Meinungsbild: Energieberater aus dem Handwerk Teil 2

Das Bundeswirtschaftsministerium öffnete am 1. Dezember 2017 die Förderrichtlinien zur Energieberatung für das Handwerk (wir berichteten hier). Zugelassen sind jetzt alle Energieberater aus allen Branchen, die über die geforderten fachlichen Qualifikationen verfügen. Doch die Meinung sind geteilt: Was die einen als Möglichkeit sehen, kompetente Beratung und Ausführung aus einer Hand anbieten zu können und mit viel Praxis Erfahrung kompetenter zu beraten sehen andere kritisch. Zu wenig fachliches Verständnis und mangelnde Unabhängigkeit sind nur zwei der Bedenken.

Im Mappe-Interview spricht Katharina Bensmann, Leiterin Arbeitsgebiet Planung und Beratung im Bereich Energieeffiziente Gebäude der dena aus Berlin über Chancen und Möglichkeiten angesichts der neuen Richtlinien.

Bennsmann

Katharina Bensmann ist Leiterin des Arbeitsgebiets Planung und Beratung im Bereich Energieeffiziente Gebäude der dena in Berlin

Mappe: Welche Rolle spielt der gebäudeindividuelle Sanierungsplan bei der Öffnung der Energieberatung für Handwerker?

Katharina Bensmann: Der individuelle Sanierungsfahrplan bietet die Möglichkeit, eine Energieberatung standardisiert zu erarbeiten und darzustellen. Hierbei sind methodisch festgelegte Schritte nötig, die im Prinzip sicherstellen, dass ein Gebäude in allen Teilen betrachtet wird. Insofern kann der individuelle Sanierungsfahrplan als ein Teil der Qualitätssicherung bei der Energieberatung gesehen werden. Jedoch ist er nicht verbindlich und derzeit auch nicht plausibilitätsgeprüft. Diese Bausteine sollten noch ergänzt werden.

Mappe: Wie schätzen Sie Interessenskonflikte von Gebäudeenergieberatern im Handwerk der unterschiedlichen Gewerke beim Sanierungsfahrplan ein?

Katharina Bensmann: Die Problematik eines Interessenkonflikts ist bei Anwendung des individuellen Sanierungsfahrplans gering bis gar nicht vorhanden, weil mit diesem Instrument das Gebäude ganzheitlich betrachtet wird und alle Komponenten untersucht werden. Generell gilt, dass auch Gebäudeenergieberater im Handwerk unabhängig beraten müssen, vor allem unabhängig von ihrem eigenen Gewerk.

Mappe: Wie kann sich ein Hausbesitzer sicher sein, dass eine objektive Priorisierung energetischer Maßnahmen an seinem Gebäude durch den Gebäudeenergieberater auch wirklich erfolgt?

Katharina Bensmann: Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Wichtig ist, dass die Beratung in unabhängiger Weise erfolgt. Für eine objektive Bewertung des Hauses ist die Fachkompetenz des Energieberaters entscheidend. Hier knüpft die Energieeffizienz-Expertenliste an, die Energieberater listet, deren Qualität in Form von Referenzen und Weiterbildungen regelmäßig überprüft wird. Ein Hauseigentümer kann sich auch Referenzen des Energieberaters zeigen lassen, um einen Eindruck von dessen Arbeit zu erhalten.

Mappe: Was muss Ihrer Meinung nach gegeben sein, damit es klar ist, dass ein Energieberater im Handwerk unabhängig berät? Reicht die Selbsterklärung aus?

Katharina Bensmann: Mit der Selbsterklärung bestätigt der Energieberater seine Unabhängigkeit und dies sollte verlässlich und glaubwürdig sein. Ergänzend: vgl. Frage 2

Mappe: Wie sehen Sie die Argumentation des BMWi, dass es durch die Öffnung des Beraterkreises wahrscheinlicher werde, dass sich mehr private Hausbesitzer zu einer Energieberatung entschließen?

Katharina Bensmann: Mit der Öffnung des Beraterkreises erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Hausbesitzer sich für eine Energieberatung entschließen. Grund dafür ist, dass Handwerker häufig in direktem Kontakt mit den Hausbesitzern stehen und somit einen guten Anknüpfungspunkt für eine Energieberatung haben.

Mappe: Wie wird die dena die Entwicklung die durch die Öffnung des Beraterkreises entsteht, beobachten und begleiten?

Katharina Bensmann: Die dena steht in engem Austausch mit BMWi, BAFA und KfW, auch weil sie die Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes betreut. Parallel dazu stellt die dena im Rahmen des Projekts dena-Expertenservice Informationen und Arbeitshilfen für Energieberater bereit. Dazu gehört u. a. eine zweimal wöchentlich freigeschaltete Hotline zu den Themen Bilanzierung und individueller Sanierungsfahrplan. Der dena-Expertenservice ist im Internet unter www.dena-expertenservice.de zu finden.

Mappe: Woran liegt der Stillstand bei der energetischen Sanierung, nach Meinung der dena?

Katharina Bensmann: Die seit längerem niedrigen Energiepreise sorgen dafür, dass es in finanzieller Hinsicht nur schwache Anreize für eine energetische Sanierung gibt. Die Förderung sollte daher kurzfristig deutlich verbessert und verstetigt werden. Um eine höhere Sanierungsquote zu erreichen, brauchen wir neben Förderkrediten und Zuschüssen auch dringend die Möglichkeit einer steuerlichen Absetzbarkeit. Eine solche steuerliche Förderung wäre ein starker Anreiz zur Sanierung besonders für Immobilienbesitzer, die eine sinnvolle Investition mit einem Steuerabzug verbinden möchten. Wir schätzen, dass ein Fördermix aus Zuschüssen, Krediten und Steuerförderung mit einer Gesamtfördersumme von mittelfristig etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr notwendig wäre, um die angestrebte Verdopplung der Sanierungsquote zu erreichen.

Mappe: Welche Möglichkeiten sieht die dena, die Zahl der Energieberatungen und energetischen Sanierungen zu erhöhen?

Katharina Bensmann: Eine Kombination aus der Öffnung des Beraterkreises, der Etablierung des individuellen Sanierungsfahrplans, der einen besseren Überblick über mögliche Sanierungsmaßnahmen beim Hausbesitzer herbeiführt, und der Ausbau eines verlässlichen Qualitätssicherungssystems könnten zu einer höheren Anzahl an Energieberatungen führen.

Mappe: Vielen Dank Frau Bensmann für das Interview!

Ausführliche Informationen zur neuen Förderrichtlinie zur Energieberatung und Informationen speziell für Malerbetriebe finden Sie im Brennpunkt der März-Ausgabe: Hier abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Weitere Interviews mit Beteiligten zu den Herausforderungen und Chancen angesichts der neuen Förderrichtlinien zur Energieberatung: Markus Balkow, BingK – Hinderk Hillebrand, DENJürgen Leppig, GIH  und Ralf Pasker, VDPM