Gesetzeslücke bei der EnEV

 

Wie die Institution »Zukunft Altbau« (www.zukunftaltbau.de) informiert, ermöglicht die EnEV eine Ausnahmeregelung. Man kann allerdings auch von einer Gesetzeslücke sprechen, die erst in den letzten Monaten auffiel! Die gesetzliche Vorgabe geht von der durchschnittlichen Dämmstoffdicke von 14 Zentimeter aus. Bislang galt die rund zehn Jahre alte Regel, dass die Dämmschicht der Fassade je nach Dämmmaterial und Zustand der Außenwand mindestens 12 bis 16 Zentimeter dick sein muss, um die gesetzlichen Minimalstandards der Energieeinsparverordnung EnEV zu erfüllen. Wie die Gesetzeslücke überhaupt zustande kam, ist bislang unklar.

Gesetzeslücke WDVS
Welche Dämmdicke ist richtig? Die EnEV erlaubt überraschend Ausnahmen, die erst diesen Sommer aufgefallen sind. Foto: Mappe

 

Die gesetzlichen Vorgaben gelten nicht, wenn bei der Sanierung ein Wärmedämm-Verbundsystem ohne Abschlagen des Altputzes angebracht wird. Bleibt der bestehende Außenputz dran, ist tatsächlich auch weniger Dämmung erlaubt. Wer diese Möglichkeit nutzt, tut sich damit aber keinen Gefallen, warnt das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau.

Die Vor-Ort-Situation

Ein Hauseigentümer in Ebersbach bei Göppingen hatte im Sommer 2016 begonnen, seine Fassade mit einer nur vier Zentimeter dicken Dämmung zu verkleiden. Die untere Baurechtsbehörde ordnete daraufhin einen Baustopp an. Doch dann kamen erste Zweifel, ob der Ebersbacher Fall, das Anbringen der Dämmung auf den nicht entfernten Altputz, von der EnEV überhaupt mit Anforderungen versehen ist. Die Antwort der Projektgruppe EnEV der Bauministerkonferenz vom 27. September brachte Gewissheit: Nein, in solchen Fällen gibt es keine Regelung der Außenwanddämmung.

Auch der Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade (SAF) berichtet auf seiner Homepage über diese Situation und stellt einen Auszug des Antwortschreibens der Bauministerkonferenz vom 27.09.2016 vor. Zitat: »(…) Wird hingegen ein Wärmedämmverbundsystem ohne Abschlagen des Altputzes angebracht, bleibt es mit der derzeitigen Regelung der EnEV 2013 dem Hauseigentümer überlassen, in welcher Dicke die Dammschicht ausgeführt wird. (…)«.
Wie Zukunft Altbau berichtet, wurde bei der letzten Änderung der EnEV, die im Mai 2014 in Kraft trat, die folgenschwere Änderung mit aufgenommen. Davor gab es die Ausnahme nicht. Ob diese Entscheidung Bestand hat, wird sich zeigen, denn man hat im Lauf der Jahre mehr als 20 sogenannte Interpretationen der EnEV herausgegeben. Darin werden Klarstellungen zur Auslegung der Verordnung definiert.

Dickere Dämmung ist besser

Wer mit dem Gedanken spielt, die EnEV-Ausnahmeregelung in Anspruch zu nehmen, sollte Folgendes bedenken: Mit einer geringeren Dämmstoffdicke werden nur wenig Investitionskosten gespart. Handwerker und ihr Gerüst, das Verkleben und die Putzschicht müssen sowieso bezahlt werden, es fallen nur geringe Materialkosten weg. »Pro Zentimeter Dämmstärke belaufen sich die eingesparten Kosten auf durchschnittlich zwei Euro je Quadratmeter«, sagt Dr. Volker Kienzlen, Leiter der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. »Diese Ersparnis wird durch den höheren Energie- verbrauch über die Lebensdauer mehr als aufgefressen.« Wirtschaftlich seien dünnere Dämmplatten daher nicht.

Ein weiterer Grund spricht gegen eine reduzierte Dämmung. Da eine einmal aufgebrachte Fassadendämmung Jahrzehnte in Betrieb ist, sind Gebäudeeigentümer mit geringeren Dämmdicken nur unzureichend vor künftigen Preissteigerungen gewappnet. »Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass der Preis für Heizenergie in 20, 30 Jahren immer noch so niedrig ist wie heute«, so Kienzlen. »Wer jetzt nur mit acht bis zehn Zentimeter dämmt, macht sich abhängiger von einem steigenden Energiepreis und muss eventuell teuer nachdämmen.«
Viele Experten empfehlen Hauseigentümern, bei einer Sanierung sogar noch besser zu dämmen, als der Gesetzgeber fordert. Die für eine KfW-Förderung vorgegebene Qualität ist dabei sinnvoll. Wer etwa 16 bis 20 Zentimeter Dämmung anbringen lässt, kommt in den Genuss des staatlichen Fördergeldes. Das macht schnell mehrere Tausend Euro aus und deckt die Mehrkosten ab, die bei einer besonders dicken Dämmung entstehen. Eigentümer in Baden-Württemberg erfüllen mit einer solchen Dämmung außerdem die Anforderungen, die das Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes bei einem späteren Heizungstausch stellt.

Quelle: www.zukunftaltbau.de