16. Juni 2020

Normänderung bei Gelenkleitern

Vielzweckleitern dürfen jetzt nur noch mit einer entsprechenden Plattform verkauft werden. Foto: Hymer-Leichtmetallbau

Fast die Hälfte aller tödlichen Arbeitsunfälle am Bau sind Absturzunfällen geschuldet. Gerade bei hochgelegenen Arbeitsplätzen sind Unternehmen und Beschäftigte gefordert, besondere Umsicht walten zu lassen. Aber auch die Hersteller von Leitern und Gerüsten sind in der Pflicht.

Um durch maximal sichere Produkte höchste Anwendersicherheit zu gewährleisten, müssen sie bei der Entwicklung und Fertigung tragbarer Leitern die Konstruktionsvorgaben der europäischen Norm EN 131 einhalten. Nach der bereits seit Januar 2018 geltenden Reform der Teile 1 bis 3 sind am 1. Juni 2020 auch die Änderungen der Norm für Teil 4 in Kraft getreten, der sich auf Ein- oder Mehrgelenkleitern wie Teleskop- und Vielzweckleitern bezieht. Bis spätestens zum Ende der Übergangsfrist, also ab Oktober 2020, müssen Produkte der neuen Fassung der Norm entsprechen, wenn sie mit der Kennzeichnung EN 131 auf den Markt gebracht werden. Diese Neuerungen bringt die geänderte Fassung mit sich:

  • Gelenkleitern, welche als Anlegeleiter nutzbar und in ausgefahrenem Zustand länger als 3 Meter sind, müssen mit einer maximal 1,20 Meter breiten Standverbreiterung (z. B. in Form einer Traverse oder Auslegern) ausgestattet sein.
  • Vielzweckleitern mit 4 x 3 Sprossen, die als Arbeitsbühne verwendet werden können, müssen inklusive entsprechender Plattform ausgeliefert werden.
  • Vor dem Inverkehrbringen von Leitern müssen diese vom Hersteller verschiedenen Prüfungen unterzogen werden. NEU: Bei der Festigkeitsprüfung von Gelenkleitern ist die Prüflast oberhalb des obersten Gelenkpaares anzubringen.

Profis kaufen normkonform!

Hersteller von Steig- und Gerüsttechnik wie etwa Hymer informieren derzeit Handel und Handwerker über die Neuerungen der EN 131-4 und bieten teilweise bereits seit Jahren Produkte und Zubehör an, die der jetzt veröffentlichten Norm entsprechen. Spätestens nach Ablauf der Übergangsfrist ab Oktober alle Leitern nach den Vorgaben der neuen Norm produzieren müssen. Für den vorhandenen Bestand im Handel und bei den Anwendern gebe es hierdurch jedoch keinen akuten Handlungsbedarf, informiert Michaela Weber, Marketingleiterin bei Hymer: »Der vorhandene Leiterbestand gilt durch die neue Norm nicht automatisch als unsicher und darf weiterhin noch verkauft beziehungsweise von den Anwendern genutzt werden. Wir empfehlen jedoch gerade Profianwendern, beim Kauf einer neuen Leiter auf normkonform gefertigte Produkte zu achten, da so die Sicherheit der Arbeitsmittel beim Einsatz bestmöglich gewährleistet ist.« Antworten von Hymer auf die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit den Änderungen der EN 131-4 finden stehen hier zum Download bereit.