Mutter Natur ruft

Wenn das moderne Leben immer technischer und naturferner wird, alles perfekt und normgerecht sein muss, dann sehnen sich die Menschen nach Natürlichkeit in ihrem Umfeld. Zurück zum Ursprung, zur Natur – aber bitte mit Annehmlichkeiten und modern, das ist die neue Natürlichkeit.

Der Wert »Natur« ist laut dem »Werteindex 2018« von Peter Wippermann und Jens Krüger dieses Jahr im drei Ränge nach oben, auf den ersten Platz geklettert. Auf den Plätzen zwei bis fünf liegen Gesundheit, Familie, Freiheit und Sicherheit. »Was selten wird, wird kostbar: Das Gefühl der Verbundenheit mit der Natur ist dem modernen Menschen abhanden gekommen. Je weiter unser Leben von der Natur entfernt ist, desto größer wird die Sehnsucht nach ihr«, so die Beschreibung im Werteindex, der seit 2009 die Bedeutung und Relevanz von Werten der deutschen Web-User durch Umfragen ermittelt und interpretiert.

android-wallpaper-asphalt-autobahn-799443

Die Suche nach dem Echten

»Im Grund ist der Trend hin zu Natur oder Natürlichkeit nichts Neues«, sagt Prof. Matthias Groß vom Heimholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig und dem Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Mappe-Interview: »Ob es die Wandervogelbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts war oder die verschiedenen Umweltbewegungen seit den 1960er Jahren, das Fordern nach mehr Natur scheint selbst fast so etwas wie eine natürliche Reaktion auf das zu sein, was man als gekünstelt, kulturell überformt oder industriell gefertigt empfindet.«

Was suchen Menschen in diesem modernen »Zurück zur Natur«? Prof. Groß erläutert: »Neben Rückzug und Schutz vor dem hektischen Alltag sicher die Vorstellung, dass ihnen in einer grünen Umgebung etwas zurückgegeben wird, was man in der modernen Welt verloren hat. Es ist die Suche nach dem Echten, dem Wahren und Verlässlichen in einer immer unsicherer scheinenden Welt.«

Jede Menge Potenzial

Die Forscher des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main beschreiben eine aufkommende Konsumkultur, die vom Megatrend »Neo-Ökologie« geprägt ist: »Bio wird eingehend auf Qualität geprüft, die Ernährung wird flexibel bis fleischlos, die industriellen Systeme müssen sich umstellen – entweder abfallfrei wirtschaften oder die Rohstoffe im Kreislauf halten […]. Neue Technologien schaffen neue Alternativen zur alten Wegwerfgesellschaft. Das hat jede Menge umwälzendes Potenzial«, so die Prognose. Dass grüne Produkte, Verfahren und Dienstleistungen auch in den nächsten Jahren stark gefragt sein werden, schließen die Autoren des 5. Greentech-Atlas »Greentech made in Germany 2018 – Umwelttechnik-Atlas für Deutschland«, den das Bundesumweltministerium herausgegeben hat. Die von Roland Berger durchgeführte Studie prognostiziert für die Branche zwischen 2016 und 2025 einen weltweiten jährlichen Anstieg des Marktvolumens um 6,9 Prozent.

lineafuturaHotel-klein
Moosbilder wie hier in einem Spabereich bringen die Natur optisch und hatpisch in den Wohnraum. Die begrünten Flächen sind nicht nur optisch ansprechend, sondern haben auch einen beruhigenden Effekt und wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus.

Bio-Produkte boomen

Die Nachfrage nach natürlich erzeugten Bio-Lebensmitteln steigt. 2017 wurde mit biozertifizierten Produkten erstmals über zehn Milliarden Euro umgesetzt. So gaben die Haushalte in Deutschland im Schnitt 5,9 Prozent mehr Geld für Bio-Lebensmittel aus. Das berichtet aktuell die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI). Stärkste Treiber beim Umsatzwachstum sind Milch- und Molkereiprodukte, Fleischwaren und das Trockensortiment. Aber auch andere »grüne« Produkte, wie Waschmittel und Kosmetika werden gern gekauft. Hersteller konventioneller Lebensmittel und Getränke hängen sich ein grünes Mäntelchen um und werben beispielsweise mit Limonaden, die Natürlichkeit suggerieren und an Kindheitserinnerungen anknüpfen wollen. In den Trendbars von Berlin und Paris liegen Naturweine im Trend, die auf moderne Vinikationsverfahren verzichten, schreibt das Wein-Magazin.

Holz erlebt eine Blütezeit

Holz spielt die Hauptrolle im neuen natürlichen Wohnstil. Es ist beliebtes Material für Möbel und Böden, neuerdings sogar als Wandverkleidung. Massivholzmöbel stehen hoch im Kurs bei Innendesignern und erobern inzwischen auch die Badezimmer. Am Boden passen alte, urwüchsige Holzböden oder gern schon etwas abgelebtes Parkett am besten. Wer es neu verlegen lässt, kann nach einem Vintage-Finish fragen. schoener-wohnen.de beschreibt einen Megatrend mit »Möbeln aus naturbelassenem, hellem Holz, Accessoires aus rauem Stein und gewebte oder geknüpfte Wolle im natürlichen Farbverlauf. Materialien, die mit urtümlicher Haptik und sympathischer Authentizität allzu glatten Kunststoffen die Show stehlen.« Ob Eichenbretter oder Treibholz, wichtig ist nur, dass es möglichst naturbelassen bleibt und zu seinem »Vorleben« steht: Astlöcher, Jahresringe, unruhige Maserungen werden nicht kaschiert, sondern bewusst in Szene gesetzt. Auch silberglänzendes Holz, das an alte Berghütten erinnert, und ausgeblichenes Altholz werden gern verwendet.

Neutral-natürlicher Wohnstil

Der natürliche Look ist einer der beliebtesten Stile in der Einrichtung, der Gesamteindruck soll dabei neutral, natürlich, unangestrengt und übersichtlich sein. Das zeigt auch der neue Trend aus Schweden »Lagom«. Was dahinter steckt? Zunächst beschreibt Lagom ein schwedisches Lebensgefühl, das entspannte Balance zum Ziel hat – übersetzt etwa »genau richtig«, »nicht zu viel und nicht zu wenig«. »Lagom bedeutet, die Umwelt zu achten, die richtige Balance zwischen Berufs- und Privatleben zu finden, das Zuhause zu entrümpeln und sich in einem schönen Interieur wohlfühlen, gesundes Essen zu genießen und Beziehungen zu denen zu feiern, die wir lieben« so der Lifestyle-Ratgeber »Lagom – Glücklich leben in Balance« der gebürtigen Schwedin Linnea Dunne, erschienen im Callwey-Verlag. Lagom als Stil ist als schlanker Öko-Funktionalismus mit Rückbesinnung auf Authentizität und Wertschätzung von Natur und Natürlichkeit zu verstehen.

Scheune-klein
Modernes Wohnen mit Natur- stoffen in klarem Design – der Traum vieler Kunden.

Lagom fürs Zuhause meint, dass die Räume nicht überfüllt werden – weder mit Möbeln, noch mit Accessoires oder bunten Farbkombinationen, denn das perfekte Maß gilt auch für Farbigkeit. Wichtig hier: Accessoires, Möbel, Teppiche und Wandfarbe sollten aufeinander abgestimmt werden, sprich eine Farbfamilie einhalten. Bevorzugt für ein ausgeglichenes Ambiente sind ruhige, neutrale Töne, die mit ihrer unaufgeregten und deswegen langlebigen Art überzeugen. »Eine wahre Wohltat für die Augen sind die neuen neutralen Töne: eine natürliche Farbpalette von Beige über weiche Grau- und Brauntöne bis hin zu Ecru, Taupe und Creme« ist im Online-Magazin Urbanara zu lesen. Die neue Natürlichkeit, die in den letzten Jahren in den Wohnungen Einzug gehalten hat, bleibt.

Maler können den Trend zur neuen Natürlichkeit für sich nutzen und damit unterschiedlichste Kundenwünsche kompetent erfüllen. Wie das geht und worauf zu achten ist, lesen Sie hier in der neuen Mappe 8/2018.