WDVS im Interview mit Dr. Wolfgang Setzler

Die Verschärfung der Energieeinsparverordnung, negative Berichterstattungen und ein niedriger Ölpreis sorgen auf dem Dämmmarkt für Unruhe. Wir sprachen dazu mit Dr. Wolfgang Setzler, dem Geschäftsführer des Fachverbands Wärmedämm-Verbundsysteme in Baden-Baden.

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Dr. Wolfgang Setzler. Foto: privat

Mappe: Das Wärmedämm-Verbundsystem ist in Verruf geraten. Von „Volksverdämmung“ ist da die Rede, von der „Ignoranz der Brandgefahr“ und dem „Schwindel der Dämmstoff-Mafia“. Schlagworte, mit denen die Handwerker vor Ort konfrontiert werden. Wie stehen Sie dazu und was raten Sie Malern im Umgang mit Kunden?

Wolfgang Setzler: Das sind schon kräftige Schlagworte. Und dennoch liegt die Wahrheit immer zwischen den Dingen. Ich rate den Malern im Umgang mit ihren Kunden in diesem Punkt nur eines: lassen Sie Ihre WDVS-Kunden für sich sprechen, denn nichts ist überzeugender als das Argument eines Kunden, der über lange Erfahrungen mit seinem WDVS verfügt und auch eine hohe Glaubwürdigkeit hat. Einen tollen Weg beschreiten hier beispielsweise die Stuckateure in Baden-Württemberg mit ihren 1000 zufriedenen Kunden.
Und ich möchte noch anmerken, dass keinesfalls je eine Brandgefahr ignoriert wurde. Kein bauaufsichtlich zugelassenes System hat in den letzten 40 Jahren mehr Brandprüfungen über sich ergehen lassen, als das Wärmedämm-Verbundsystem. Und kein Mensch hat je gesagt, dass EPS nicht brennt. Wir müssen auch klar darauf verweisen, dass wir seit mehr als drei Jahrzehnten mit Mineralwolle und in letzter Zeit auch mit Mineralschaum ausreichend Alternativen haben, die nicht brennen. Hier wird im wahrsten Sinn des Worts „eine Sau durch’s Dorf getrieben“. Ich habe noch niemand getroffen, der seinen Dachstuhl auswechselt, obwohl Holz genauso brennt.

Mappe: Eine weitere Hemmschwelle, sich für ein Wärmedämm-Verbundsystem zu entscheiden, ist der aktuell niedrige Heizölpreis. Lässt sich eine Dämm-Investition bei weniger als 70 Euro pro 100 Liter in weniger als 20 Jahren glaubhaft amortisieren?



Wolfgang Setzler: Gewiss ist der zur Zeit niedrige Ölpreis eine Sorglos-Spritze für manches Gewissen. Und wenn wir eine Dämminvestition rechnen wollen, dann dürfen wir nur die tatsächlichen WDVS-Mehrkosten der Amortisation gegenüber stellen. Wenn ein Kunde zum Beispiel kalt saniert, in dem er nur streicht, hat er ja auch einen gewissen Kostenfaktor zu verbuchen, der sich überhaupt nicht amortisiert. Ich rate den Malerkollegen einen ganz klaren Kalkulationsvergleich zu machen zwischen Sowieso-Kosten bei einer anstrichtechnischen Sanierung und den Mehrkosten der Dämm-Investition. Dann lassen sich auch die Kosten sehr anschaulich darstellen. Und noch eines: wir dürfen WDVS nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Amortisation verkaufen, denn es steigen bei einem gedämmten Haus der Verkaufswert sowie die Wohnbehaglichkeit. Und natürlich wird auch ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz geleistet.

Mappe: In einem aktuellen Beitrag in der Tageszeitung Die Welt schilderte ein Architekt, dass er beim Abriss einer 30 Jahre alten Fassadendämmung Mäuse, Ameisen und Käfer in den Polystyrolplatten entdeckte. Wie ist das zu vermeiden und von welcher Lebensdauer ist bei einem Wärmedämm-Verbundsystem auszugehen?



Wolfgang Setzler: Es gibt immer wieder Tageszeitungen, die Schlagzeilen produzieren müssen und natürlich kann es sein, dass sich Mäuse im EPS wohlfühlen. Und wenn man Ameisen und Käfer in Styroporplatten entdeckt, dann muss ich sagen, hat man vergessen, das System von unten her entsprechend abzudichten bzw. den Insekten den Zugang bautechnisch zu verwehren. Wenn ein Wärmedämm-Verbundsystem nach Stand der Technik eingebaut ist und entsprechend mit der richtigen Armierung lückenlos überarbeitet wurde, dann ist es frei von Insekten. Das zeigen Millionen verlegter Quadratmeter.

Die Lebensdauer von WDVS hingegen ist natürlich auch abhängig von der Pflege und Wartung. Wir haben gerade unser neues Forschungsprojekt zum Thema der Langzeitbewährung abgeschlossen und wir können stolz sein darauf. WDVS kann in punkto Lebensdauer und Unterhalt einer konventionellen Putzfassade gleichgesetzt werden. Und wer hätte das vor vielen Jahren gedacht. Alle Ihre Leser, die hierzu mehr Informationen wünschen, sind herzlich eingeladen, bei uns im Internet unter www.heizkosten-einsparen.de die Studie herunterzuladen.

Mappe: Vielen Dank für das Gespräch.