Gute Leistung wird belohnt

Das große Problem der Handwerksbetriebe, geeigneten Nachwuchs zu finden, ist nun schon seit Längerem bekannt. Dabei zahlt sich gute Leistung gerade während der Lehrjahre aus. So unterstützt die Sto-Stiftung beispielsweise junge Menschen in ihrer handwerklichen und akademischen Ausbildung. Gefördert werden, neben Projekten aus dem Baubereich, das Maler- und Stuckateurhandwerk sowie Architektur- und Bauwissenschaften, aber auch Weiterbildungen in diesen Sparten.

OSZ Farb- und Lacktechnik Berlin
Konrad Richter, Mitglied des Stiftungsrats der Sto-Stiftung. Foto: OSZ Farb- und Lacktechnik Berlin/Sto-Stiftung

Für den Bereich Handwerk ist Konrad J. Richter seit Gründung der Sto-Stiftung 2005 verantwortlicher Stiftungsrat. Er engagierte sich mehr als 30 Jahre als Lehrer für die Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk, sei es im Prüfungsausschuss der Innung oder als Mitarbeiter im Ausschuss für bundeseinheitliche Gesellenprüfungen. Fast ein Jahrzehnt stand er außerdem dem Arbeitskreis Schulen im Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz vor. Der Oberstudiendirektor a. D. leitete bis 2010 das Carl-Reuther-Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises in Hennef mit mehr als 2.000 Schülern. Seit seiner Pensionierung ist er nun als Stiftungsrat Handwerk für die satzungsgerechte Verwendung seines Stiftungs-Budgets in Deutschland und Österreich verantwortlich.

Mappe sprach mit Konrad Richter über die Nachwuchsförderung, Angebote der Sto-Stiftung und welche Maßnahmen eine Ausbildung im Handwerk attraktiver gestalten können.

 

Mappe: Die nachhaltigen Maßnahmen der Sto-Stiftung sind auf die individuelle Förderung und persönliche Entwicklung der jungen Menschen ausgerichtet. Nach über 10 Jahren Stiftungsaktivität: Können Sie uns sagen, welche Bildungswege/Karrieren die Sto-Stipendiaten tendenziell eingeschlagen haben?

Konrad Richter: Nach dieser langen Zeit sind sowohl die Besten der Besten als auch die Studierenden der Fachschulen zurück in Malerbetriebe gegangen und arbeiten meist als Meister. Nur von wenigen weiß ich, dass sie in die Industrie gegangen sind. Vier der Fachschulabsolventen haben ein Studium an einer deutschen Hochschule begonnen. Eine Studierende legt in diesem Jahr Ihren Bachelor ab und eine andere hat das Masterstudium in einem Jahr absolviert und wird ins Lehramt gehen.

Mappe: Welche weiteren Maßnahmen/Bildungsangebote und Programme gibt es für die Sto-Stipendiaten, die in der ersten Runde den Werkzeugkoffer plus Zubehör erhalten haben?

K. Richter: Die sehr guten Auszubildenden, die vor der Gesellenprüfung den Werkzeugkoffer erhalten haben, legten auch eine gute bis sehr gute Gesellenprüfung ab und zehn davon erhielten mit einem Notendurchschnitt der Gesellenprüfung von 93,4 bis 98 Punkten noch ein iPad. Diese sehr guten Junggesellen haben sich sofort zur Meisterprüfung angemeldet oder sind zu einer Fachschule gegangen. Sollten sie hier wieder zu den Besten gehören, so erhalten sie von der Sto-Stiftung ein Stipendium. Einer dieser guten Schüler und Gesellen bereitet sich auf die WorldSkills in Abu Dhabi 2017 vor.

Mappe: In welche Richtung wird sich das Angebot der Sto-Stiftung für Lehrlinge entwickeln?

K. Richter: Ziel der Förderung der guten Azubis ist es, den Beruf des Maler und Lackierer auch für leistungsstarke und leistungswillige Lehrlinge attraktiver zu machen. Zudem möchte die Stiftung die Leistungen in der Berufsschule honorieren und zeigen, dass hier gute Leistungen auch mit guten Leistungen in der theoretischen Gesellenprüfung korrelieren.

Mappe: Wichtig ist auch die Zielgruppe der jungen Gesellen. Ist für diese Gruppe künftig ein Angebot von der Sto-Stiftung zu erwarten?

K. Richter: Die Sto-Stiftung unterstützt die sieben Fachschulen in Deutschland, die in ihrem Angebot sowohl die Meisterprüfung als auch die Hochschulreife nach vier Semestern anbieten. Hier unterstützen wir mit einem Stipendium von 1.000 € pro Semester wiederum die Leistungsstärksten. Diese Bestenförderung hat sich bewährt.

Mappe: Was das Thema Berufsnachwuchs angeht, ist die Situation in vielen Betrieben mehr als prekär. Betriebe, die schon immer ausgebildet haben, können und wollen auch nicht mehr ausbilden, weil sie keine oder keine geeigneten bzw. qualifizierten Jugendlichen finden. Welche Botschaft wollen Sie diesen Betrieben mitgeben?

K. Richter: Wir zeigen, dass nun schon seit fünf Jahren mehr als 100 sehr gute Auszubildende in die Gesellenprüfung gehen. Aber eine von mir initiierte Befragung von 100 guten Gesellen hat gezeigt, dass selbst diese guten Gesellen Probleme mit der Übernahme in Betrieben bekommen. Das kann es doch wohl nicht sein. Zudem ist die Abbrecherquote bei den Studierenden an deutschen Hochschulen fast ein Drittel. Hier können Betriebe ansetzen und eine verkürzte Ausbildungszeit anbieten. Dieser Personenkreis wird aber häufig nicht genutzt.

Mappe: Die Betriebe sind heute schon ausgelastet und arbeiten vielfach an der Kapazitätsgrenze. Helfende Hände werden dringend gesucht. Andererseits: Die Abbrecherquote nach dem ersten Lehrjahr ist im Maler- und Lackiererhandwerk hoch. Wer soll denn künftig die anstehende Arbeit erledigen?

K. Richter: In vielen Betrieben hat man sich auf junge Menschen der heutigen Zeit noch nicht umgestellt. Diejenigen, die sich heute in Ausbildung begeben, haben eine andere Vorstellung als noch die meist konservativ geführten Betriebe. Junge Menschen möchten bewusster ausgebildet werden und nicht mit der »Drei-H-Methode – Halt mal, hol mal, hilf mal.« Mit Unterstützung der Sto-Stiftung erarbeiteten Studierende und LehrerInnen der sieben deutschen Fachschulen eine »Perspektive Handwerk« bezogen auf das Maler- und Lackiererhandwerk. Darin ist die Notwendigkeit von Schaffung geänderter Strukturen aufgezeichnet:

„Notwendig sind: Mehr Mitspracherechte für Mitarbeiter, flachere Hierarchien, die Möglichkeit, das eigene Talent stärker einbringen zu können, eine große Transparenz des betrieblichen Geschehens, umfassende Integrationsmodelle für Migranten, attraktive Entgeltmodelle, Unterstützung bei Weiterbildungsanliegen, bei Wünschen nach Auslandsaufenthalten. Unbürokratisch gehandhabte, flexible Arbeitszeitmodelle, die auf individuelle temporäre Bedingungen Rücksicht nehmen, die aber andererseits auch Auftragsspitzen abdecken.“ Ich bin überzeugt, dass solch ein Umdenken notwendig ist, um künftig im Maler- und Lackiererhandwerk genügend Arbeitskräfte zu mobilisieren.

Mappe: Was können Ihrer Meinung nach alle an der Ausbildung Beteiligten (Schule, Betrieb, ÜBL) tun, damit die richtigen Jugendlichen, die dringend benötigt werden, angesprochen werden, die Ausbildung zum Maler ergreifen, sie durchstehen und dann auch im Handwerk bleiben?

K. Richter: Das Image des Maler- und Lackiererhandwerks muss sich neben einer besseren Bezahlung im Handwerk ändern. Dazu müssen die Verbände zu einschneidenden Änderungen bereit sein.

Mappe: Das Maler- und Lackiererhandwerk muss sich wie alle Gewerke für die künftigen Anforderungen – Stichwort digitale Prozesse, neue Technologien – rüsten. Welche Rolle spielen hierbei die Berufs- und Fachschulen sowie Initiativen wie z. B. die Sto-Stiftung?

K. Richter: Ein hohes Bildungsniveau ist gesellschaftlich sehr positiv bewertet. Um in diesem Sinne ihr Profil zu schärfen und die Fachschulangebote in den Augen junger Menschen attraktiv zu gestalten, sollten diese ihr Lehr- und Lernangebot fortlaufend aktualisieren. Fachschulen müssen sich klar strukturiert vernetzen, um den Fachschülerinnen und Fachschülern ein möglichst umfassendes und spezialisiertes Bildungsangebot zu ermöglichen. Sie sollten nicht zuletzt eine professionellere Öffentlichkeitsarbeit praktizieren, um die Qualität der Fachschulen mit ihren interessanten Bildungsangeboten und staatlichen Abschlüssen breiter bekannt zu machen. Die Sto-Stiftung kann dabei helfen, diese Prozesse zu initiieren und finanziell zu unterstützen.

 

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