23. März 2021

Farbenindustrie gerät stark unter Druck

Farbenindustrie gerät stark unter Druck
Aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise steht die europäische Farbenindustrie vor neuen Herausforderungen. Foto: Bernd Ducke/Mappe

Die europäische Lack-, Druckfarben- und Künstlerfarbenindustrie steht aufgrund steigender Rohstoffpreise unter hohem Druck. Ein komplexer Mix aus Nachfrage, Kapazitätsproblemen und knappen Transportressourcen erhöht bei wichtigen Rohstoffen die Unsicherheit in der Lieferkette. Trotz enormer Auswirkungen für die Branche ist die Farbenindustrie bemüht, die Risiken für die Kunden zu reduzieren

 

Wie der Verband der europäischen Lack-, Druckfarben- und Künstlerfarbenindustrie (CEPE) mitteilt, steht die Branche 2021 aufgrund des Anstiegs der Rohstoffpreise erneut vor großen Herausforderungen. Für den Anstieg gibt es gleich mehrere Gründe: eine steigende Nachfrage nach Rohstoffen aufgrund der erwarteten wirtschaftlichen Erholung, eine Verknappung der verfügbaren Rohstoffe wegen schlechter Wetterbedingungen und die Schließung mehrerer Werke, die Rohstofflieferanten mit »höherer Gewalt« begründen. Zusätzlich erhöhen sich die Transportkosten durch den stark gestiegenen Ölpreis. Verbandsvorsitzender André Vieira de Castro beschreibt die Situation so: »Die Belastung für die Branche ist immens, da die Rohstoffpreise mehr als die Hälfte der Kosten ausmachen. Seit Januar sind die Kosten für Schlüsselkomponenten wie Epoxidharze in Europa um 60 Prozent gestiegen. Ähnlich sieht es bei den Lösemitteln aus, allein der Preis für Aceton und n-Butylacetat ist dort um 123 Prozent bzw. 91 Prozent gestiegen.«

Die aktuelle Situation hat ihren Ursprung in Europa und Asien und insbesondere aus der unerwartet schnellen V-förmigen Erholung in China, die die Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen anheizt. Neben Epoxidharzen umfasst die Liste der stark nachgefragten petrochemischen Rohstoffe unter anderem Polyesterharze, Polypropylenglykole, Acrylsäuren, Acrylharz, UV-Harze, Polyurethanharze und Lösungsmittel. Parallel zu den petrochemischen Rohstoffen sind auch die globalen Kosten für Pigmente (einschließlich Titandioxid, rotes und gelbes Eisenoxid) stark gestiegen. Zu den wichtigsten Treibern der Preiserhöhungen gehören die starke Nachfrage in allen Industriebereichen, ein größerer inländischer Versorgungsbedarf in den Produktionsländern, allgemeine Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage sowie höhere Kosten für Pigmentkomponenten.

Neben Kapazitätsproblemen sind knappe Transportressourcen ein weiterer Faktor. Die COVID-19-Pandemie hat zu einer sprunghaften Nachfrage im internationalen Handel geführt, die sich auf die globalen Bewegungen der Schiffscontainer auswirkt. Laut CEPE sind die Preise für Container zwischen China und Europa sind seit dem vierten Quartal 2020 um mehr als 400 Prozent gestiegen.

Während die Farbenindustrie versucht, mit den aktuellen Unsicherheiten so gut wie möglich zurechtzukommen, sollte der Druck des Weltmarkts den europäischen Entscheidungsträgern zu denken geben. »Mehr Nachhaltigkeit ist unbestreitbar der Weg in die Zukunft, aber der globale Wettbewerb sollte bei den Maßnahmen des EU Green Deals nicht außer Acht gelassen werden«, sagt André Vieira de Castro. Europa brauche unbedingt eine starke Chemieindustrie mit Fabriken in Europa, um autarker zu sein, sonst sei die europäische Wirtschaft als Ganzes gefährdet.