11. September 2020

Nach dem Studium eine Ausbildung

Vater Thomas Fischer (links) ist Mitglied der Maler- und Lackiererinnung Berlin. Er möchte den Familienbetrieb an Sohn Tobias Fischer (rechts) übergeben. Foto: Sto-Stiftung/Christoph Große

Nach dem Gesellenbrief muss noch lange nicht Schluss sein. Wer wie Tobias Fischer im Malerhandwerk richtig durchstarten will, findet zum Beispiel in der Sto-Stiftung einen Förderer. Der ambitionierte Berliner hat große Pläne und möchte den elterlichen Betrieb übernehmen.

Der 29-Jährige hat Wirtschaft und Recht an der TH Wildau studiert und anschließend eine Ausbildung zum Maler- und Lackierer absolviert. Jetzt drückt er bei der Weiterbildung zum staatlich geprüften Farb- und Lacktechniker erneut die Schulbank.
»Ich bin umgeben von Handwerkern aufgewachsen. In unserer Familie gibt es viele Gewerke, vom Malerhandwerk bis zum Sanitärbereich. Das war zuerst nicht mein Ziel. Nach dem Abitur hatte ich vor, meinen eigenen Weg zu gehen, und bin letztendlich doch wieder beim Handwerk angekommen«, erzählt Tobias Fischer. Während des Studiums wuchs der Wunsch, es doch im Handwerk zu versuchen. Zumal die Option, den Familienbetrieb eines Tages zu übernehmen, im Raum stand. »Wenn man in einem Malerbetrieb aufwächst mit Onkeln, die ebenfalls Handwerker sind, dann lässt das einen nicht los. Es ist immer wieder Thema. Schon mein Opa war Zimmermann. Besonders hat mich auch mein Onkel inspiriert, der erfolgreich eine Firma mit dem Schwerpunkt WDVS führt. Ich denke, das Handwerk steckt mir in den Genen«, erklärt er seinen Sinneswandel.

Meister und Techniker als Legitimation
Mit dem Studium hat Tobias Fischer einen Grundstock für seine Selbstständigkeit gelegt. Die Ausbildung zum Maler und Lackierer, die er diesen Sommer als einer der einhundert besten Azubis in Deutschland erfolgreich absolviert hat, war ein weiterer Schritt in die Richtung. Seit August 2020 drückt er wieder die Schulbank an der Wilhelm-Ostwald-Schule, Oberstufenzentrum für Gestaltung in Berlin. Mit dem Meister und Techniker in der Tasche sollen seine Pläne in die Tat umgesetzt werden. »Mein Vater wird nicht von einem auf den anderen Tag aufhören. Wir planen einen langsamen Wechsel. Man übernimmt nicht einfach so einen Betrieb mit mehreren Angestellten«, erklärt Tobias Fischer.

Klassisches Handwerk mit modernen Medien vereinen
Als Chef möchte Fischer sowohl auf Baustellen als auch im Büro tätig sein. »Das Schönste an dem Beruf sind doch das Endresultat und der zufriedene Kunde vor Ort«, betont er. Sein Ziel ist es, das klassische Handwerk mit modernen Medien zu vereinen. Dabei setzt er auf Social Media, Apps & Co. »Junge Menschen müssen wieder mehr für das Handwerk begeistert werden. Das funktioniert nur, indem man ihnen den Job mit den Medien erklärt, die sie umgeben«, ist sich Tobias Fischer sicher. Es gäbe mittlerweile großartige Apps, die man zu Hilfe nehmen könne, um die Farbe einer Fassade oder der Wände in einem Raum zu planen. Umweltbewusstsein und die Neugier auf Neues sind zwei weitere Aspekte, die ihn beruflich antreiben. »Ich bin stets offen für neue Werkstoffe und möchte mit ökologisch wertvollen Materialien arbeiten«, erklärt er. Mit derart motiviertem und engagiertem Nachwuchs braucht es einem um die Zukunft des Malerhandwerks nicht bange sein.