Maler aktiv im Netz

Zuerst gab es die eigene Website, dann kamen Facebook, Instagram, YouTube & Co. hinzu. Die Beliebtheit der sozialen Netzwerke erkannten viele Unternehmen als Chance, sie gezielt für sich zu nutzen und sich in der Öffentlichkeit des weltweiten Netzes mit ihrer Arbeit zu präsentieren. Einige Beispiele aus der Malerbranche zeigen, wie gut das funktionieren kann.

Wenn die Pointe eines Witzes die ist, dass sich der Erzähler noch vor der eigentlichen Pointe des Witzes wegschmeißt vor Lachen, ist man auf die YouTube-Videos des Malermeisters Oliver Gimber gestoßen. Aus einfachster Perspektive mit dem einfachen Mittel des eigenen SmartPhones filmt er sich selbst in seinem Auto sitzend und kündigt in schwäbischem Akzent an: »Jetzt gibt’s wieder nen’ Donnerschtagskracher vom Oli.« Ein kurzes Kichern, ein leises Räuspern, und er beginnt grinsend zu erzählen. In der Kommentarleiste unter dem Video häufen sich die positiven Reaktionen der Nutzer, ein Blick auf die Anzahl der Klicks genügt, um die Beliebtheit nachzuvollziehen. Bis zu 60.000 Aufrufe pro Video. Folgt man dem Link zu seiner Facebook-Seite, wird klar: Oliver Gimber ist ein Internet-Star.

Screenshot_olivergimberyoutube

Gerechnet hat der Malermeister aus Pforzheim damit nicht. Vor allem macht er nichts, was direkt mit seinem Betrieb oder Beruf als Maler zu tun hat, er zeigt weder aktuelle Projekte, noch erklärt er in Schritt-für-Schritt-Anwendungsvideos neue Techniken oder dergleichen. YouTube ist für Gimber kein bewusst eingesetztes Marketingmittel, um explizit Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Erst im Nachhinein hat es sich als solches herausgestellt. Die Authentizität hinter den Videos macht Gimber sympathisch. Das kommt ihm und seinem Image zu Gute, die Leute kennen ihn und werden auf ihn aufmerksam. »Wer Menschlichkeit und Authentizität rüberbringt, hat Erfolg. Man kann in diesen Medien zeigen, wer man wirklich ist», antwortet Social Media-Experte Bernd Gillich im Gespräch mit der Mappe. In München leitet er eine Agentur mit dem Schwerpunkt Marketing in sozialen Netzwerken und berät mittelständische Handwerks- und auch Malerbetriebe zu ihrem Internetauftritt.

Hohe mediale Reichweite durch Social Media

Die Möglichkeiten des Web 2.0 und die aktuellen Trends im Netz bieten eine Plattform dafür, sich mit wenig Aufwand einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Damit hängt automatisch ein großes Potenzial für Betriebe zusammen, die Onlinedienste für unternehmerische Zwecke zu nutzen. Laut einer Studie des Hightech-Verbands Bitcom sind 86 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen auf sozialen Netzwerken mit eigenen Profilen vertreten. Und das sei auch extrem wichtig, findet Gillich. »Es geht darum, sich professionell zu positionieren, um die Sichtbarkeit des Unternehmens zu steigern.« Denn Social Media hat Suchmaschinen-Relevanz. Ein Profil auf diversen digitalen Kanälen spricht nicht nur die jeweils dort vertretene Zielgruppe an, sondern es erscheint auch bei Google, sobald jemand nach dem Betrieb oder Namen sucht und ist somit über die Grenzen des eigenen Kanals auffindbar. Was Datenschützern missfällt, ist für Betriebe eine Chance, mehr Nutzer auf ihre Seiten zu locken. Dabei gilt: Je mehr Social Media Aktivität, desto größer die Reichweite und desto höher der Rang in der Google-Suchauflistung. Und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit, potenzielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen.

Dass ein Zusammenhang zwischen Medienaktivität, Social-Media-Affinität und zunehmenden Kundenaufträgen besteht, beweist Malermeister Sascha Trynoga aus Wuppertal. Als eher kleinerer Betrieb ist er auf allen aktuell im Trend liegenden digitalen Kanälen vertreten. Auf Instagram präsentiert er Fotos von seinen neuesten Wanddekorationen, Renovierungsarbeiten und mineralischen Oberflächen, auf Facebook berichtet er über Projekte und Erfahrungen aus dem Berufsalltag, auf Twitter vernetzt er sich mit Branchenkollegen und postet Kurzmeldungen zu seinen momentanen Tätigkeiten und auf Pinterest sammelt er mit seinen Pinnwänden Fotos zu Architektur, Farbwelten, Fassaden und vielem mehr. Seitdem Trynoga Social Media nutzt, hat sich seine Auftragslage positiv verändert. »Ich bin aber vorsichtig damit, diese Veränderung ausschließlich den sozialen Netzwerken zuzuschreiben. Ich denke eher, dass es das Gesamtkonzept Internetmarketing ausmacht», gibt Trynoga zu Bedenken. Immer schon habe er sich auf das Internet konzentriert, wenn es darum ging, den Betrieb und seine Tätigkeit als Maler nach außen zu tragen. »Und seitdem Social Media aufkam, hab ich das zur Optimierung für mich im Online-Bereich genutzt.«

Facebook nach wie vor das beliebteste Netzwerk

Von Optimierungskanälen spricht auch Social-Media-Kenner Bernd Gillich. Unbedingt notwendig sei eine allumfassende Präsenz auf sämtlichen Plattformen nicht, verbessere aber nach wie vor die Positionierung in Suchmaschinen. Woran jedoch kaum ein Betrieb heutzutage vorbeikomme, sei Facebook. Mit einer Mitgliederanzahl von deutschlandweit 27 Millionen, ist Facebook das meistbesuchte Soziale Netzwerk im Internet und wird laut Statistik-Portal Statista auch von den Unternehmen selbst als wichtigste Plattform erachtet.  Gillich empfiehlt ganz klar »jedem Maler, der etwas auf sich hält, eine Facebook-Unternehmensseite zu haben.« Konzentriert man sich auf eine gute und regelmäßige Präsenz bei Facebook, reiche das bereits aus, um neue Kontakte zu realisieren. Gut und regelmäßig bedeutet in diesem Fall, mindestens vier bis fünf Stunden pro Woche in die Medienaktivität zu investieren. Im geschäftigen Alltag ist dieser Zeitaufwand nicht zu unterschätzen. Das weiß auch Sascha Trynoga. Früher, so beschreibt er selbst, sei er noch wesentlich aktiver gewesen als heute. Oftmals fehle ihm am Tag die Zeit dafür, sich aktiv Gedanken um Konzept und Strategien zu machen. Inzwischen habe sich für ihn das Pflegen der Netzwerke in den Arbeitstag integriert, es funktioniere mit einem gewissen Automatismus. »Interessant ist, dass die Leute trotzdem dranbleiben, auch wenn ich ein oder zwei Wochen mal gar nichts poste. Das ist zumindest das, was die Statistiken mir zeigen.«

Businesswoman using modern social network

Entscheidend sei, davon ist Gillich überzeugt, sich neuen Trends nicht zu verschließen. Die Welt drehe sich weiter und gerade Unternehmen im Handwerksbereich sollten es nicht allein bei der eigenen Website belassen, sondern sich durchaus zutrauen, neue Medien zu nutzen. Als Visionär bezeichnet er in dieser Hinsicht den Malerbetrieb Heyse aus Isernhagen bei Hannover. Malermeister und Unternehmensführer Matthias Schultze hat sich über die Jahre hinweg ein Online-Imperium aufgebaut und ist in der Branche bekannt für seine aktive Nutzung sämtlicher digitaler Kanäle. Über 3.700 Fans auf Facebook, ein eigener Blog und ein viel bespielter Channel auf YouTube mit zum Teil professionell gedrehten Videos machen Schultze zum besten Beispiel, wie digitales Marketing in Zeiten kommunikationsbasierter Internettrends funktionieren kann. Er lässt die Besucher seiner Seiten hinter die Kulissen des Betriebs blicken, zeigt sich selbst und seine Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit und schafft damit Transparenz und Vertrauen, rückt den Betrieb auf eine persönliche Ebene und bietet potenziellen Kunden einen unmittelbaren Kontakt zu ihm und seinem Handwerksunternehmen. »Das Internet bietet uns unterschiedliche Plattformen, und die Kunst des perfekten Netzwerkens ist es doch, herauszufinden, wer sich wo aufhält«, beschreibt Schultze. Im Gespräch merkt man schnell die Leidenschaft, mit der er von seinen Medienaktivitäten erzählt und mit der er auch seinem Handwerk nachgeht. Die Onlinedienste helfen ihm dabei, diese Leidenschaft noch stärker zu transportieren. Sein Geheimnis? Er nutzt die zahlreichen Möglichkeiten aus, »um möglichst viele Menschen mit seinen Geschichten zu erreichen und daraus wiederum Wunschkunden zu generieren.«

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe der Mappe.
Foto: sdecoret/Fotolia