkputz und die kräftigen Farben beleben den historischen Stil neu. Foto: Achim Pilz

Solide Grundlage

1926 wurde das Wasserwerk mit Anklängen an den Jugendstil erbaut. Die Fenster erhielten ein radial geteiltes Oberlicht, die Fassade eine Gestaltung in kräftigem Rot, luftigem Blau und Texturen, welche die Farben unterstützen. Nur bis Anfang der 1960er-Jahre war das Wasserwerk in Betrieb, dann blieb es ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Einzig das Dach wurde notdürftig geflickt. 2016 konnte Bruno Maurer das Häuschen mit nur 25 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss erwerben. Obwohl es gut 50 Jahre leer stand, war es noch relativ gut in Schuss.

Authentisch weitergebaut

Den Dachraum machte Bruno Maurer nutzbar, indem er das Sprengwerk höher setzte, so dass heute darunter Bewegungsfreiheit herrscht. Unter dem Dach steht jetzt nur ein schmales Doppelbett, hinter dessen Kopfende unsichtbar die Installationen geführt werden. Drei neue Dachfenster belichten den Raum angenehm. Dort, wo die alte Leiter auf den Dachboden ging – ungünstig für eine Wohnnutzung – legte er eine Glasplatte in den Boden und nutzte die ehemalige Öffnung zur akzentuierten natürlichen Belichtung des Eingangs darunter. Die filigrane Spindeltreppe aus Stahl vom örtlichen Schlosser passt sehr gut zu der historischen Gestaltung.

Im Erdgeschoss erhielt Bruno Maurer die bestehenden Holzfenster und ertüchtigte sie zu Kastenfenstern indem
er neue Isolierglasfenster mit vorgeblendeten Holzrahmen
einbaute. Die Blendrahmen sind weiß, die Öffnungsflügel haben die titanblaue Farbe des Putzes. Zwei neue Fenster belichten die Toilette und die Dusche.

Liebesnest unter dem Dach, das mit höher gesetzten Sprengwerk und drei neuen Fenstern gut genutzt werden kann. Foto: Bruno Maurer

Auf nur 25 Quadratmeter gibt es genug Raum für einen Herd zum Heizen und Kochen. Hinter der Couch, abtrennbar durch Schiebetüren, liegen Pufferspeicher, Toilette und Dusche. Foto: Bruno Maurer

 Die modern ausgestattete Küche aus Beton goss der Bauherr vor Ort. Fotos Bruno Maurer

Nachhaltige Ästhetik

Nachhaltigkeit ist Bruno Maurer sehr wichtig. Deshalb war sein Ziel maximaler Erhalt, Verwendung mineralischer und Vermeidung umweltgefährdender Baustoffe und Materialien. »Damit das Gebäude einmal einfach zurückzubauen ist und dann kein Sondermüll wird«, fasst er es zusammen. Den Luftkollektor passte er umsichtig ein, so dass er mit dem Bestand harmoniert. Schäden im vorhandenen Terrazzoboden des Erdgeschosses beließ er sichtbar, ergänzt die Fehlstellen mit einer Zementspachtelmasse, schliff ab und ölte den historischen Boden.

Kunstfertiger Fassadenputz

Für die Außendämmung verwendete Maurer eine mineralische Kerndämmung mit einer Ziegelschale. Der ebenfalls von ihm selbst ausgeführte Fassadenputz ist besonders schön. Auf die mit Perliten gefüllten Ziegel trug er einen spannungsarmen Leichtputz auf. Das zuerst vom Großhändler empfohlene Produkt war mit Styropor gefüllt. »Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich will«, ärgert sich der Planer. »Ich möchte keinen Kunststoff irgendwo drin haben.« Deshalb entschied er sich für einen mit Perliten gefüllten Leichtputz. Als Oberputz prägen ein händischer Kellenbewurf und ein Scheibenzug die Fassade. »Der Kellenwurf sieht mit dem Blau wolkig aus. Das passt zum Thema Luft«, beschreibt Bruno Maurer die Wirkung. »Der Scheibenzug sieht wie eine Erdschichtung aus.« Der Wechsel der Strukturen und die Farben lassen die Fassade lebendig wirken.

 Mit seinem Solarluftkollektor für warme Luft und heißes Wasser ist das transformierte Wasserwerk bestens für das nachfossile Zeitalter gerüstet. Foto: Bruno Maurer

Baubiologische Materialien

Innen baute Bruno Maurer mit Dreischichtplatten aus, die er schwarz strich. Die Küchenarbeitsfläche goss er vor Ort in Beton, spachtelte und ölte die Oberfläche. Die alte Eingangstüre dichtete er ab und doppelte sie innen mit Dreischichtplatten auf. Die Dusche veredelte er mit einem wunderbar schimmernden Tadelakt. Für den Grundputz innen verwendete er Lehm. »Er ist so leicht zu verarbeiten«, ist er begeistert, »besser als jeder andere Putz.« Teilweise legte er Heizleitungen ein, so dass die Wände temperiert sind. Zusammen mit dem Luftkollektor und dem Holzofen lässt sich so ein angenehmes Raumklima schaffen. Ein Lehm-Kalkputz und eine Silikatfarbe vervollständigen den baubiologischen Wandaufbau. Die ästhetische Küche aus Beton und die schwarzen Holzplatten ergeben im Zusammenspiel mit einem alten Sofa und einem historischen Vollholztisch ein stimmungsvolles Ambiente. So ist das Wasserwerk gut gerüstet für seine nächsten 90 Jahre.       

 Handwerklich gefertigt ist auch die filigrane Wendeltreppe. Foto: Bruno Maurer

Die Dusche umhüllt die Gäste mit glänzendem Tadelakt. Foto: Bruno Maurer

Bautafel: Umnutzung ehemaliges Wasserwerk in Uttenweiler

Baujahr: 1926

Sanierung: 2018

Architekt und Bauherr: Bruno Maurer

Außenwände (von innen nach außen): Dispersions-Silikatfarbe (Keimfarben), Kalklehmputz, Lehmputz mit eingebetteten Heizleitungen (Nord- und Südseite) 4–8 cm, Mauerwerk Bestand, Kerndämmung KMF 6 cm, Perlitegefüllte WDF-Vormauerung 8 cm, Leichtputz (Perlitezuschlag), Oberputz händisch bearbeitet, Dispersions-Silikatfarbe (Keimfarben);
U-Wert: 0,22 W/m2K

Sockel und Fundament: Mauerwerk Bestand, umlaufende Konsole aus Beton, Schaumglasdämmung 12 cm, Zementputz

Fenster: Holzfenster einfachverglast Bestand, ergänzt durch Holzfenster mit Isolierglas; Ostseite: nach außen öffnende skandinavische Aluminiumfenster mit Isolierglas; Dach: Holzfenster mit Isolierglas

Dach (von innen nach außen): Dachsparren, Vollholzschalung, Dampfsperre, Dämmung KMF 26 cm in Lattenkonstruktion, Dampfbremse, Konterlattung und Lattung, wiederverwendete Biberschwanzziegel in Doppeldeckung; U-Wert 0,15 W/m2K

Baubiologische Ausbaumaterialien: Dusche mit Tadelaktputz; vorhandener Terrazzoboden ausgebessert, geschliffen und geölt; Einbaumöbel aus Vollholz-Dreischichtplatten; bestehende Eingangstüre abgedichtet und innen mit Dreischichtplatten aufgedoppelt

regeneratives Heizkonzept: Holzofen, Luftkollektor

Achim Pilz