Geplante Obsoleszenz: Kaufen für die Müllhalde

Ihr früher Tod ist programmiert. Da finden sich wärmeempfindliche Bauteile ausgerechnet dort in Geschirrspülmaschinen wieder, wo sich ganz sicher Wärme entwickelt. Da werden in Haushaltsgeräten und Flachbildfernsehern billigste Kunststoffzahnräder und -federn verbaut, ohne die das ganze teure Equipment drumherum nicht mehr mag. Da behauptet der Drucker steif und fest, er sei irreparabel defekt, weil seine Software ihm nur eine bestimmte Zahl an Ausdrucken erlaubt. Die gewollte, ins Produkt hineinprogrammierte Kurzlebigkeit hat inzwischen sogar einen Namen: „geplante Obsoleszenz“.

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Beispiel Fernseher: Neue Flachbildfernseher bieten lange nicht mehr die für TV-Geräte übliche Lebensdauer von zehn Jahren. LED- und Plasmafernseher werden in Deutschland durchschnittlich schon nach sechs Jahren ausgetauscht, hat der IT-Verband Bitkom herausgefunden.

Der Wechsel ist zum Teil auch freiwillig. Bei der Flachbild-Technik ist vieles in Bewegung, Innovationen wie HD-TV, 3D oder Internet lassen Vorgängermodelle alt aussehen. Die ständige Leistungssteigerung der Geräte lässt Verbraucher bereits nach kurzer Zeit zu den inzwischen noch besseren Angeboten schielen. Aber viele Menschen trennen sich auch von ihren modernen Fernsehgeräten, weil sie kaputt sind. In Verbraucher- und Technikforen klagen viele über einen Fernseher, der schon nach wenigen Jahren defekt ist.

Fachleute bestätigen diese Wahrnehmung. Dem IT-Portal Golem.de sagte ein Techniker des Berliner TV-Reparaturunternehmens Atlas Multimedia, Flachbildfernseher würden bei durchschnittlichem Gebrauch von fünf Stunden täglich etwa drei bis vier Jahre halten. „Das ist unabhängig von der Marke so, egal ob Toshiba, Sony, Samsung oder Philips. Die sind alle so gebaut, dass sie schnell kaputtgehen.“

Die Studie der Grünen-Bundestagsfraktion „Geplante Obsoleszenz“ führt zahlreiche Produkte auf, bei denen Hersteller laut Experten täuschten oder tricksten. Die Leidtragenden sind die Kunden, die in immer kürzeren Abständen neue Produkte kaufen müssten. Der künstliche Verschleiß koste sie mehrere Milliarden Euro im Jahr, meint die Studie der Grünen.

Aber die künstliche Alterung der Produkte verärgert nicht nur Konsumenten, sie produziert auch riesige Müllberge und verschwendet Unmengen an Rohstoffen. 50 Millionen Tonnen Elektroschrott entstehen jedes Jahr weltweit. Zwei Drittel davon kommt in den Entwicklungsländern an. Dort schmilzt die verarmte Bevölkerung die teils wertvollen Rohstoffe wie Gold oder Platin auf freien Flammen aus – und gefährdet ihre Gesundheit massiv. Die entstehenden Dämpfe sind hochtoxisch, Atemschutzmasken gibt es kaum. Spätestens hier wird die geplante Obsoleszenz zum moralischen, sozialen und ökologischen Skandal!

Die meisten dieser Tricksereien lassen sich nur schlecht belegen. Wie denn auch als einfacher Nutzer einen juristisch einwandfreien Nachweis erbringen oder zahlreiche Produktgruppen testen? Der Protest konzentriert sich bislang vor allem in Foren, Blogs und Facebook-Gruppen im Internet, etwa bei www.mursk-nein-danke.de. Hier sammelt der Betriebswirt Stefan Schridde Beispiele von geplantem Kaputtgehen und zeigt Lösungen auf, wie man vermeintlich kaputte Geräte wieder in Gang bekommt. Er fordert eine Kennzeichnungspflicht, nach der Hersteller die geplante Lebensdauer des Produkts angeben müssen und empfiehlt, beim Kauf eines Produkts darauf zu achten, ob eine Reparatur überhaupt möglich ist. Ist das Gehäuse eines CD-Players verklebt oder verschraubt? Könnte man es im Notfall einfach aufschrauben? Ist der Akku des Handys herausnehmbar? Geht ein Gerät allzu schnell kaputt, sollte sich der Kunde beim Hersteller beschweren. Und je mehr Kunden  wegen des gleichen Makels beim Hersteller vorsprächen, desto eher reagiere der.

Der schnelle Verschleiß von Produkten ist auch Thema in den Trends & Chancen der Mappe 4/2015.

Bild: Frank Radel/pixelio.de