E-Mobilität: Neuer Antrieb fürs Kundengespräch

Einige Malermeister fahren inzwischen mit kleinen Elektroautos zum Kundengespräch. Warum? Weil diese auffallen und wie geschaffen dafür sind, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Lesen Sie, welche Möglichkeiten E-Mobilität bietet und welche Erfahrungen andere Handwerker mit deren Besonderheiten gemacht haben.

Wenn Sven Beer, Norbert Dieter und Andreas Romanow in ihre Elektroautos einsteigen und losflitzen, sind sie die Stars der Straße. Keine Ecke, an der sich die Leute nicht nach ihnen umdrehen.

E-Mobilität

Wie ein bunter Hund

Elektroautos fallen auf und wecken Neugierde. Sie sind Botschafter einer noch unbekannten Welt der E-Mobilität, über die die Menschen vielleicht schon einiges gehört, mit der sie aber keinen direkten Kontakt gehabt haben. Das Fahren mit Strom ist noch nicht weit verbreitet. Deshalb stechen diese aus der Masse der Fahrzeuge hervor, als stünden sie permanent im Scheinwerferlicht – solange ihr besonderer Antrieb deutlich auf der Karosserie sichtbar ist oder sie sich optisch von Standardmodellen unterscheiden. Nun gibt es aktuell kaum ein auffälligeres Auto auf dem Markt als den Renault Twizy, den Sven Beer und Norbert Dieter fahren. Aber auch der Smart electric drive von Andreas Romanow ist ein echter Hingucker. Kein Wunder also, dass die Leute auf der Straße – immerhin potenzielle Kunden – die Gelegenheit beim Schopfe packen und fragen, wenn ihnen die Maler begegnen.

Brennstoff für den Kundenauftrag

»Mein Auto ist immer ein super Einstieg ins Gespräch bei meinen Auftraggebern«, erzählt Andreas Romanow. Weil sein Elektro-Smart völlig lautlos fährt, ist oft der erste Satz, der ihm auf der Türschwelle von seinen Kunden entgegenschallt: »Oh, ich habe Sie gar nicht kommen hören«. »Das können Sie auch gar nicht«, erwidert Andreas Romanow dann und schon ist das Gespräch in vollem Gang. Fahrgefühl, Umweltschutz – ein Thema schmiegt sich an das nächste und ganz nebenbei bauen Maler und Kunde eine Beziehung zueinander auf. Das liegt sicher erst einmal am Überraschungseffekt: Der Kunde hat den Maler im großen, Benzin schluckenden Lieferwagen erwartet. Kommt er im Elektroauto, weckt er Interesse an seiner Person. Außerdem unterscheidet ihn sein besonderes Fahrzeug von allen anderen Malern, mit denen der Kunde sonst noch so liebäugelt. Seine beiden Kollegen bestätigen, dass Kunden auf den elektrischen Antrieb und das Design der Autos begeistert reagieren.

E-Mobilitaet
Elektroautos ziehen durch ihr oft auffälliges Äußeres sämtliche Blicke auf sich. Malermeister Norbert Dieter weiß das zu schätzen

Sauber und süß – E-Mobilität

Lächeln – ein wichtiger Punkt. Elektroautos fallen eben nicht nur auf, sie fallen positiv auf. Das liegt zum einen an ihrem grünen Image. In einer Zeit, in der der Weltklimarat vor einer beispiellosen Erwärmung der Erdatmosphäre warnt, befürworten Verbraucher ein Fahrzeug, das dank Energie aus der Steckdose beim Fahren kein Gramm CO2 produziert. Stammt der Strom zu 100 % aus erneuererneuerbaren Energien, ist die Bilanz vorbildlich. Das liegt zum anderen an ihrem auf »süß« getrimmten Äußeren – sicherlich auf die Spitze getrieben beim Renault Twizy.

Restlos überzeugt

Für Andreas Romanow war seine Elektro-Smart der erste Schritt hin zum ökologischen Fuhrpark. »Ich bin jetzt nicht der absolute Ökofreak», schmunzelt er, »aber ich finde es wichtig, meinen Kindern ein bestimmtes Verhalten vorzuleben und eine gesunde Welt zu hinterlassen.« Während er auf einen überzeugenden Elektro-Lieferwagen warte, habe er den neuen Antrieb einmal im Kleinen testen wollen.
Bei Norbert und Rosemarie Dieter hingegen war der Werbeeffekt ihres Twizys ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Sie hatten eine Möglichkeit gesucht, die Neuorientierung ihres Malerbetriebs hin zu ökologischen Produkten zu verbreiten. Ein »grünes« und markantes Auto wie der Twizy versprach, sie mit genau der richtigen Art von Aufmerksamkeit zu versorgen. Beide Maler sind restlos überzeugt von ihrer Anschaffung, preisen nicht nur die Werbewirkung sondern auch die Vorteile im täglichen Fahralltag: das lautlose Vorankommen etwa. Was für die Fußgänger draußen richtig gefährlich werden kann, ist beim Fahren drinnen ein Genuss. Wunderbar sei auch die Beschleunigung, die zum Beispiel den E-Smart innerhalb von knapp 4,8 Sekunden auf 60 km/h bringt. Beim Elektroauto ist der gesamte Drehmoment gleich von Anfang an vorhanden.

Das Kreuz mit dem Geld

»Das Auto macht ziemlich viel Spaß – aber es ist ein teurer Spaß«, meint Sven Beer, der seinem Twizy, den er bei einem Gewinnspiel gewonnen hat, etwas skeptischer gegenübersteht. Auch die Werbewirkung des Autos tröstet ihn nicht über die hohen laufenden Kosten hinweg. Elektrofahrzeuge sind teurer als herkömmliche Karosserien, zusätzlich müssen die Batterien gegen einen hohen monatlichen Betrag gemietet werden. Geringe Fahrtkosten mildern die teure Anschaffung und Batteriemiete allerdings kaum. Eine schwarze Null erreichen nur Fahrer, die ihren Strom selbst produzieren.

Zu enge Grenzen?

Die Batterien treiben ihre Fahrzeuge innerstädtisch etwa 100 km weit an und dann ist Schluss. Abgesehen davon, dass das Netz an Ladestationen in Deutschland noch unzureichend ist – welcher Unternehmer kann es sich leisten, unter Tags 3 bis 10 h lang sein Fahrzeug aufzuladen, bevor er weiterfährt? Aber das immer wieder gern diskutierte Problem der Reichweite ist für Sven Beer, Norbert Dieter und Andreas Romanow gar keins. Sie sind sich einig: Für die Fahrt innerhalb der Stadt zur Kundenberatung oder Auftragsnachbereitung ist die Reichweite völlig ausreichend. Keiner von ihnen ist schon jemals stehen geblieben. Jedes Elektrofahrzeug ist zudem mit einer Ladestandanzeige im Inneren ausgestattet, die die verbleibenden Kilometer angibt. Mit einem Navigationsgerät, das die Streckenlänge bis zum Ziel exakt angibt, lassen sich unangenehme Überraschungen vermeiden.
»Vielleicht plane ich mehr als früher«, meint Norbert Dieter. Kunden, die räumlich eng beieinander wohnen, fährt er nun auch nacheinander an und wählt dabei immer die kürzeste Strecke. »Das sollte man eigentlich immer machen, aber wer achtet mit seinem Benziner darauf, wenn die nächste Tankstelle gleich um die Ecke ist? Insofern wird der Öko-Gedanke beim Fahren viel mehr verwirklicht«, überlegt auch Andreas Romanow. Dann schaut er seinen Smart an, lächelt, steigt ein und flitzt davon – vollkommen leise, aber nicht zu übersehen.

Fotos: Norbert Dieter, Mappe, Daimler

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