Die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main vs. Schwarzarbeit

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Sie stehlen sich in den Arbeitsalltag eines Malers, klauen hier und dort einen großen Happen des täglichen Streichens, Tapezierens oder Schleifens und verschwinden dann ebenso rasch wieder, wie sie aufgetaucht sind. Wer versucht, sie aufzuspüren, wird nicht in der Handwerksrolle fündig, sondern muss bei Google Begriffe wie »Hausmeisterservice«, »Raumausstatter« oder »Fliesenleger« eingeben. Sie, das sind Unternehmen, die die Handwerksrolle nicht als Malerbetrieb führt und die dennoch das Aufgabenfeld eines Malers vermarkten und bedienen. Gegen diesen leider wachsenden Trend wehrt sich die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main seit März 2013 mit einem ganzen Katalog an Maßnahmen – und das ist deshalb so bemerkenswert, weil dieser Kampf so erfolgreich ist.

Dieser Erfolg misst sich vorrangig an Einzelfällen: An den 200 Betrieben, die gemalert haben, ohne Maler zu sein und die das heute nicht mehr machen. An den laufenden Gerichtsverfahren gegen zwei unverbesserliche Sturkopf-Unternehmer. An den vielen Malern in der Umgebung, die den Kampf der Innung unterstützen und sie mittlerweile verstärkt als Verfechter ihrer Interessen wahrnehmen. Und an Banken und Wohnungsbaugesellschaften, die dank der Aufklärungsarbeit der Innung jetzt vor jeder Auftragsvergabe prüfen, ob ein Malerbetrieb in die Handwerksrolle eingetragen ist oder nicht.

Dabei greift die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main an mehreren Punkten zugleich an und weil diese maßgeblich für den Erfolg sind, lohnt es sich, diese einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wichtig sind zum einen die wettbewerblichen Abmahnungen. Den Schwarzarbeitern flattert eine Unterlassungserklärung ins Haus, die diese innerhalb von zwei Wochen unterzeichnen sollen. In ihr verpflichten sie sich, weder Malerarbeiten auszuführen noch mit ihnen zu werben. Reagieren die Betriebe nicht, schaltet die Innung einen Anwalt ein. Spätestens dann unterzeichnen in der Regel die meisten. »Die Abmahnungen funktionieren«, bestätigt Felix Diemerling, Geschäftsführung der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Allerdings nur, weil diese glaubhaft mit dem letzten Schritt droht: dem Gang vor Gericht.

Die falschen Maler findet die Innung über verschiedene Quellen: Sobald sich beispielsweise ein Verbraucher über einen Betrieb beschwert, der bei ihm Malerarbeiten ausgeführt hat, überprüft sie automatisch, ob er in der Handwerksrolle eingetragen ist. Hinweise kommen auch von Unternehmern aus der Umgebung, Verräter ist oft das Firmenfahrzeug, das für die temporäre Verwandlung zum Maler wirbt. Handyfotos dieser Fahrzeuge landen dann bei einer Mitarbeiterin, die die Innung extra für diese Maßnahmen eingestellt hat. Liegt ein bildlicher oder schriftlicher Beweis vor, wirft sie die Mahnmaschine an.

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Falsche Maler hinterlassen Spuren. Folgen Sie Ihnen!

Die abgemahnten Betriebe verschwinden übrigens nicht auf Nimmerwiedersehen unter einem großen Stempel namens »erledigt«. Die Innung kontrolliert nach zwölf Monaten, ob sie sich auch an die Unterlassungserklärung gehalten haben. 15 der 200 gemahnten Betriebe mussten bislang eine Vertragsstrafe von 1500 Euro zahlen, weil sie ihrer Unterschrift keine Taten folgen ließen.

Über jede einzelne Entwicklung, Erfolg oder Misserfolg, hält die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main die Betriebe auf dem Laufenden, deren Hinweise zur Entdeckung der Schwarzarbeit geführt haben. Das zeigt ihnen: die Innung kümmert sich aktiv und nimmt Anteil. Die Malerbetriebe, die sich den Verbandsorganisationen fern gefühlt haben, nähern sich dadurch wieder an die Innung an, einige sind sogar neu eingetreten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieses Kampfes sind die Auftraggeber. Denn solange »billig« ihr primäres Kriterium ist, wird es immer Handwerker geben, die sich ihnen dadurch anzubiedern versuchen. Viele Auftraggeber wenden sich aus Unwissen an sie, nicht aus böser Absicht. Und da setzt die Innung an: Sie knüpft Kontakte, trifft sich mit Vertretern und spricht offen die Nachteile der falschen Maler an. Vor allem mit den Argumenten »Qualitätsunterschiede« und »Preisverfall« packe er die Auftraggeber, erzählt Felix Diemerling.

»Unser Kampf ist gar nicht so kompliziert, wie man zunächst meint«, macht Felix Diemerling anderen Innungen Mut. Ein Dreivierteljahr hat es gedauert, bis die Innung sich einen ausreichenden Überblick über das Thema Schwarzarbeit verschafft hat, die verschiedenen Formen, die sie annehmen kann und die Stellen, die für sie zuständig sind. Diese Erkenntnisse hat sie im »Merkblatt Schwarzarbeit« zusammengefasst, das anderen Innungen und Betrieben eine Hilfe sein will. Jedem, der hier tätig werden möchte, steht die Innung Rhein-Main beratend zur Seite. Denn die Arbeit der Innungen ist wichtig. Die zuständigen Stellen, meint Felix Diemerling, gingen eher zögerlich vor, seien der Meinung, ein Rechtsstreit sei dann doch zuviel Aufwand für das bisschen Werbung für Malerarbeiten.

Die andere Seite: Dagegen kämpft die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main

Darf ich als selbstständiger Hausmeister Malerarbeiten ausführen? Unter gutefrage.de liest sich das so: »Ich soll für eine Eigentümergemeinschaft ein Angebot über den Neuanstrich eines Treppenhauses abgeben. Meine Firma ist als Hausmeisterservice angemeldet und ich bin in diesem Haus als Hausmeister tätig. Die Wände haben viele Flecken, ich soll aber nicht nur ausbessern, sondern alles streichen. Darf ich das? Vielleicht im Sinn des Nebengewerbes?«

Die Antworten ließen nicht lang auf sich warten: »Da Sie Malerarbeiten in einem Objekt durchführen sollen, welches Sie eh als Hausmeisterservice bewirtschaften, ist dies legitim und Sie brauchen keine Sanktionen zu fürchten. Das von den Hauseigentümern angeforderte Angebot sollten Sie als malermäßige Instandsetzungsarbeiten deklarieren.« Und: »Definier’ die Tätigkeit nicht explizit als Malerarbeiten, sondern als Renovierungsarbeiten (das umfasst ja auch Malerarbeiten). Und Renovierungsarbeiten fallen durchaus in das Berufsbild eines Hausmeisters, zumal Du dort ohnehin tätig bist.«

Auch das noch: »Wenn Du die Eigentümergemeinschaft gut kennst und die auch Dich, dann sollte eine Handwerkskammer Deine Malerarbeiten gar nicht mitbekommen. Wenn es aber Mieter gibt, die Stress machen oder Zank suchen oder die ETG schon öfters Probleme gemacht hat, dann Finger weg!« Dem ist nichts hinzuzufügen.

Bild: r.lopatitsch/pixelio.de, https://www.flickr.com/photos/erwinrommel/2592738656 von Torsten Maue/Flickr.de