LWL-Museum: Farbe als Präsentationsfläche

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Einen wunderbar mutigen Weg für eine Präsentationsfläche ist das LWL-Museum für Kunst und Kultur (Münster) gegangen: Der im September eröffnete Neubau des Museums greift exzessiv auf Farbe und Farbigkeit zurück, um seine 1.200 Ausstellungsstücke in Szene zu setzen. Damit bricht es mit der vorherrschenden Museumsästhetik, Kunstwerke in weißen Galerieräumen zu inszenzieren. Eine bunte Wand ist immer auch ein Risiko, lenkt die Aufmerksamkeit vom Gegenstand weg. Das LWL-Museum hat Farbe dabei aber so eingesetzt, dass sie die ausgestellten Gegenstände und die Themen der jeweiligen Räume unterstreicht, anstatt sie in den Schatten zu stellen. Das hat es sich einiges an Zeit und Mühe kosten lassen. »Bei manchen Räumen haben wir mit 120 unterschiedlichen Musterfarbtafeln ausprobiert, womit die Exponate gut harmonieren«, schildert die Innenarchitektin Kristina Witt die Schwierigkeiten bei der Farbwahl.

Die Farbe transportiert Bedeutungen und Informationen über die Kunstwerke, die sonst unentdeckt blieben. Einige Räume sind inszeniert, um Besuchern einen sinnlichen Zugang zur Kunst zu ermöglichen. Mal hören sie Klänge, in einem anderen Raum sind schwarze, spiegelnde Wände eingebaut. Der Raum in der auffälligen »Spitze« des LWL-Museums ist in einem kräftigen Rot gestrichen. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold wählte eine Farbe, vor der so unterschiedliche Ausstellungsstücke wie Sandsteinfiguren, Goldskulpturen und Holzmalereien gut wirken. Außerdem war die Signalwirkung der Farbe ein wichtiger Aspekt. Der Raum verfügt über ein großes Fenster zum Domplatz und soll auch den Menschen von außen einen Einblick in das Museum gewähren. Zusammen mit den imposanten Steinfiguren aus der Überwasserkirche, die dort ausgestellt sind, ist das Rot in der Spitze ein Blickfang.

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Ein weiteres Beispiel für die durchdachte Farbwahl ist das frische Lindgrün des ersten Ausstellungsraums für die Renaissancekunst, die den Aufbruch und Neubeginn der Renaissancekunst von den Wänden widerspiegelt. Der Raum für expressionistische Malerei ist anthrazitgrau. Das ist der gleiche Farbton-Hintergrund, den die Künstlergruppe Blauer Reiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Ausstellung ihrer Werke auswählte. Werke einiger Hauptakteure des Blauen Reiters hängen im entsprechenden Raum, etwa von August Macke oder Franz Marc. Die Farbe des Raums spielt somit auf die Geschichte der Kunst an, die er ausstellt.

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»Die Wandfarben der Ausstellungsräume sind sehr wichtig für die Wahrnehmung der Kunstwerke«, erklärt Dr. Hermann Arnhold einen der Gründe für die farbigen Sammlungsräume. »Die Wechselwirkung zwischen farbiger Wand und Bild lässt Details in den Blick kommen, die vorher vielleicht gar nicht so deutlich wahrgenommen wurden oder wahrgenommen werden konnten.«

 

Bilder: Elisabeth Deiters-Keul, Hanna Neander