Farbe im virtuellen Raum

Eindrückliche Customer Experience (z.dt.: Kundenerlebnisse) sind der Kitt zwischen Auftraggebern und Malern. Oft sind es die Kleinigkeiten, die einen guten Eindruck ausmachen und Kunden an ein Unternehmen binden. Eine immer größere Rolle spielen dabei digitale Medien. Welche Tools machen im Malerhandwerk Sinn?

Paul Bence on Unsplash
VR-Brillen zur Visualierung von Raumgestaltungen hinterlassen beim Kunden Eindruck. Foto: Paul Bence/Unsplash

Der Kunde bewegt sich in einem simulierten dreidimensionalen Raum, einem Abbild des eigenen Wohnzimmers, das er neu gestalten möchte. Bodenbelag, Möblierung und natürlich die Wand- und Deckengestaltung lassen sich per Klick variieren, ganz nach Belieben. Was momentan schon hoch im Kurs steht, tatsächlich aber erst am Anfang steht, ist die sogenannte Virtual Reality (VR). Ganz neue Erlebniswelten entstehen und bieten speziell für das Malerhandwerk einmalige Möglichkeiten Farbgestaltung zu präsentieren. Zwar ist das System noch einigermaßen kostspielig in der Anschaffung, die Customer Experience ist jedoch zweifellos einzigartig. Heute gibt es bereits einige, bezahlbare Tools, die Maler für die besondere Art des Marketing einsetzen können, um auch anspruchsvolle Kunden begeistern.

Die Webseite als digitale Visitenkarte

Weil sich junge wie alte Kunden auf der Suche nach einem Malerbetrieb in der Regel zunächst online informieren, führt heute kein Weg an einer guten eigenen Webseite vorbei. Sie muss einwandfrei funktionieren sowie über ansprechende Gestaltung und informative Inhalte verfügen. Das heißt: scharfe, unverwackelte, aufgeräumte Fotos und aktuelle Texte, die kompakt das Wichtigste aussagen. Die Homepage sollte auch unbedingt »responsive« sein, also auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets in einem ordentlichen Layout angezeigt werden. Das ist für professionelle Webseitengestalter selbstverständlich und auch viele DIY-Baukastensysteme können dies leisten.

Wer es individuell mag, kann sich seine eigene Kunden-App programmieren lassen. Egal ob Homepage oder App, zentral ist die reibungslose Funktion: Laut einer Studie von »Appdynamics« verlassen fast zwei Drittel der Befragten eine Webseite nach nur einem Versuch, wenn Performance-Probleme aufgetreten sind, 80 Prozent haben schon eine App gelöscht, die ihre Erwartungen enttäuschte. Schlechte Erfahrungen frustrieren 56 Prozent, 27 Prozent reagieren gar gestresst oder wütend. Bei den deutschen Umfrageteilnehmern ist dieser Wert mit 45 Prozent sogar besonders hoch.

Farbgestaltung 2.0

Besucher schätzen es, wenn sie auf einer Homepage kreativ sein können. Da es im Malerhandwerk viel zu visualisieren gibt, ist Farbgestaltungssoftware eine gute Möglichkeit, Auftraggeber zu begeistern. Damit können Kunden den gewünschten Anstrich ihrer Wohnung ausprobieren und zusammenstellen. Es gibt vorgegebene Gestaltungsbeispiele, aber auch eigene Raumfotos lassen sich hochladen. Die Industrie bietet entsprechende Software an, wie den Brillux Farbdesigner oder Caparol Spectrum. Die virtuelle Farbgebung kann der Maler im Zug der Beratung gemeinsam mit dem Kunden durchführen oder aber das Programm auf seiner Webseite verlinken, wie Matthias Schultze vom Malerbetrieb Heyse in Hannover. Die Beschreibung auf der Homepage motiviert: »Der Farbdesigner ist alles andere als kompliziert. Nur eines müssen Sie können: die Maus bedienen. Den Rest erledigen Sie mit den interaktiven Werkzeugen der Anwendung im Handumdrehen. Überzeugen Sie sich selbst, wie einfach der Farbdesigner funktioniert.«

Farbe in 3D

Die Kür sind jedoch 3D-Simulationen mittels VR-Brillen. Messebesucher konnten auf der BAU 2017 in München Virtual Reality zur Raum und Farbgestaltung testen. Ausgestattet mit einer VR-Brille und einem Handcontroller bewegten sie sich am Caparol-Stand innerhalb eines begrenzten Areals (Room-scale VR) und konnten durch die Gestaltungssoftware »Spectrum« die Farbwelten räumlich erleben. Diese kann die Eindrücke in einem 360-Grad-Film dokumentieren, um sie später auf einer Smartphone-VR-Brille oder einer Gamingbrille am PC abzuspielen. 360-Grad-Kameras sind seit 2015 auf dem deutschen Markt erhältlich, das Interesse steigt. Zur Erzeugung virtueller Realität braucht es außer der VR-Brille eine spezielle Soft- und entsprechende Hardware. Auch Raumakustik lässt sich simulieren: Mit der App »TOPview Akustik« von Knauf, einer VR-Brille und einem mobilen Endgerät kann man einen Raum im 360-Grad-Modus erleben und dabei die Akustik selbständig beeinflussen. Tauscht man zum Beispiel digital eine glatte Decke gegen eine Lochplatten-Akustikdecke mit Rundlochung aus, erfährt man eindrucksvoll, welchen Einfluss das auf die Raumakustik und damit auf das eigene Wohlbefinden hat. Wer keine VR-Brille parat hat, kann diese App auch im normalen Display-Modus des Endgeräts anwenden.

Die digitale Welt entwickelt sich immer weiter. Welche Kniffe Sie noch anwenden können, um Ihre Kunden zu begeistern lesen Sie im vollständigen Beitrag in der neuen Mappe 09/2017.