14. Oktober 2020

Denkmalcamp: Historische Techniken in barockem Ambiente

Graumalerei ist eine der Imitationstechniken aus dem Praxisprogramm des Seminars. Kirchenmaler Günther Federl (links) und die 22-jährige Sara Radke (rechts) besprechen die Arbeit der Malergesellin an einem typischen Symbol der historischen Maltechnik. Foto: Sto-Stiftung/Christoph Große

Was ist Graumalerei? Und wie lassen sich Holz und Marmor mit Dachshaarvertreiber und Schläger täuschend echt imitieren? Diese historischen Techniken konnten zwölf junge Maler und Kirchenmaler bei einem viertägigen Lehrgang in der Propstei Johannesberg im barocken Fulda erlernen. Die Propstei gehört zu den wichtigsten Zentren der Denkmalpflege in Deutschland. Gefördert wurde das Denkmalcamp von der gemeinnützigen Sto-Stiftung, die seit mehr als 15 Jahren unter anderem angehende Maler- und Lackierer auf ihrem Berufsweg mit zahlreichen Konzepten unterstützt.

»Das Denkmalcamp ist eines der wenigen Projekte aus unserem großen Portfolio, das wir trotz der Pandemie und natürlich unter Einhaltung aller Hygienevorschriften in diesem Jahr durchführen konnten. Darüber sind wir sehr glücklich. Es war unser erstes Praxisseminar dieser Art und es wird bestimmt nicht das letzte sein. Die Resonanz bei allen Teilnehmern, Azubis wie Fachleuten, war durchweg positiv. Das spricht für eine Wiederholung«, ist sich Konrad Richter, Stiftungsrat Handwerk, sicher. Auch Projektleiter Gregor Botzet ist begeistert: »Wir haben das Camp mit dem Ziel konzipiert, jungen Malern die Möglichkeit zu geben, historische Arbeitstechniken näher kennenzulernen; Techniken, die so an den Berufsschulen oft leider nicht oder nur noch ansatzweise unterrichtet werden. Der Plan ist aufgegangen. Die Azubis und eine junge Gesellin waren wissbegierig und mit viel Engagement bei der Sache. Wir hoffen, dass der Blick hinter den alltäglichen Horizont weitere Ideen und Möglichkeiten für ihre berufliche Zukunft angestoßen hat.“

Beim Rundgang durch das barocke Fulda konnten die Teilnehmer einige der im Seminar erlernten Techniken an und in den Gebäuden der Stadt betrachten. Beim Rundgang dabei waren Projektbetreuer Michael Doll (1. v. r.) und Projektleiter Gregor Botzet (2. v. r). Foto: Sto-Stiftung/Christoph Große

Gelerntes anwenden und üben tut einfach gut
Auf dem Programm standen neben praktischen Arbeiten in Imitationstechniken auch mehrere Besichtigungen, bei denen die Teilnehmer das Erlernte live erleben konnten – so zum Beispiel der Besuch der Denkmalbaustelle im Schloss Fasanerie sowie eine historische Stadtführung in Fulda unter der Regie des erfahrenen Denkmalpflegers Jörg Bohn.

Profis wie Kirchenmaler Günther Federl von der HWK Mittelfranken und die Restauratormeisterin Melanie Nüsch sorgten mit ihrem fachlichen Wissen auch bei der Übermittlung der Theorie für Begeisterung. Nicht zuletzt bei Sara Radke: Die 22-jährige Kirchenmalerin nahm viel mit. »Für mich waren es sehr spannende Tage. Es tat gut, das Erlernte anwenden und vertiefen zu können. Ich habe darüber hinaus Techniken und Kniffe kennengelernt, die mir in meinem Beruf helfen werden«, freut sie sich. Auch Sören Schulz, Maler- und Lackierer-Azubi im zweiten Jahr im Europapark Rust, ist »voll auf die Kosten gekommen«, wie er betont. Bei seiner täglichen Arbeit ist er oft damit beschäftigt, Kulissen und Fassaden nach historischem Vorbild zu gestalten. »Dafür konnte ich aus dem Seminar sehr viel mitnehmen. Ich freue mich schon darauf, das Erlernte anwenden zu können«, sagt er zufrieden.