Generation Z: Pinsel statt Smartphone?

Während der vorigen Azubi-Generation noch Werte wie eine gute Work-Life-Balance, ein flexibles Arbeitszeitsystem und eine leistungsorientierte Bezahlung wichtig waren, hat die nachfolgende Generation Z wieder andere Ansprüche. Das könnte Arbeitnehmer  ratlos machen, muss es aber nicht, denn die nach 1995 Geborenen haben Vorstellungen, die ganz gut zum Handwerk passen.

Beitrag
Ist die Generation Z möglicherweise die Lösung für das Nachwuchsproblem im Handwerk?

Sie sind smartphonefixiert, verwöhnt und vertragen keine Kritik – so wird die Generation Z gerne charakterisiert. Sie ist allerdings sehr gefragt, weil es immer weniger Nachwuchs gibt. Und das macht sie sicher und selbstbewusst, sie kennen ihren Wert. Wo sie sich zugehörig fühlen, sind sie eher wertkonservativ. Geht man nach den Erkenntnissen von Wissenschaftlern, Soziologen und Arbeitsweltexperten, dann sind die jungen Menschen der Generation Z die geborenen Beamten. Sie wünschen sich vor allem geregelte Arbeitszeiten, einen sicheren Arbeitsplatz und ein gutes Betriebsklima. Sie sehen die Vermengung von Arbeit und Freizeit skeptisch und stehen auf einen klaren Dienstschluss. Zu groß ist die Sorge, inmitten der ständig verfügbaren Medienpräsenz und Medienerreichbarkeit beruflich nicht mehr abschalten zu können. Die Eingrenzung der Generation Z schwankt zwischen »nach 1995 Geborenen« bis »nach 2000 Geborenen«. Auf die Frage  wie sie diese zeitlich eingrenze und charakterisiere, sagt Prof. Dr. Cathrin Eireiner von der Hochschule Pforzheim im Mappe Interview: »Ich halte es für nicht angebracht, das Konzept der Generation Z sehr konkret an einer bestimmten Jahreszahl festmachen zu wollen – und wie wir in der Forschung sehen, gelingt dies auch nicht sonderlich gut. Das Konzept funktioniert für mich viel mehr über eine gemeinsame Wertvorstellung, die natürlicherweise eine gewisse Nähe zu aufeinander folgenden Geburtsjahrgängen aufweist, aber auch Ausreißer zulässt. So können Sie einem jungen Menschen mit Wertvorstellungen begegnen, die eher älteren Generationen zugeschrieben werden und umgekehrt. Welche Werte für eine Generation wichtig werden, hängt mit den historischen Ereignissen zusammen, die das Erleben während des Heranwachsens prägen. So sind es für die Generation Z vor  allem Krisen, die weltweite Konsequenzen haben wie Fukushima, 9/11 oder der Klimawandel. Zu den Werten, die der Generation Z in der Wissenschaft zugeschrieben werden, gehören unter anderem Selbstbestimmtheit und Sicherheit.«

Digital Natives dank Social Media und Co.

Junge Menschen der Generation Z sind die ersten, die vollständig mit Computer, Mobiltelefon, Internet und Social Media, also in der digitalen Welt groß geworden, sind. Man bezeichnet sie auch als Digital Natives. Für die Vorgängergeneration    war die digitale Welt noch ein neues, paralleles Universum, für die Generation Z ist sie dagegen ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Sie sind ständig online – privat vernetzt. »Prägendes Merkmal für die Generation  Z ist das Smartphone«, meint die Schweizer Triple-A-Team AG in ihrer Metastudie über die Generation Z. Die Autoren haben mehrere wichtige Studien zum Thema Generation Z ausgewertet, darunter die in den Medien vielfach zitierte Shell-Jugendstudie 2015, die Sinus Jugendstudie 2016 oder den Ford Trendreport 2015. Das Medium Internet hätte bei dieser Generation Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit oder das permanente Scannen der Umwelt, gefördert. Diese Fähigkeiten bräuchte die Generation Z in der hoch komplexen, sich schnell wandelnden Gesellschaft, in der langfristige Planung einfach nicht mehr möglich sei, wird der Jugendforscher Klaus Hurrelmann gegenüber  der Wochenzeitung »Die Welt« zitiert. So hat der Soziologe ein neues Stärke-Schwäche-Profil für die Arbeitnehmer von morgen  identifiziert: »Wir bekommen eine hochsensible junge Generation, die alles blitzschnell aufnimmt und erfasst und enorm multitaskingfähig ist, dann aber auch nicht mehr so konzentriert ist, sich schnell ablenken lässt und ein kurzes Durchhaltevermögen besitzt.« Darauf müssten sich die Unternehmen  schon heute einstellen.

Die Studie »Wie ticken Jugendliche 2016?« des Sinus-Instituts im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung und anderen Trägern   zeigt, dass für die meisten 14- bis  17-Jährigen heute gilt: Man möchte sein wie alle. »Die auf Abgrenzung und Provokation zielenden großen Jugend-Subkulturen gibt es kaum mehr. Eine Mehrheit ist sich einig, dass gerade in der heutigen Zeit ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, weil nur er ›das gute Leben‹, das man in diesem Land hat, garantieren kann«, berichtet die Studie. Der Begriff »Mainstream« sei bei den meisten Jugendlichen kein Schimpfwort, sondern – im Gegenteil – ein Schlüsselbegriff im Selbstverständnis  und bei der Selbstbeschreibung. »Viele wollen mehr noch als vor wenigen Jahren so sein ›wie alle‹. Ein mehrheitlich gemeinsamer Wertekanon vor allem aus sozialen Werten deutet auf eine gewachsene Sehnsucht nach Aufgehoben- und Akzeptiertsein, Geborgenheit, Halt sowie Orientierung in den zunehmend unübersichtlichen Verhältnissen einer globalisierten Welt hin.« Die Metastudie der Triple-A-Team AG folgert daher: »Angehörige der Generation Z wohnen deshalb oft noch – nicht nur aus finanziellen Gründen – bei den Eltern und wenden sich konservativen Wertvorstellungen zu.«

Hohe Ansprüche an die Arbeitswelt

Viele der Jugendlichen der Generation Z, oft Einzelkinder, haben eine eher konfliktfreie Beziehung zu ihren Eltern, sie wurden bewusst gefördert und bestätigt. Was bedeutet das für Ausbilder und Chefs in Betrieben? Prof. Cathrin Eireiner sagt: »Tatsächlich legen empirische Erkenntnisse nahe, dass diese Generation schon immer umsorgt und im hohen Maß behütet wurde.« Die Eltern der Generation Z würden oft als Helikopter-Eltern erlebt, die alle wichtigen Schritte im Leben ihres Kindes miterleben und deren Lebensweg gern auch organisieren möchten. »Dieser Zustand, ›behütet zu sein‹, sei somit das Bekannte und das, was die Generation Z erwartet und auch sehr schätzt. Auch im betrieblichen Kontext. So erwartet die Generation in allen Lebenssituationen ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen kann, was ihr auch den Beinamen >Kuschelkohorte‹ eingebracht hat. Für Führungskräfte  und Chefs hat diese Erkenntnis zur Folge, dass die Vertreter der Generation Z hohe Ansprüche an die Wohlfühlatmosphäre stellen – sowohl was das Betriebsklima als auch die räumliche Ausstattung angeht. Für Chefs  bedeutet dies, im Unternehmen positive Rahmenbedingungen schaffen zu müssen  ohne dafür eine Gegenleistung oder Dankbarkeit  erwarten zu dürfen.

Warum es wichtig ist, den Fokus der Arbeitswelt schon jetzt auf die Generation Z auszurichten und auf was sich Arbeitgeber noch einstellen sollten erfahren Sie im Brennpunkt der neuen Mappenausgabe 12/2017.