Gleichstellung erreicht

Handwerker jubeln, Ingenieure warnen, andere sehen es gelassen: Am 1. Dezember 2017 trat die neue Förderrichtlinie zur Energieberatung des Bundeswirtschaftsministeriums in Kraft, die auch Gebäudeenergieberater im Handwerk einbezieht. Zugelassen sind jetzt alle Energieberater aus allen Branchen, die über die geforderte fachliche Qualifikation verfügen. Doch was bedeutet eigentlich die neue Richtlinie für das Malerhandwerk?

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Im Dezember 2017 trat die neue Förderrichtlinie zur Energieberatung des Bundeswirtschaftsministeriums in Kraft, die auch Gebäudeenergieberater im Handwerk einbezieht. Foto: ehuth/pixelio.de

Bei so manchem Handwerksverband mögen die Sektkorken geknallt haben. Endlich ist die Bundesregierung einer alten Forderung des Handwerks nachgekommen, den Kreis der Energieberater zu öffnen. Nachdem das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Mai 2017 den individuellen Sanierungsfahrplan als neues Instrument der Energieberatung eingeführt, wurden in der Folge zwei  Richtlinien für Energieberatungen neu gefasst:  Die »Vor-Ort-Beratungen für Wohngebäude « heißt nun »Richtlinie über die Förderung der Energieberatung für Wohngebäude«. Neu ist auch die »Richtlinie über die Förderung der Energieberatung im Mittelstand«. Beide sind Grundlage für die staatlich  geförderten Energieberatungen der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle),  die wiederum Voraussetzung ist für die Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen durch die KfW-Förderbank.

Es reicht die Selbsterklärung

Mit der neuen Richtlinie, die bis zum 31. Dezember 2022 befristet ist, wird nun die Förderung der Energieberatung auf alle zugelassenen Energieberater ausgeweitet. Bislang mussten Gebäudeenergieberater unabhängig sein. Sie durften keine BAFA-Anträge stellen, denn es wurde ihnen ein Interessenkonflikt unterstellt, wenn sie als Energieberater gleichzeitig energetische Sanierungen im Tätigkeitsspektrum hatten, beispielsweise, dass ein Malermeister die Wärmedämmung präferiert, ein Fensterbauer den Fensteraustausch. BMWi und BAFA untersagten bisher den Energieberatern aus dem Handwerk, Gebäudebesitzer zu beraten. Nun können alle Energieberater, die über die geforderte fachliche Qualifikation  verfügen, beraten und zum Förderprogramm  zugelassen werden.

Die Energieberater verpflichten sich durch Selbsterklärung gegenüber dem BAFA, hersteller-, anbieter-, produkt- und vertriebsneutral zu beraten. Die Erweiterung des Beraterkreises gilt für die Förderprogramme »Energieberatung für Wohngebäude« und für die »Energieberatung  im Mittelstand«. Mit der Selbsterklärung wird Vorbehalten wie mangelnde Unabhängigkeit und Beratung nur im Hinblick auf die eigenen Unternehmensinteressen begegnet. Somit ist eindeutig geregelt, dass die KfW-Förderbank einem Handwerkskunden in einem solchen Fall einen Kredit für eine energetische Sanierung geben muss. Das war mit der alten Energieberatungs-Richtlinie von 2015 nicht so einfach möglich, obwohl die KfW-Bank bei komplexen Sanierungsvorhaben Kredite bewilligte, wenn es für die sanierungswilligen Gebäudebesitzer zu kompliziert geworden wäre, denn sie hätten Energieberater und Handwerksunternehmen einzeln beauftragen müssen. Auch bei der bisherigen »Vor-Ort-Beratung«, die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) finanziell unterstützt, gab es diese Konflikte. Geändert hat sich das mit dem Sanierungsfahrplan.

Wesentliche Änderungen

Für die Zulassung benötigen Energieberater eine Haftpflichtversicherung, die Schadensersatzansprüche im Zusammenhang mit Energieberatungsleistungen abdeckt. Eine bestehende Unternehmenshaftpflicht ist ausreichend, sofern sie Schäden (Vermögensschäden wie auch Personen- und Sachschäden) abdeckt, die einem Kunden im Zusammenhang mit der Durchführung einer Energieberatung nach der Richtlinie entsteht. Außerdem wird bei der »Energieberatung für Wohngebäude« der sogenannte  »individuelle Sanierungsfahrplan« (iSFP) ausdrücklich als richtlinienkonforme Darstellung der Ergebnisse einer Energieberatung anerkannt (mehr dazu im Heft). Bei der »Energieberatung im Mittelstand« entfällt die Förderung der Umsetzungsbegleitung. Für eine Energieberatung wird daher die maximale Förderhöhe von 8.000 Euro auf 6.000 Euro abgesenkt (betrifft Unternehmen mit jährlichen Energiekosten von über 10.000 Euro).

Akuter Handlungsbedarf

Hintergrund für die Richtlinienänderung zur Energieberatung ist der Stillstand bei der energetischen Gebäudesanierung. Daran trägt die letzte Bundesregierung eine große Mitschuld. Nach der steuerlichen Förderung für die energetische Gebäudesanierung ist im Frühjahr 2017 mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) ein zweites wichtiges Vorhaben für die Energiewende im Gebäudesektor im politischen Prozess gescheitert. Ohne das GEG gibt es zunächst keinen Niedrigstenergie-Standard für öffentliche Gebäude, was gegen die EU-Gebäuderichtlinie verstößt. Auch die mit dem GEG angestrebte Vereinfachung des Ordnungsrechts für Gebäude kommt vorerst nicht: Das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinspar-Verordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) hätten mit dem GEG zusammengelegt werden sollen. Das hätte vielen Ingenieuren, Architekten, Handwerkern geholfen. Alle sind sich einig: Wenn Deutschland die Energiewende schaffen und seine ambitionierten Klimaziele erreichen will, müssen endlich die großen CO2- und Energieeinsparpotenziale   bei Gebäuden mobilisiert werden. Auf Gebäude in Deutschland entfallen rund 30 Prozent des CO2-Ausstoßes und über 40 Prozent des Primärenergieverbrauchs. Die Sanierungsquote liegt seit Jahren unverändert bei unter einem Prozent. Bei einem Großteil der rund 16 Mio. Ein- und Zweifamilienhäuser besteht erheblicher Sanierungsbedarf: Mehr als 60 Prozent der Fassaden und über 30 Prozent der Dächer sind ungedämmt, 45 Prozent der Fenster sind energetisch schlecht und 40 Prozent der Heizungsanlagen sind sanierungsbedürftig. Die jetzige Richtlinienänderung, mit der eine höhere Zahl an Beratungen und entsprechenden Sanierungsmaßnahmen erreicht werden soll, ist nur ein kleiner Schritt in die Richtung des angestrebten Ziels der Bundesregierung, nämlich die Verdoppelung der Sanierungsquote zu schaffen.

Noch mehr Einzelheiten zu dem Thema lesen Sie in der neuen Ausgabe der Mappe: Der Brennpunkt im Heft 3/18 klärt auf den Seiten 10 bis 16 ausführlich über die gesetzliche Änderung auf.