06. Oktober 2020

Mit aller Kraft zurück ins Leben

Malermeister Andreas Hess gibt nach seinem Schlaganfall alles, um wieder für seine Familie und seine Mitarbeiter da zu sein. Für sein Engagement ist er für den »Motivationspreis 2020« der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Für seine Familie und seine Mitarbeiter setzt Andreas Hess seine ganze Kraft ein.

Vom Rollstuhl kämpft er sich zurück in seinen Betrieb und in den Alltag. 2017 erlitt er einen Schlaganfall, tags darauf im Krankenhaus den zweiten. Seine linke Körperhälfte war komplett gelähmt. Zusätzlich bewegte das Ehepaar Hess die existentielle Frage: »Was wird aus unserem Unternehmen?« Sein Malerbetrieb in Siershahn, in der 5. Familiengeneration, beschäftigt sieben Mitarbeiter. Der Malermeister entschied auf der Intensivstation und sagte zu seiner Frau: »Ich gebe nicht auf. Für Dich und meinen Sohn. Mach bitte in meinem Sinne weiter, bis ich zurückkomme.«
»Alle Mitarbeiter besuchten mich im Krankenhaus und versicherten mir, sie würden das Schiff nicht verlassen«, erzählt Andreas Hess. Auch das habe ihn enorm motiviert. Während seiner Rehabilitation hielt er aus der Ferne die betrieblichen Fäden in der Hand. Am Anfang half der Vater mit. Jetzt ist Hess wieder einige Stunden täglich in seinem Betrieb. »Ich bin langsamer und meine Mitarbeiter ersetzen mir den linken Arm in der Praxis. Kundenbetreuung, Verhandlungen, Aufmaß und Angebote erledige ich mich mit Hilfe meiner Frau«, schildert der 52-Jährige. Mit seiner Krankheit und seinen Handicaps geht er offen um. »Die Leute reagieren sehr positiv, wenn ich ihnen von meinem Ereignis erzähle«, sagt Andreas Hess. Um anderen Mut zu machen, postet die Familie regelmäßig und offen fast den gesamten Verlauf von seiner Genesung bis heute auf ihrer Facebook-Seite.
Für seinen Einsatz bei der Genesung und als Mut-Macher ist Andreas Hess jetzt für den Motivationspreis der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert. Die Stiftung mit Sitz in Gütersloh verleiht die Auszeichnung alle zwei Jahre an Menschen, die anderen ein gutes Vorbild sein können. Die Preisverleihung ist für 6. November geplant.
Stolz ist der Familienvater auf seinen Sohn Sammy. Er war im Moment des Unglücks sieben Jahren alt und stand seiner Mutter großartig zur Seite. »Das hat ihn früher erwachsen gemacht«, sagt Hess. Es gebe ab und zu noch Tränen, aber mehr glückliche Momente. »Für mich gibt es nur eins: ab nach vorne, niemals zurück«, bringt er seine Lebens-Maxime auf den Punkt. Er nehme immer noch seine Reha-Termine wahr und informiere sich stets über neue Entwicklungen in der Neurologie, Physio- und Ergotherapie. Der begeisterte Hobby-Koch verlor 28 Kilo Gewicht, weil er seine Ernährung umstellte.
Sein Auto will Andreas Hess erst fahren, wenn er sich auf seinen linken Arm vollends verlassen kann. Das Element Wasser rückt für den Sporttaucher wieder in erreichbare Nähe. »Da will ich mit meiner Frau wieder hin, sobald mir der Facharzt grünes Licht gibt«, ist sich der Westerwälder sicher. »Mein Lebensmut ist ungebrochen. Ich bekomme so viel Liebe von meiner Frau und meinem Sohn, da lohnt es sich zu kämpfen«, freut sich Andreas Hess.