Europäische WDVS-Norm

Bereits seit 2000 können Hersteller Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) nach europaweit vereinheitlichten Bewertungsmethoden (Prüfungen) auf den Markt bringen. Grundlage bildet bislang die ETAG 004 (European Technical Approval Guideline). Die ETA (European Technical Assessment) weist die Leistungsmerkmale eines einzelnen WDVS aus.

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Foto: Saint-Gobain-Weber

Der Systemhersteller übernimmt die ETA-Daten in seine Leistungserklärung und kann sein WDVS mit CE-Zeichen versehen. Für Hersteller hat das den Vorteil, dass ihre Bauprodukte einmal geprüft im gesamten EU-Binnenmarkt vertrieben werden können. Umgekehrt stellt die einheitliche Bewertung sicher, dass Produktleistungen vergleichbar sind. Die Bauaufsichten der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten – in Deutschland sind das die 16 Landesbauministerien – können dann Anforderungen an die Verwendung CE-gekennzeichneter Bauprodukte festlegen. In Deutschland ist das Instrument dazu die Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB).

Schwierige Harmonisierung

Bei WDVS nutzt das Gros der Hersteller bislang DIBt-Zulassungen. Auch hier werden im Wesentlichen die Bewertungsgrundlagen der ETAG 004 angewendet. Seit Jahren wird auf europäischer Ebene (CEN) an der Überführung der ETAG 004 in eine harmonisierte Norm gearbeitet. Genauer: Es entsteht eine ganze Normenreihe aus Produktnorm (prEN 17237) und zahlreichen Prüfnormen, da die Struktur der Dokumente bei CEN anders ist. Ein erster Entwurf kam mit über 1.200 Kommentaren aus dem europäischen Umlauf zurück. Alle wurden inzwischen bearbeitet. Derzeit geht es darum, auch die formalen Anforderungen der Bauproduktenrichtlinie zu erfüllen. In diesem Zusammenhang ist man bemüht, die Regelungsanforderungen Deutschlands zu berücksichtigen. Die Diskussionen um das EuGH- bzw. das jüngste EuG-Urteil um »lückenhafte Normen« zeigen, wie wichtig dieser Punkt ist. Schließlich soll die Norm, die nicht vor 2021 veröffentlicht wird, auch ohne leidige Diskussionen anwendbar sein.

Für Deutschland wenig Auswirkungen angestrebt

Genau darum bemühen sich die Vertreter der beteiligten Verbände, insbesondere auch der EAE. Für Handwerker wird sich zunächst wenig ändern. Einerseits wird es eine Übergangsfrist geben. Andererseits sollten bis dahin auch die Anwendungsregeln in Deutschland so gestaltet sein, dass die in der Praxis längst bewährten Systeme mit der Umstellung auf die Norm in der Anwendung nicht eingeschränkt werden. Andererseits sollten auch künftig nur solche Systeme anwendbar sein, die die in Deutschland etablierten Sicherheitsstandards durch einheitliche Prüfungen im System nachgewiesen haben. Denn im Sinn der BauPVO ist ein WDV-System als ein Bauprodukt anzusehen.

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