Neu denken im Handwerk

Neue Wünsche, Ansprüche und neue Möglichkeiten: Wie denkt die neue Generation im Handwerk? Was zeichnet sie aus und was ist ihr wichtig? Nicht nur die Internationale Handwerksmesse, die vom 07. bis 13. März auf dem Messegelände München stattfindet, macht diese Frage zum Motto der Veranstaltung. Auch Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, hat sich Gedanken gemacht und erklärt im Interview, was die nächste Generation Handwerk ausmacht. 

Wollseifer
Hans Peter Wollseifer im Interview zum Nachwuchs im Handwerk. Foto: Zentralverband des Deutschen Handwerks / Werner Schuering

Für Hans Peter Wollseifer lässt sich die folgende Generation vor allem an der neuen Art zu denken, zu produzieren und zu handeln, erkennen. Digitale und technische Fortschritte werden genutzt, um mit ihnen Erfolge zu erzielen. Es geht um »eine neue Unternehmenskultur mit smarten Kundenservices, modernsten Produktionstechniken und dem selbstverständlichen Einsatz digitaler Werkzeuge, mit vernetztem Arbeiten auch über Branchengrenzen hinweg. Es geht um eine Unternehmenskultur, die sich durch mehr Flexibilität, selbstverantwortliche Mitarbeiter und natürlich Frauen in Führungspositionen auszeichnet.«

Wie geht die neue Generation mit Kunden im Handwerk um?

Kunden haben immer größere Ansprüche. Sie möchten vieles online und digital erledigen können und bei der Gestaltung mitbestimmen. Moderne Handwerksbetriebe bieten diese Möglichkeiten beispielsweise bei Terminvereinbarungen oder benachrichtigen den Kunden per Push Nachricht darüber, dass der Handwerker auf dem Weg ist. Hans Peter Wollseifer erklärt: »Vom 3D-Druck bis BIM – das Handwerk und seine Betriebe profitieren von den vielen neuen Möglichkeiten und punkten damit auch bei den Kunden. Schon jetzt nutzen viele Betriebe die digitalen Chancen, um sich neue Märkte zu erschließen – wie etwa ein Bäcker aus meinem Handwerkskammerbezirk, der auf diese Weise Backwaren bis nach Neuseeland vertreibt. Es gibt unglaublich tolle Betriebe, die bereits die gesamte Bandbreite digitaler Hard- und Software nutzen. Auf der Internationalen Handwerksmesse präsentieren sie sich als Best-Practice-Beispiele. Von denen kann jeder Betrieb, jeder Mitarbeiter profitieren. Bei aller Digitalisierung bleibt aber die Basis allen Erfolgs immer die herausragende handwerkliche Qualität.«

Nachwuchs am modernen Arbeitsplatz

Auch das Arbeitsumfeld in den Betrieben entwickelt sich ständig weiter – Mitarbeiter wollen sich selbst verwirklichen. Genau das können sie im Handwerk, denn hier können sie etwas erschaffen. Hans Peter Wollseifer sieht im Handwerk die berufliche Flexibilität, die der neuen Generation zusagt: »Statt streng hierarchischer Strukturen mit einem tonangebenden Meister wird auch im Handwerk zunehmend auf Teamwork und Eigeninitiative und Eigenengagement der Mitarbeiter gesetzt. Längst ist das Handwerk keine reine Männerdomäne mehr, schon fast ein Viertel aller Meister sind Frauen.« Dass das Handwerk die kommende Generation an Nachwuchs dringend braucht, ist längst kein Geheimnis mehr. Jungen Menschen, die sich Gedanken über ihren künftigen Berufsweg machen, kann der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks einen guten Rat mit auf den Weg geben: »Das Handwerk ist ein interessanter und spannender Arbeitgeber und bietet vielfältige und ganz unterschiedliche Möglichkeiten zur beruflichen Erfüllung. Die Internationale Handwerksmesse zeigt die kreativsten Innovationen und die besten Betriebe, die das Handwerk zu bieten hat. Die Gewerke begeistern auf der YoungGeneration jedes Jahr aufs Neue Tausende von Jugendlichen.«