Flüchtlinge und Asylbewerber im Malerhandwerk

Im Handwerk fehlen Auszubildende, aber auch Gesellen und Fachkräfte, die Verantwortung übernehmen wollen. Diese sind unter den Flüchtlingen, Migranten und Asylbewerbern durchaus zu finden. Ein Potenzial, das erschlossen werden will – und erschlossen werden muss. Wie das gehen kann, das zeigt Malermeister Karl-Heinz Richardt vom gleichnamigen Malerbetrieb aus Bebra.

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Malermeister Karl-Heinz Richardt freut sich über die Mitarbeit von Osman Bekit und Weldu Tekle

„Flüchtlinge und Asylbewerber im Bauhandwerk“ lautet der Titel eines Projekts des Landkreises Hersfeld-Rotenburg und der Lehrbaustelle in Bebra, das 2014 fortgeführt wurde, nachdem im Jahr zuvor bereits vier Teilnehmer in Ausbildungsverhältnisse vermittelt werden konnten. Einer, der die Chance ergriffen hat, ist Karl-Heinz Richardt. Er hat aus dem Projekt zwei Flüchtlinge aus Ostafrika zur Ausbildung als Maler übernommen hat: Osman Bekit aus Eritrea und Weldu Tekle aus Somalia. Er lobt vor allem die Arbeitseinstellung seiner beiden Lehrlinge, die beispielsweise selbstständig sehen, wo sie anpacken sollen. In seinem Team sind die Zuwanderer integriert, sie werden gern mitgenommen und es sind Freundschaften entstanden. Der Malermeister würde beim Bedarf gern wieder Lehrlinge aus Ostafrika ausbilden, wohingegen er mit einem Auszubildenden aus Rumänien weniger gute Erfahrungen gemacht hat.

Die größte Hemmschwelle bei der Ausbildung von Zuwanderern sind oft die ganz fehlenden oder mangelhaften Deutschkenntnisse. Darauf angesprochen konnte uns Karl-Heinz Richardt berichten, dass der eine seiner beiden Schützlinge bereits vor Beginn der Ausbildung Deutschunterricht genommen hat und der andere an mehreren Tagen der Woche gerade die deutsche Sprache erlernt. Nach Ansicht des Malermeisters ist es besonders wichtig, dass in den Wohngemeinschaften möglichst keine Asylbewerber aus dem gleichen Land zusammen kochen und leben, damit sie auch in ihrer Freizeit gezwungen sind, miteinander Deutsch zu sprechen. Wenn die Integration in vollem Umfang gelingen soll, muss man als Unternehmer z. B. auch die kulturellen Unterschiede und Gewohnheiten kennen und z. B. darauf achten, dass Muslime kein Schweinefleisch essen dürfen. Nur so könne man erreichen, dass sich alle Mitarbeiter über eine gemeinsame Feier freuen können, wie Karl-Heinz Richardt aus Erfahrung weiß.

Ist die Erfahrung von Karl-Heinz Richardt ein Einzelfall? Im Brennpunkt der März-Ausgabe der MAPPE berichten wir über weitere mutige Menschen, Projekte und die Chancen und Probleme, die sie beispielhaft aufzeigen.

Foto: Karl-Heinz Richard