Helle Köpfe gefragt

Kreativität wird als wichtigste Fähigkeit des 21. Jahrhunderts gesehen, wenn es um die Lösung gegenwärtiger und künftiger Probleme geht. Dass Kreativität boomt, zeigen die vielen Start-up- Unternehmen, entstanden aus innovativem und kreativem Denken und Handeln. Aber auch etablierte Unternehmen können in vielen Bereichen von der Kreativität profitieren. Wir beleuchten den Trend und geben Tipps für mehr Kreativität im Betrieb.

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Können Sie sich noch erinnern, wie kreativ Sie als Kind waren? Es brauchte nicht viel ‒ im Gegenteil, wo die Kinderzimmer nicht überquollen vor Spielzeug, war Fantasie und Improvisation gefragt. Heute gibt es schon im Kindergarten Kurse für Kreativität, auch über Kreativitätspädagogik im Schulalltag wird nachgedacht. Eine Vielzahl an Agenturen und Unternehmensberatungen entwickeln Konzepte zur Kreativitätsförderung für die Unterneh- mensleitung oder Mitarbeiter. Große Unternehmen richten sogenannte »innovation labs« oder Kreativräume für ihre Mitarbeiter ein, Hotels bieten außergewöhnlich gestaltete »Kreativlocations« an, die sie Unternehmen zur Verfügung stellen. Das soll inspirieren und helfen, Ideen zu entwickeln. Das Kreativ-Sein entspricht dem Wesen eines Menschen. Unter Kreativität wird oft in erster Linie das künstlerische Schaffen, wie malen, musizieren oder basteln verstanden. Doch Kreativität ist allumfassend: Das Wort »Kreativität« kommt aus dem lateinischen »creare«, was übersetzt »erschaffen«, was »ins Leben rufen« bedeutet.

Zeitalter der Kreativitätsökonomie

Kreativität braucht es für Innovationen ‒ und die sind der Rohstoff für die vierte industrielle Revolution. »Während Kreativität die Erzeugung von neuen und nützlichen Ideen durch eine Person oder eine Gruppe ist, bedeutet Innovation, die erfolgreiche Umsetzung von kreativen Ideen durch die Organisation«, weiß Diplompsychologin Sandra Ohly vom Institut für Psychologie der TU Braunschweig. »Dampfmaschine, Fließband und computerunterstützte Maschinen haben die ersten drei industriellen Revolutionen geprägt, in der Industrie 4.0 sind es Vernetzung und Internet«, fasst Sven Zehl, Bereichsleiter IoT bei Bitkom e.V. zusammen. In Zukunft werden die »drei Top-Fähigkeiten Kreativität, kritisches Denken und komplexe Problemlösung« immer wichtiger, führt Mark Barrenchea, Chief Technology Officer bei der »OpenTextSoftware GmbH« aus. Denn die Disruption, also der Bruch mit dem Gewohnten, erfordert kritischeres Denken. Neue Geschäftsmodelle benötigen komplexere Strategien zur Problemlösungen.

Digitalisierung als Chance für mehr Kreativität

Dass Kreativität im Job in den nächsten fünf Jahren eine der wichtigsten und meist geforderten Fähigkeiten sein wird, be- stätigt auch der Bericht des Welthandelsforums von 2016 in Davos. Für 1.500 CEOs (Geschäftsführer) aus aller Welt, die der Computerkonzern IBM 2010 befragte, ist Kreativität die wich- tigste Fähigkeit am Arbeitsplatz, um Überleben und Wachsen zu sichern. Sven Zehl führt aus, dass der Mensch durch die fort- schreitende Digitalisierung in einem gewissen Umfang durch den Roboter ersetzt werde, der ihm körperlich anstrengende oder monotone Arbeiten abnehme. »Alternativ erhält er für geistige Arbeit Assistenz über Smart Devices«, also elektro- nische Geräte, die die Nutzer mit Informationen versorgen wie Smartphone, Tablet, PC, Datenbrillen.

Nachholbedarf in deutschen Unternehmen

Der »Global Innovation Index« veröffentlicht jedes Jahr ein Ranking der innovativsten Länder weltweit. Seit 2013 steht die Schweiz an erster Stelle, Deutschland hat es immerhin von Platz 15 im Jahr 2013 auf Platz 9 in 2018 geschafft. Es bleibt noch Luft nach oben für deutsche Unternehmen. Bitkom-Präsident Achim Berg weiß, dass viele Unternehmen auf der Suche nach radikal neuen Geschäftsideen sind ‒ der Digitalisierung wegen. Viele würden Kooperationen mit Start-ups eingehen, in junge Unternehmen investieren oder diese aufkaufen. Doch: »Nur eine Minderheit setzt auf die Kreativität der eigenen Mitarbeiter«, wundert sich Achim Berg. Gerade einmal sieben Prozent der Unternehmen ab 20 Mitarbeitern haben spezielle Programme oder Projekte angestoßen, damit Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens neue Geschäftsideen entwickeln können. Bei mittelständischen Unternehmen ist die Zahl der Betriebe mit Förderprogrammen noch niedriger.

Mitarbeiterideen honorieren lohnt sich

Andere fördern schon sehr lang die Mitarbeiterkreativität, beispielsweise die schwäbischen Fischer-Werke, bekannt für die Herstellung von Dübeln, Spielzeug und Autozubehör. Der Slogan der Unternehmensgruppe lautet: »Wer Innovationen sucht, wird Fischer finden«. Der 2016 verstorbene Gründer Artur Fischer hat in seinem Leben mehr als 1.100 Patente und Gebrauchsmuster angemeldet. »Im Fischer-Ideen-Prozess, kurz FIP, entstehen jährlich rund 6.000 Ideen für neue Arbeitsprozesse und Produkte. Die besten Ideen werden durch Incentives und Geld belohnt«, weiß www.karriere.de, das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche. Tatsächlich sind Gehaltserhöhungen oder Boni, die verbreitetste Form der Honorierung von Mitarbeiterideen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft (DIB) haben sich die befragten Unternehmen die Ideen ihrer Mitarbeiter im vergangenen Jahr rund 163 Millionen Euro kosten lassen. Laut www.karriere.de »ein lohnendes Geschäft, denn der Ertrag ist fast zehn Mal höher: Die Einsparungen und der geschätzte Nutzen für die Firmen belaufen sich auf knapp 1,5 Milliarden Euro.«

Kreative Mitarbeiter helfen, Unternehmen zu entwickeln

Im »Work Report 2019« des Frankfurter Zu- kunftsinstituts plädiert Autor Ali Mahlodji für »Playful Work«, also Arbeit, die Spaß machen soll, indem der Gegensatz zwischen ernsthafter Arbeit und freudvollem Spiel aufgelöst wird. »Denn wer Arbeit als Spiel begreift und lebt, hat das Potenzial, Kreativität zu entfalten und Innovationen voranzu- treiben«, so sein Fazit. »Unternehmen suchen und stellen originelle und innovative Personen ein, um sich weiterzuentwickeln und gegenüber der Konkurrenz im Vorteil zu sein. Kreative Menschen sind der immaterielle Reichtum dieser Unternehmen«, ist im Blog www.gedankenwelt.de zu lesen.

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