Neue Mobilität – Der Fuhrpark der Zukunft

Wer jetzt die Weichen stellt mit einem betrieblichen Mobilitätsmanagement oder mit Einzelmaßnahmen wie einem Elektroauto oder Lastenfahrrad, schützt nicht nur die Umwelt sonder kann auch kommende Fahrverbote umgehen. Ein Riesenbonus ist zudem der Imagegewinn bei umweltbewussten Kunden. Was ist möglich und wie sieht es in der Praxis aus? 

Electromobility
Wir die Mobilität der Zukunft aussieht, ist noch nicht gesetzt. Doch Betriebe können individuelle Lösungen für sich finden und langfristig Zeit und Geld sparen und lästige Fahrverbote entspannt umgehen (Bild: Hermes Engineering)

 »Gegenwärtig gibt es 1,2 Milliarden Fahrzeuge auf der Welt. Diese Zahl soll bis 2035 auf mehr als zwei Milliarden anwachsen«, so Steffen Heuer auf www.daimler.com. Angesichts dieser Verkehrsproblematik wird in Zukunft neben einer insgesamt vielfältigen Mobilität mit Ausweichszenarien für den Luftraum, autonomem Fahren und emissionsfreien Antriebsarten einen umfassenden Lösungsansatz notwendig werden. Bei der Verkehrswende geht es um die »grundlegende Umstellung des öffentlichen Verkehrs (besonders mit ökologischen Zielvorstellungen)«, definiert der Duden. Ziel dieses Gesamtkonzepts ist es, die Klimaneutralität des Verkehrs bis zum Jahr 2050 sicherzustellen, so das Thesenpapier von »Agora Verkehrswende«, eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation.

Betriebliches Mobilitätsmanagement

Das betriebliche Mobilitätsmanagement ist ein wichtiger Baustein der Verkehrswende in Deutschland und wird im Zuge der Weiterentwicklung des Vekehrs der Zukunft auch gefördert – so könnte es aussehen:

Hoch das Bein, rauf aufs Lastenfahrrad – ab geht’s zur Kundenberatung. In der geräumigen Lieferbox finden Musterplatten, Tapetenbücher, Farbfächer und andere Beratungsinstrumente gut Platz. Wenn die Wege länger sind oder das Wetter allzu schlecht, steigt Malermeister Thomas Tüpfel in sein Elektro-Auto, der bequem an der Ladestation im Betrieb geladen werden kann, gespeist mit eigen produziertem Strom aus Photovoltaik. Hier steht auch ein Elektro-Transporter bereit für den Baustelleneinsatz. Tüpfels Mitarbeiter freuen sich über einen satten Zuschuss zu ihren ÖPNV-Fahrkarten oder sie bekommen wahlweise ein Pedelec zur Verfügung gestellt.

So könnte ein zukunftsfähiger Malerbetrieb aussehen, der nicht nur Spaß an neuen Mobilitätskonzepten hat, sondern auch die erforderlichen Mittel. Doch es gibt auch Unterstützung durch Förderprogramme. Der Einsatz für eine zukunftsfähige Mobilität im Betrieb lohnt sich auf vielen Gründen, vor allem aber fürs Image, denn kaum etwas begeistert die Kunden so, wie wenn der Maler mit einem Elektrofahrzeug oder dem Lastenfahrrad vorfährt.

Mittelstandsinitiative_Energiewende_und_Klimaschutz_Betriebliches_Management
Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz: Betriebliches Mobilitätsmanagement

Aspekte unternehmerischer Mobilität

Wer nicht nur ein einzelnes Fahrzeug ersetzen oder zusätzlich anschaffen möchte, der ist mit einem betrieblichen Mobilitätsmanagement gut beraten. Dieses beschäftigt sich mit allen Aspekten der unternehmerischen Mobilität: Die Arbeitswege der Mitarbeiter, die Dienstwege und Dienstreisen sowie die Mobilität von Gütern, Kunden und Besuchern werden analysiert, um Verbesserungspotentiale zu erkennen und Optimierungsmaßnahmen umzusetzen. Es werden entsprechende Maßnahmen für die Bereiche Verkehr, Infrastruktur, Service und Kommunikation entwickelt und in einem Mobilitätskonzept zusammengefasst und umgesetzt, so die Erläuterungen im »Praxisleitfaden Betriebliches Mobilitätsmanagement«. Der Nutzen: Betriebe können Ausgaben senken, die Verkehrsinfrastruktur entlasten sowie die Gesundheit der Mitarbeiter verbessern.

Tipp: Die Initiative »mobil gewinnt« der Bundesregierung und zahlreiche weitere Initiativen fördern zukunftsweisende Mobilitätskonzpete. Übergeordnet ist auch das »Betriebliche Mobilitätsmanagement« der »Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz« (MIE) ein Ansprechpartner.

Betriebliches Mobilitätsmanagement – So geht’s

Unternehmer verbessern die Mobilität in ökonomischer und ökologischer Hinsicht. Es werden Kosten und Emissionen eingespart und die Umwelt geschützt und derökologischen Fußabdruck eines Unternehmens verbessert – das Image des Betriebs gewinnt.In Großstädten können Baustellen und Kunden sicher und schneller erreicht werden und die betrieblichen Mobilitätsmaßnahmen tragen zu einer Verbesserung der Verkehrssituation in der Region bei, weniger Stau und dadurch weniger Stress und Zeitverlust. Außerdem zeigt betriebliches Mobilitätsmanagement Möglichkeiten auf, wie der Reiseaufwand verringert und die Reisezeiten besser genutzt werden können Radfahren oder zu Fuß gehen, aber auch die Nutzung des öffentlichen Verkehrs führt zu mehr natürlicher Bewegung und Gesundheit. Studien belegen, dass Beschäftigte, die regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fahren, gesünder sind. Die Beschäftigten erhalten zudem die Möglichkeiten für eine preisgünstigere und gesündere Mobilität, so die Zusammenfassung der Erläuterungen von mobil-gewinnt.de

Mobiko.de
Was gut für die Umwelt ist, kann auch sehr gut für den Betrieb sein (Foto: mobiko.de)

Bund, Länder und vereinzelt auch Kommunen bieten eine Vielzahl von Förderprogrammen an. Unter anderem wird auch nachhaltige private und gewerbliche Mobilität finanziell unterstützt. Dies beschränkt sich nicht nur auf den Umweltbonus, welcher als Kaufanreiz für Elektroautos einen finanziellen Zuschuss gewährt. Unternehmen können beispielsweise Unterstützung für den Aufbau von Ladeinfrastruktur oder den Probebetrieb von Testfahrzeugen erhalten. Auch Fahrräder und Pedelecs können unter Umständen gefördert werden. Für das Erstellen eines neuen Mobilitätskonzeptes sollte deshalb unbedingt eine Fördermittelrecherche durchgeführt werden. Die Vorgehensweise im betrieblichen Mobilitätsmanagement entspricht der in anderen Managementsystemen: Von der Bestandsaufnahme und Analyse über die Definition von Zielen sowie der Umsetzung von Maßnahmen zu einer dauerhaften Integration in die betrieblichen Abläufe des Unternehmens.

Individueller Fuhrpark und betriebliche Logistik

Der individuelle Fuhrpark und die betriebliche Logistik sind zwei Bereiche aus dem Management der HwK Düsseldorf. In der Beratung gibt es eine individuelle Fuhrpark-Analyse: Es wird gecheckt, wie eine Fuhrparkanpassung aussehen könnte, mit der Emissionen und Betriebskosten eingespart werden können. Etwa durch die Nutzung von emissionsarmen Fahrzeugen oder sogar emissionsfreien Elektroautos oder Lastenfahrrädern, die den Fuhrpark umweltfreundlicher machen. »Fahrräder sind für den Arbeitsweg, die Fahrten zwischen Standorten oder innerhalb eines Werks, Besuche beim Kunden oder Transporte von kleineren Waren die saubere Alternative zum Auto und auf Kurzstrecken sind sie auch fast genauso schnell – und dabei deutlich kostengünstiger«, so die Beschreibung. Als Beispiel für Maßnahmen zur umweltfreundlichen Optimierung der betrieblichen Logistik wird die Entlastung des Verkehrs durch eine Kooperation interessierter Unternehmer genannt, die innerhalb eines Gewerbegebietes all ihre Bestellungen gebündelt erhalten. Aber es werden auch einfache Maßnahmen angeführt, wie die regelmäßige Überprüfung von Montagefahrzeugen, damit kein unnötig großes Fahrzeug verwendet oder überflüssige Gegenstände mitgenommen werden, denn beides treibt den Kraftstoffbedarf in die Höhe.

Der Malermeister auf dem Lastenfahrrad

Einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zufolge kann das Lastenrad im Gewerbe bei acht bis 23 Prozent aller Fahrten einen Pkw oder Lieferwagen ersetzen. Mit elektrische Unterstützung lassen sich auch Lasten von 250 Kilogramm transportieren, ohne dass man völlig verausgabt am Ziel ankommt. Grundsätzlich sind die Bikes für zahlreiche Gewerke geeignet, besonders in Städten und für kurze Strecken, häufige Zwischenstopps, schwierige Verkehrssituationen und kleinteilige Güter oder zur Kundenberatung. Man ist schneller unterwegs, kann an Staus vorbeifahren und ist so schneller beim Kunden, die Parkplatzsuche entfällt. Man spart Kraftstoffkosten, Steuern, Versicherung, Parkgebühren, Straf-zettel etc.. Ein entscheidender Punkt ist der Imagegewinn beim Kunden: Mit dem Lastenfahrrad lassen sich umweltbewusste Kundenkreise erschließen. Gewerblich genutzte Schwerlastfahrräder werden übrigens mit bis zu 30 Prozent des Anschaffungspreises vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) www.bafa.de gefördert. Auch Länder und Kommunen geben Zuschüsse.

Dierk_Holtorf_Fotonachweis_Silke_Rönnau
Malermeister Dirk Holtorf auf seinem Lastenfahrrad auf dem Weg zum Kunden (Foto: Silke Rönnau)

Dierk Holtorf aus Preetz hat im Sommer 2018 drei Monate lang ein Lastenfahrrad getestet, nachdem er sich bei dem Projekt »Ich entlaste Städte« des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik beworben und glücklicherweise den Zuschlag erhalten hatte. Auch wenn das Fahren des Trike mit den zwei Rädern und dem Kasten vorne gewöhnungsbedürftig war, habe es Spaß gemacht damit zu Baustellen oder zu Kundenberatungen zu fahren. »Wir haben das Lastenfahrrad für Fahrten im Umkreis von gut fünf Kilometern genutzt, dort wo das Material bereits auf der Baustelle war. Dafür reicht das Ladevolumen gut aus«, erläutert Dierk Holtorf. Vor allem fürs Marketing und das Image habe das Lastenfahrrad für den umweltbewussten Betrieb enorm viel gebracht. »Beim Kunden hatten wir sofort einen Gesprächseinstieg, es war ein echter Hingucker im Stadtbild und wir werden auch heute noch darauf angesprochen.« Auch in der örtlichen Presse wurde darüber berichtet und auf der Homepage www.malermeister-holtorf.de ist es ein Thema.« Holtorf würde gerne ein solches E-Lastenfahrrad anschaffen, doch der Preis mit 4.000 Euro sei für den Kleinbetrieb mit fünf Mitarbeitern ganz schön hoch.
Bewerbungen als Lastenfahrradtester sind noch bis Mitte 2019 www.lastenradtest.de möglich.

Elektro statt Diesel beim Transporter

Wenn der Austausch eines Transporters oder PkW ansteht und/oder Fahrverbote drohen, denken Handwerker  schon mal über die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs nach, so wie die beiden Malermeister Uwe Rupp und Martin Kett in unseren Beispielen unten.Elektroautos sind in der Anschaffung teurer, dafür aber günstiger im Unterhalt, insbesondere, wenn damit regelmäßig der Aktionsradius gefahren wird. Weitere Pluspunkte sind, dass Elektrofahrzeuge in der Regel weniger wartungsintensiv sind. In Städten und Kommunen findet man immer einen Parkplatz, oft kostenlos für mehrere Stunden, denn Elektrofahrzeuge sind durch das 2015 verabschiedete Elektromobilitätsgesetz in verschiedenen Bereichen privilegiert. Kommunen können E-Autos bei der Nutzung von Stellflächen, Busspuren und zulassungsbeschränkten Zonen bevorzugen. Betankt mit Strom aus regenerativen Energien, ist das Elektrofahrzeug in der Nutzung umwelt und gesundheitsfreundlich.

IMG_1039
Malermeister Uwe Rupp aus Karlsruhe ist mit seinem StreetScooter – dem Marktführer in Deutschland für elektrische Nutzfahrzeuge – sehr zufrieden: Nicht nur der Imagegewinn beim Kunden, auch die Unabhängigkeit von Kohle- und Atomstrom sind ein großer Vorteil

Malermeister Uwe Rupp aus Karlsbad bei Karlsruhe hat im Frühjahr 2018 einen StreetScooter Work in der Ausführung »Box« geleast, gleich nachdem dieser in Serienproduktion ging. Auch fürs Leasing bekam er den staatlichen Umweltbonus. Das Modell Work Box gibt es wahlweise mit einer 20 kWh- oder 40 kWh-Batterie, Uwe Rupp hat die kleine Batterie. Probleme gab es auch im Winter nicht. Mit seinem Elektrotransporter bedient er Kunden im Umkreis von maximal 40 Kilometern, der maximale Radius beträgt 80 km. Das Nutzvolumen des StreetScooters liegt bei 4,3 m³. Die Elektromobilität passt zum Firmenkonzept des »Gesunden Wohnen« des Malerbetriebs und Uwe Rupp schätzt die positive Außenwirkung und den Imagegewinn, wenn er damit beim Kunden vorfährt. »Aber es kommen aber auch kritische Fragen von Kunden, beispielsweise nach der Umweltbilanz etc. für die Batterieherstellung und im Hinblick auf die Stromerzeugung. Seit Februar haben wie eine Photovoltaikanlage, mit der wir unseren StreetScooter laden. Wir sind also frei von Kohle- und Atomstrom«, berichtet Uwe Rupp stolz.

Mit optimiertem Fuhrpark gegen Fahrverbote

Vor dem Hintergrund des Fahrverbots in Stuttgart bietet die Handwerkskammer Region Stuttgart ihren Mitgliedsbetrieben eine Beratung zur Optimierung des Fuhrparks. Begonnen wird mit Situationsanalyse und der Frage: Wo soll’s hingehen? »Dadurch erkennen Sie aktuelle Engpässe, Chancen und den vordringlichen Handlungsbedarf. Außerdem lässt sich einschätzen, inwieweit Alternativen zur derzeitigen Durchführung der Transporte in Frage kommen. Weiter erfahren Sie, wie Sie die Modernisierung Ihres Fuhrparks systematisch angehen, welche Alternativen Sie bei der Lösung Ihrer Transportaufgaben haben und welche Kosteneinsparpotenziale möglich sind«, so die Beschreibung. Steht der Austausch von Fahrzeugen an, erstellt die HwK eine Kostenanalyse unter Berücksichtigung öffentlicher Fördermittel. Eine erweiterte Beratung im Hinblick auf die Digitalisierung des Fuhrparkmanagements ist möglich, mit dem Ziel, Fahrzeuge und Mitarbeiter effektiv einzusetzen und Wege und zeitliche Abläufe zu optimieren. Norbert Durst, Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT) der Handwerkskammer Region Stuttgart rät: »Unabhängig vom Fahrverbot in Stuttgart sollte ein Unternehmer eine Strategie für sein Fuhrparkmanagement entwickeln.«

Das eigene betriebliche Mobiliätskonzept – packen Sie’s an!

Ein umfassendes Mobilitätskonzept macht Sinn, wenn es darum geht, alle Unternehmensbereiche zu beleuchten und Fördermittel gezielt auszuschöpfen. Aber auch jede Einzelmaßnahme, wie das Lastenfahrrad, der Zuschuss zur ÖPNV-Fahrkarte oder Elektrofahrräder für die Mitarbeiter oder ein Elektro-, Hybrid- oder Erdgas-Transporter sind ein Schritt in Richtung neue Mobilität. Wenn alle Betriebsangehörigen einbezogen werden und kreativ mitwirken können, macht es Spaß neue Wege und Möglichkeiten zu finden, für mehr Umweltschutz, Gesundheit und nicht zu unterschätzen für den Imagegewinn beim Kunden.

Mehr Know-how für Fachverarbeiter und aktuelle Branchennews gibt es in der Märzausgabe der Mappe: Mappe 03/2019