Interview: »So habe ich alle Chanchen« – Duales Studium für Maler

Studium und Ausbildung gleichzeitig – das geht jetzt auch im Malerhandwerk, und zwar ganz neu in dem Modellprojekt »duales Studium« der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Philip Hoffmann ist der erste »duale Student« im Bachelor-Studiengang Bauingenieurwesen. Er absolviert gleichzeitig eine Ausbildung zum Maler und Lackierer bei der Baudekoration Eugen Hofmann GmbH, Frankfurt, und ein Studium des Bauingenieurwesens an der Frankfurt University of Applied Sciences.

Die Regelstudienzeit für das gesamte Studium inklusive Ausbildung beträgt neun Semester und gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Abschnitt steht die gewerbliche Berufsausbildung als Maler und Lackierer in einem Ausbildungsbetrieb im Mittelpunkt. Dieser endet nach etwa 30 Monaten mit der Gesellenprüfung durch die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main. Parallel zur Lehre nehmen die Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr das Studium an der Frankfurt University auf. Die Lehrveranstaltungen finden je nach Studiensemester an zwei bis vier Tagen pro Woche statt. An den restlichen Wochentagen sowie in der vorlesungsfreien Zeit erfolgt die betriebliche Ausbildung. Der zweite Abschnitt dient ausschließlich dem Studium des Bauingenieurwesens mit dem Abschluss »Bachelor of Engineering (B.Eng.)«. Er umfasst fünf Studiensemester an der Frankfurt University und wird mit der Bachelor-Arbeit abgeschlossen.

Duales Studium im Malerhandwerk – wie kam es dazu, wie sind die Erfahrungen bislang? Die MAPPE befragte den ersten Studenten des Dualen Studiums im Maler- und Lackiererhandwerk, Philip Hoffmann, und den Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main, Felix Diemerling, einer der Initiatoren des Pilotprojekts.

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Felix Diemerling, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main
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Philip Hoffman, Malerazubi und Student

 

Mappe: Herr Hoffmann, warum studieren Sie nicht einfach nur Bauingenieurwesen, was reizt Sie an der Kombination mit der Lehre im Maler- und Lackiererhandwerk?

Philip Hoffmann: Mit dem dualen Studium kann ich das Praktische und Theoretische ideal verbinden. Ich wollte schon immer ein Handwerk erlernen und bin auch begeisterter Handwerker. Doch dann habe ich das Abitur gemacht und dann liegt es irgendwie einfach fern, eine Berufsausbildung zu machen. So begann ich zunächst an der TU Darmstadt Maschinenbau zu studieren, bis ich merkte, dass mir das zu theoretisch war und ich das Studium abbrach. Ich habe die Praxis gesucht und bin dann auf das duale Studium gestoßen, wobei klar war, dass ich eine Ausbildung zum Maler und Lackierer machen wollte. Leider gab es das duale Studium nur für das Bauhauptgewerbe und so habe ich meinem jetzigen Ausbilder, Eugen Hofmann in Frankfurt, den ich von einem Ferienjob in seinem Malerbetrieb kannte, meine Idee angetragen. Gemeinsam sind wir dann zu Herrn Diemerling gegangen.

Mappe: Herr Diemerling, was geschah dann?
Felix Diemerling: Mir war das duale Studium als solches neu, aber als mir die beiden ihre Idee vortrugen, war ich gleich Feuer und Flamme, denn Führungskräfte sind im Maler- und Lackierhandwerk absolut gesucht und das ist die Chance, gute Leute zu bekommen. Ich habe dann mit dem Studienleiter der Frankfurt University of Applied Sciences Kontakt aufgenommen und gefragt, ob ein duales Studium als Dauereinrichtung möglich wäre. Er war sehr offen, erst recht, als ich ihm die Bandbreite unseres Gewerks klar machte. So kam es zur Kooperation. Vor einigen Wochen habe ich dann die größten Innungsbetriebe zu einer »Elefantenrunde« eingeladen: Von den acht anwesenden Betriebsinhabern erklärten sich sieben spontan bereit, an dem Modellprojekt mitzumachen und entsprechende Ausbildungsplätze anzubieten.

Mappe: Kann jeder Betrieb mitmachen?
Felix Diemerling: Unser Angebot gilt grundsätzlich für alle ausbildungsberechtigen Malerbetriebe, auch aus anderen Innungsbezirken. Die oder der Auszubildende, der Ausbildungsbetrieb und unsere Innung schließen zusätzlich zu einem normalen Ausbildungsvertrag eine Zusatzvereinbarung ab, die die Ausbildung und das Studium im Rahmen des dualen Studiengangs Bauingenieurwesen regelt. Die Gesellenprüfung erfolgt für alle Auszubildenden, auch für die aus anderen Innungsbezirken, daher auch ausschließlich durch uns.

Mappe: Herr Hoffmann, wie fühlt es sich an gleichzeitig Student und Azubi zu sein und wie kommt das bei Ihren Azubi-Kollegen an?
Philip Hoffmann: Es fühlt sich gut an und es gibt einfach jede Menge Aha-Effekte in beiden Bereichen. Meine Kollegen finden das auch gut, und haben kein Problem damit, wenn ich auf der Uni bin. Sie profitieren ja auch von meinem Studiumwissen.

Mappe: Und wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus, wenn Sie Ihren Bachelor haben?
Philip Hofmann: Das weiß ich im Moment noch nicht, aber ich habe ja alle Optionen: Ich kann den Meister machen oder eine akademische Laufbahn einschlagen. Mein Chef ist voll begeistert und so habe ich gute Chancen übernommen zu werden in verantwortlicher Position. Mein Vertrag läuft bis zum Ende der Berufsausbildung, dann kommt der zweite Abschnitt mit dem Studium, wo ich beispielsweise als Werkstudent auch nebenher weiter im Betrieb arbeiten könnte in einem Trainee-Programm.

Mappe: Herr Diemerling, wie geht es weiter mit dem Modellprojekt?
Felix Diemerling: Damit das duale Studium zu einer Dauereinrichtung werden kann, brauchen wir jetzt weitere interessierte Ausbildungsbetriebe, aber vor allem Abiturienten, die diesen Weg einschlagen möchten. Das ist nicht leicht, denn die meisten sehen das Handwerk zunächst gar nicht als Option. Wir setzen alles daran, das Projekt ins Gespräch zu bringen, machen Werbung dafür auf Berufsbildungsmessen, in Internetportalen und schreiben Gymnasien mit Flyern an. Und wir wollen andere Innungen mit ins Boot nehmen. Einen Trumpf haben wir da auch im Ärmel: Während es beim normalen Bauingenieursstudium einen Numerus clausus gibt, werden unsere dualen Studenten ohne den zugelassen.

Bilder: Philip Hoffmann, Felix Diemerling