Malerlehrling mit 53

Mit 53 hat Peter Heydorn aus Pinneberg sich noch mal entschlossen, eine Ausbildung zu beginnen. Seit Januar 2015 arbeitet er als Lehrling in einem Malerbetrieb, inzwischen ist der ehemalige Bürokaufmann und Kurier 54 und lernt auf die bevorstehende Gesellenprüfung. Im Gespräch mit Mappe verrät er, warum man auch mit über 50 noch Spaß am Lernen haben kann und nie zu alt ist, neue Wege einzuschlagen. 

Peter Heydorn (54) aus Pinneberg
Peter Heydorn (54) aus Pinneberg. Foto: Mappe

Mappe: Herr Heydorn, was hat Sie dazu motiviert, zu sagen, Sie machen jetzt mit 53 Jahren noch mal eine Ausbildung, und zwar zum Maler?
Peter Heydorn: Ich hab vor zwei Jahren ein Haus gebaut. Und weil ich ohnehin schon immer gern mit Farbe und Tapeten und Pinseln rumgewerkelt habe, dachte ich mir, ich mach das alleine. Es war ja auch der Kostendruck da. Und ich hab schnell gemerkt – allein wurstelt man sich da fest. Ich hab mir dann einen befreundeten Malergesellen geholt, der hat das mit mir zusammen gemacht, immer ein Tag am Wochenende. Da hab ich dann so ein paar Kniffe mitgekriegt und dachte, wenn man das geschickter organisiert und weiß, was man da eigentlich vorarbeiten muss, damit das hinterher gut aussieht – das macht ja richtig Laune. Und dann wollt ich’s noch mal wissen und hab mich für ein zweiwöchiges Praktikum entschieden.

In der Regel sind die Leute jünger, wenn sie eine Ausbildung machen, das scheint sich gesellschaftlich auch so festgesetzt zu haben. Man gehört zur Minderheit, wenn man älter und gleichzeitig Auszubildender ist.
Ja, die meisten denken doch in meinem Alter schon an Rente. Obwohl wir heutzutage weitestgehend so fit sind, dass wir auf jeden Fall 80 werden können. Das Praktikum zu Beginn war für mich wie ein Jungbrunnen, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Und da hab ich dann kurz vor Ende der zweiten Woche zum Chef gesagt ‚Ich mach jetzt ne’ Ausbildung.’ Er hätte mich auch als Malerhelfer genommen, aber das entsprach nicht meiner Vorstellung. Ich wollte auch das Hintergundwissen erlernen und gegenüber meinen beiden Jungs schauen, ob ich da noch mithalten kann.

Wie waren da die Reaktionen aus Ihrem Umfeld?
Mein Vater hat das überhaupt nicht verstanden, der ist aber auch schon stolze 85. Der meinte, er hätte schon alles so zurecht gelegt für mich, ich bräuchte gar nicht mehr arbeiten und meine Kinder fanden das total super – bis das erste Zeugnis kam, da fing der Große, der eigentlich immer der 2+ Kandidat ist, an, um seinen Thron zu fürchten.

Was ist denn Ihr Notendurchschnitt?
(lacht) Im ersten Zeugnis hatte sich neben vier 1nsen noch eine störende zwei eingemogelt, die ich beim Folgezeugnis ebenfalls auf eine 1 verbessern konnte. 

Wie ist das für Sie, nun wieder in der Schule zu sitzen und lernen zu müssen?
Also ich komm da wunderbar mit zurecht. Die Anfangszeit war, glaube ich, vor allem für die anderen eher komplizierter. Äußerlich bin ich natürlich kein Lehrling, ganz klar. Die Leute waren zuerst mal reservierter. Die wussten ja nicht, wieso, weshalb, warum und was ich da will. Bis dann eben nach und nach rauskam, dass ich das wirklich aus Spaß an der Freude mache. Im Großen und Ganzen bin ich ja ein innerlich jung gebliebener und neugieriger Mensch. Was ich schade finde, ist, dass bei den jüngeren Schülern oft der Ehrgeiz fehlt.

Das merken Sie nur in der Schule oder auch im Betrieb?
Das merkt man eigentlich in beiden Bereichen. Ich muss vorher natürlich noch mal lernen, wenn ich ne’ Arbeit schreibe – das ist ja meistens nicht so viel, da wird nach vier bis sechs Wochen ein Thema abgeschlossen und eine Arbeit geschrieben. Da hab ich teilweise den ersten Stoff auch nicht mehr auf dem Sender, aber diese 20 Zettel guck ich mir drei Tage vorher doch noch mal an und dann hat man den Kern drin und den Rest denkt man sich so dazu (lacht). Und na ja, das machen die anderen nicht so, und das kann ich nicht verstehen, wie die Leute vieren, fünfen und sechsen in den Arbeiten schreiben, das muss wirklich nicht sein.

Die finanzielle Situation während einer Ausbildung könnte für viele Erwachsene ein Grund sein, sich gegen eine Ausbildung zu entscheiden. Offenbar haben Sie sich durch die Vergütung nicht von Ihren Plänen abbringen lassen.
Das ist bei mir zweitrangig. Gut, ich hab keinen wahnsinnig großen Lebensstil, von daher komm ich mit dem Finanziellen, was reinkommt, zurecht. Ich vermiete ein paar Wohnungen und habe ein Kleingewerb, das passt schon. Ich erinnere mich noch, von der Firma kam der Lehrvertrag zurück mit der Nachricht, man sollte doch noch mal das Geburtsdatum kontrollieren. (lacht)

Was haben Sie vor der Malerausbildung gemacht?
Ich habe mal Bürokaufmann gelernt und nach der Bundeswehrzeit gemerkt, dass ich nicht unbedingt dafür geschaffen bin, mich immer unterzuordnen, weil ich zum Teil andere Vorstellungen habe, Sachen ausprobieren möchte, die ich im Angestelltenverhältnis so nicht durchziehen kann. Daher hab ich mich irgendwann selbständig gemacht und während dieser Selbständigkeit den Fachwirt in der Abendschule. Würde ich aber nicht wieder machen. Ist doch ein bisschen anstrengend. Ich war Fahrzeugaufbereiter und bin zuletzt beim Kurierdienst hängen geblieben, weil das für mich das einfachste und bequemste war. Irgendwann hatte ich dazu keinen Nerv mehr, die langen Fahrzeiten, das viele Unterwegsein und zudem der Währungswechsel, der zunehmend den Gewinn schmälerte. Also hab ich mir eine Auszeit gegönnt und mich meinem großen Hobby, dem Westernreiten, gewidmet.

Sie sind jetzt ein ganzes Jahr dabei und konnten Ihre Ausbildung auf insgesamt 1,5 Jahre verkürzen. Im Sommer steht also Ihr Abschluss an?
Ja, wobei ich gestehen muss: ich hab nach wie vor Prüfungsangst, auch wenn da nichts für mich persönlich von abhängt. Und ich hätte nicht gedacht, dass sich das noch so verstärkt. Ich meine, für meine vorgezogene Zwischenprüfung, welche ich mit einer 2 machen müsste, habe ich mir nen’ Tinnitus eingefangen und mein Herz ruschte komplett in die Hose (lacht). Jaja, der Stress gepaart mit dem Ehrgeiz. Das war in dem Moment einfach zu viel auf einmal. Aber das geht jetzt alles so Schlag auf Schlag über die Bühne, das heißt, selbst wenn ich durchfallen sollte – bin ich immer noch schneller fertig als meine Jungs.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Den Meister noch dran hängen, zumal er mir ja fast geschenkt wird. Wenn ich das richtig sehe, brauche ich nur noch die fachspezifischen Prüfungen. Und dann zurück zur Selbständigkeit sowieso. Und ausbilden. Das ist im Moment noch mein Anreiz zusätzlich. Ich würde das einfach mal gern machen, zu sehen, ob ich Lehrlinge dazu bringe, den Ehrgeiz zu wecken. Zudem werde ich ja auch nicht jünger, das geht ja irgendwann auch mal auf die Knochen. Ich hätte mit dem Malermeistertitel in der Tasche ja auch noch die Möglichkeit, mich in der Wirtschaft frei zu machen. Selbst wenn noch nicht das ganze Fachliche in mir verankert ist, bin mir ziemlich sicher, dass ich das schon hinkriege.

Inwieweit hat sich Ihr Leben durch die Entscheidung, jetzt noch mal zwei Jahre in eine Ausbildung zu investieren, verändert?
Für mich hat das auf jeden Fall den Horizont geöffnet, und ich muss auch sagen, dass man jetzt ganz anders hinter die Ecken guckt. Heute laufe ich durch die Straßen und achte auf Fassaden. Und da ich ja, wie gesagt, auch die ein oder andere Wohnung vermiete, ist das auch als Eigentümer ne’ super Sache zu wissen, was man renovierungs- und fassadentechnisch machen kann. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Heydorn, und viel Erfolg.