Gelebte Inklusion im Dominikus-Ringeisen-Werk

Das Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg nahe Augsburg, eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts, unterhält in verschiedenen Einrichtungen ein umfassendes Angebot für Menschen mit Behinderung in jedem Lebensalter und mit den unterschiedlichsten Betreuungs- und Unterstützungsbedarfen.

Für benachteiligte Jugendliche bzw. Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Erkrankungen, die eine besondere Unterstützung für eine erfolgreiche Berufsausbildung benötigen, gibt es das Berufsbildungswerk mit einer großen Anzahl an Ausbildungsmöglichkeiten – so auch die Möglichkeit zum/zur Maler(in) und Lackierer(in) und Bau- und Metallmaler(in).

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Lernschwache Jugendliche absolvieren im Ringeisenwerk in Ursberg erfolgreich eine Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk. Hier mit einem ihrer Ausbilder, Peter Nasser. Foto: DAW Caparol/Martin Duckek

 

Eine wesentliche Besonderheit dabei ist, dass diese erwähnten Ausbildungen in einem eigenen einrichtungsinternen Betrieb »Farbe & Raum«, durchgeführt werden. Dieser muss wie ein Betrieb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt betriebswirtschaftlich geführt werden und sich dem Wettbewerb stellen. Aktuell durchlaufen 22 Jugendliche dort ihre Ausbildung – unter Anleitung und Betreuung von Malermeister Georg Sirch, zwei Ausbildern und 13 Gesellen. Und das mit großem Erfolg, denn die Jugendlichen finden danach alle wirklich Arbeit in externen Betrieben. Lediglich zwei sind derzeit noch auf der Suche. Möglich wird dieser Erfolg durch das spezielle Ausbildungskonzept, bei dem die Azubis ungeachtet ihrer Einschränkungen wie in jedem anderen Malerbetrieb im dualen System ausgebildet werden.

Das soziale Miteinander fördern

Neben der Vermittlung von klassischen Ausbildungsinhalten ist es ebenso Ziel, die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit und Entwicklung zu fördern und sie zu einem selbstbestimmten Leben zu befähigen. Im Malerbetrieb »Farbe & Raum« sind beispielsweise auch Jugendliche mit psychischen oder sozialen Problemen beschäftigt. Oftmals haben sie wenig familiären Rückhalt oder sind in vorherigen Ausbildungs- oder Arbeitsversuchen gescheitert. Hier werden sie zunächst mit den grundlegenden Regeln des sozialen Miteinanders vertraut gemacht, was wesentliche Voraussetzung für einen guten Kundenkontakt ist.

Werkzeuge, die stark machen

Die Azubis führen hochwertige Malerarbeiten aller Art durch, auch im Restaurierungsbereich. »Nicht nur an und in den Gebäuden der Stiftung, jeder vierte Auftrag kommt von Privatkunden. Die sind sehr zufrieden mit den Arbeiten, in 19 Jahren gab es keine Reklamation«, sagt Georg Sirch. Für den Ausbilder ist das Handicap seiner Azubis zweitrangig, vielmehr gehe es darum, ihre Stärken zu fördern und den Jugendlichen »Werkzeuge« an die Hand gegeben, damit sie mit ihrem Handicap besser umgehen lernen. »Wir sagen den Betrieben, die unsere Jugendlichen gerne übernehmen, wo sie ihre Gesellen am besten einsetzen können und dass sie sich Zeit nehmen sollen. Das rentiert sich, denn es ist ein großes Potenzial da«, weiß Sirch, und die Rückmeldung der Betriebsinhaber zeige, dass sie hoch zufrieden mit den Gesellen sind.

Wollen Sie mehr über die Chancen der Inklusion erfahren, Malerbetriebe zu bereichern und dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken? Im Brennpunkt der Mappe 12/2016 (in Kürze erhältlich) erfahren Sie mehr. Broschüren zum Download und weitere nützliche Tipps finden Sie hier.